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auf der Straße, da beginnen die Russen schon zu feuern. Inzwischen hat sich der Himmel aufgeklärt, es gibt den herrlichsten Sonnenschein und wird so warm, daß der leichte Gummimantel mir schon zuviel wird. Der reine Frühlingstag! Nach 2½¼stündi⸗ gem Ritt bin ist in Lowicz, das bei dem Sonnenschein einen viel besseren Eindruck macht als an dem Regentag, an dem ich mit meinem Transport in die Stadt kam. Beim Zahnarzt bin ich bald fertig, und reite um 1 Uhr wieder ab, nachdem ich für meine Leute Zigarren requiriert hatte. Auf halbem Wege biege ich von der großen Straße ab, da ich nicht am hellen Tage über das Gefechtsfeld weiter will. Die Wege sind aber über alle Maßen schlecht.
In Swarozin besuche ich wieder meinen Freund Schmitt und schicke die Pferde einst⸗ weilen nach vorn. Um 9 Uhr mache ich mich dann zu Fuß auf den Heimweg. Es ist stockfinster. Ein heller Punkt am Himmel rechts vorwärts verrät, wo der Mond hinter den Wolken steckt. Links ist am Horizont der Feuerschein des brennenden Sochaczew sichtbar. Sonst alles dunkel. Da, ein heller Streifen fährt für Augenblicke am Himmel entlang, der Scheinwerfer der Russen. An anderer Stelle steigt langsam eine Leucht⸗ kugel in die Höhe und senkt sich, weithin das Gelände erhellend, zur Erde. Da und dort vereinzeltes Aufblitzen eines feuern⸗ den Geschützes, vor uns Infanteriefeuer. Ich komme heil in unserem Hause an. Kaum sitze ich im behaglichen Zimmer, da platzt eine Gruppe Schrapnells über unserem freundlichen Dörfchen. Es ist das erstemal, daß die Russen nachts hierher schießen. Sie wollen uns nun wohl auch nachts be⸗ unruhigen, wie wir es unfreundlicherweise stets tun. Die Nacht wird also unruhig werden, und ich bin so ruhebedürftig. Da bei einem Treffer die Strohdächer sofort lichter⸗ loh brennen, wird alles so gelegt, daß man es gleich greifen kann.
Die schwere Artillerie hat in ein paar Mi⸗ nuten außerhalb unseres Dorfes zwei Ge⸗ schütze aufgestellt und beginnt um 11 Uhr zu feuern. Bei jedem Schuß erdröhnt unser Häuschen, und der Bewurf fällt von Decke und Wand herunter. Als das Feuer schweigt, komme ich allmählich zum Schlafen, und die Russen sind so anständig, unsere Ruhe nicht zu stören.
14. Januar 1915. Heute kam der Befehl, daß am 17. vor Hellwerden meine Batterie mit der 6. die Stellung tauscht. Um ½'4 Uhr nachmittags ging ich mit Leutnant Thüre in die neue Stellung, die etwa 1200 Meter näher der Bzura liegt als unsere seitherige. Die Unterstände sind, da die Stellung viel tiefer und im sumpfi⸗ gen Gelände liegt, sehr feucht. Als wir mit Oberleutnant Plesser und seinen Batte⸗ rieoffizieren in deren gemütlichem Häuschen zusammensitzen, erscheint ein württembergi⸗
Ulanenvizewachtmeister mit einem Zivilisten und zwei jungen Mädchen. Es sind Agenten, die für uns tätig sind. Der Vizewachtmeister hatte den Auftrag, sie bei der 6. Batterie abzuliefern, die ihrerseits die Weiterbeförde⸗ rung zum Korpsstabsquartier zu veranlassen hat. Dort erhalten sie ihre Aufträge und werden dann durch unsere Linien durchge⸗ lassen. Ausdrücklicher Befehl war, die Leute sehr zuvorkommend zu behandeln. So wur⸗ den sie mit Kaffee und Zigaretten be⸗ wirtet. Der Mann war sehr nervös; die Mädchen ganz vergnügt, obwohl ihre Fahrt im Infanterie⸗ und Artilleriefeuer recht ungemütlich ist. Als Leutnant Thüre und ich uns nach dem Dunkelwerden auf den Rückweg machten, pfiffen die Infanterie⸗ geschosse uns tüchtig um die Köpfe.
Wir machen einen schlechten Tausch, wer⸗ den aber wohl mehrere Wochen in der neuen Stellung aushalten müssen, die besonders für den Fall eines feindlichen Angriffs un⸗ angenehm ist, da hinter der Stellung lauter ficht ist, durch den nur ein Weg hindurch⸗ führt.
17. Januar 1915. Der gestrige Regen hat die an sich schon schlechten Wege in Sümpfe verwandelt. Um 4 Uhr morgens beginnt in Bronislawy reges Leben. Es gilt, die schöne Unterkunft zu verlassen. In der Nacht hat ein heftiger Sturm gewütet, auch jetzt weht noch ein häßlicher Wind. Trotz des Befehls, daß alles mit größter Ruhe vor sich gehen müsse, kommen die Fahrer mit hot, hüh, halt usw. mit den Pferden aus den Scheuern und holen die Geschütze aus der Feuerstellung. Hier und da eine verhängte Laterne, das Aufblitzen der ellektrischen Taschenlampe. Ob der Feind nichts von der Bewegung merken und seine Scheinwerfer spielen lassen wird? Um ½6 Uhr— es ist noch stockfinster— rückt die Batterie nach der neuen Stellung ab, ich mit Leutnant Thüre zu Fuß vorne her, da unsere Pferde nach dem 20 Minuten von der neuen Feuer⸗ stellung entfernten Dorf Erminow kommen, wo die Protzen Unterkunft beziehen. Man sieht kaum den Weg vor sich. Dieser wird immer schlechter, schlammiger; ich gerate in tiefe Löcher, das Wasser läuft oben in die Stiefel, lautlos geht es weiter. Die Russen lassen hier und da Leuchtkugeln aufsteigen,
aber weit von uns entfernt. In der Dunkel⸗
heit verfehlen wir den Weg, der nach rechts zur neuen Feuerstellung abbiegt; wir si zu weit nach vorn gekommen, müssen uns nun in der Dunkelheit erst zurecht suchen. Aber es gelingt, den Weg zu finden, und die Protzen, bevor es hell wird, zurückzuschicken.
Unser neues Heim ist ganz hübsch. Aber wir sind dem Feind viel näher, dürfen am Tag nicht aus dem Haus heraus. Aber ich bin froh, daß wir unbemerkt und ohne Feuer zu erhalten, in die Stellung gekommen sind. Hoffentlich kommen wir später auch wieder gut heraus.
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