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im hiesigen Lager die Zentralstelle für das Zeitung we en der Krieg ge angenenlager des ganzen 18. Armeekorps be an), die ebenso wie die äußerst umfangreiche Bibliothek in den Händen des jetzt noch hier lebenden Prosessors Bre ien, eines früheren Dozenten an der Handelshochschule in Paris, lag.

Eine weitere Abwechselung des eintönigen Lagerlebens, zugleich Zerstreuung für die Ausübenden und Genuß für die Kameraden boten Musik und Gesang, und die oft künst⸗ lerisch hochstehenden Konzerte der Lager⸗ kapelle fanden auch in den deutschen Offi⸗ zieren, Unteroffizieren und B'ewachungs⸗ mannschaften au merksame Zuförer. Die Musikinstrumente wurden entwe er aus der Heimat geschickt oder an Ort und Stelle gekauft oder geliehen, teilweise auch von den Gefangenen selbst angefertigt. So sah ich Violinen, die im hiesigen Lager gebaut worden waren und den an sie gestellten Anforderungen auch völlig genügten.

Neben den Konzerten trugen die Thater⸗ aufführungen wesentlich zur Unterhaltung der Kriegsgefangenen bei. Eine große Ba⸗ racke war zu diesem Zwecke zur Ver ügung gestellt und recht geschmackvoll von Malern ausgemalt worden. Daß eine Bühne und die notwendige Beleuchtung nicht fehlte, ist verständlich. Auf dem Gebiete der Bühne leisteten die Franzosen unstreitig wieder das beste; bewundernswert war außerdem die

Geduld und der kindliche Frohsinn, mit dem

sie aufs engste zusammengepfercht stunden⸗ lang den Darstellungen auf der folgten. Und es waren vielfach auch aner⸗ kennenswerte Leistungen, die auf den Brettern geboten wurden, denn außer Dilettanten, die Anlage zum

Berufsschauspieler,

Gefangenen Bei gutem

künstler, Akrobaten u. dgl.

Wetter bildeten sich auf den Höfen zahlreiche

Gruppen, die Bewegungsspiele veranstalteten oder sich mit Kegeln oder anderen Kugel⸗

spielen die Zeit vertrieben. Auch das Tennis⸗ spiel wurde eifrig gepflegt. Bei allen Na⸗ tionen war das Fußballspiel beliebt; hier

waren allerdings die Engländer die an⸗ erkannten Meister. Auch regelrechte Box⸗ kämpfe fanden zuweilen statt, wie über⸗ haupt Sport und Spiel einen wesentlichen Teil der freien Zeit der Gefangenen aus⸗ füllten, nicht nur geduldet, sondern durch⸗ aus gefördert von den Lagerbehörden. Nur zuweilen mußten diese Vergnügungen unter⸗ bleiben, wenn es notwendig war, durch sog. Repressalien eine völke rechtswidrige Be⸗ handlung unserer Gefangenen im feindlichen Auslande abzustellen. Man kann natürlich über den Wert und die Berechtigung solcher Maßnahmen sehr verschiedener Meinung sein sie treffen meist Un chuldige aber gerade einem so unversöhnlichen Gegner wie Frankreich gegenüber waren sie viel⸗ fach das einzige, wirklich wirksame Mittel,

Bühne

5 Theater⸗ spielen hatten, gab es stets auch unter den Zauber⸗

und unsere Gefangenen, die nach Entlassung der Franzosen in die Heimat noch so viele Monate das Elend der Gefangenschaft zu tragen hatten, wissen ein Lied davon zu singen, wie sehr sich ihre Behandlusig ver⸗ schlechtert, als uns das Mittel dieserRe⸗ pressalien nicht mehr zu: Virfügung stand. Neben Musik und Theater wurde auch die Malerei und Bildhauerei im hiesigen Lager ernstlich gepflegt; dieKünstler⸗ baracke vereinigte Maler und Bildhauer, die in ihrem Fach etwas bedeuteten und den Wunsch hatten, auch in den Jahren der Gefangenschaft sich weiter auszubilden. Es bedeutete gewiß ein hohes Maß von Wohl⸗ wollen und Entgegenkommen, wenn Maler in Begleitung eines Landsturmmannes die Umgegend von Gießen aufsuchen durften, um Motive für ihre Bilder zu finden, und neben dem Denkmal für die hier verstorbenen Kriegsgefangenen auf dem Friedhofe, das ein französischer Künstler geschaffen hat, sind zahlreiche Bilder im Museum künftigen Geschlechtern noch ein Zeugnis für die menschliche Behandlung, die den gefangenen Feinden im Lager Gießen zuteil geworden ist; es darf zufammenfassend mit gutem Gewissen behauptet werden, daß hier wie wohl in allen Lagern alles geschehen ist, was unter den obwaltenden Umständen mög⸗ lich war, um die geistige Not der Gefange⸗ nen zu lindern. ö

wenn ich nicht noch auf eine Seite geistiger Förderung eingehen wollte, die mir als die überhaupt wichtigste erscheint. Das ist die religiöse. Darum noch einige Mitteilungen über die Seelsorge im Gefangenenlager. Grundsätzlich hat man in den deutschen Gefangenenlagern allen Insassen Gelegen⸗ heit geboten, den Segen ihrer Religion zu genießen. Das brachte natürlich e hebliche Schwierigkeiten mit sich. Man überwand sie teilweise dadurch, daß man die Gefan⸗ genen bestimmter Konfession oder Religion zusammenlegte. So wurden z. B. alle Mo⸗ hammedaner in das sog.Halbmond lager Zossen überführt, wo eine wundervolle Moschee errichtet worden ist, so kamen die evangelischen Franzosen und Belgier in letzter Zeit sämtlich nach Darmstadt, wo regelmäßig evangelischer Gottesdienst in französischer Sprache gehalten wur e. Aber im Lager selbst blieben trotzdem noch eine ganze Anzahl verschledener Konfes ionen zu versorgen, und so mußte die große, freund⸗ licheKirchenbaracke in verschiedene Ab teilungen gegliedert werden. Es gab einen englischen, einen französischen und einen irischen Kirchensaal, in dem die Gottes⸗ dienste und Abendmahlsfeiern abgehalten wurden. Nach den Anweisungen des General⸗ kommandos sollte die Seelsorge in den Ge⸗ fangenenlagern in die Hände der einheimi⸗ schen deutschen Pfarrer gelegt werden, aber die Verhältnisse brachten es mit sich, daß

Doch würde das Bild lückenhaft sein,

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