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In der Nacht fuhren wir an Rogow vor⸗ bei, wo wir am 28. März nach den Kar⸗ pathen verladen wurden. Der große Ring auf der Karte ist also geschlossen. Wer hätte gedacht, als wir am 18. März unsere Stellung bei Gut Dembsk(an der Bzura) verließen, daß wir nach 6 Monaten auf der hinter der damaligen feindlichen Stellung herführenden Bahnlinie fahren würden, und zwar von Warschau kommend. Nein, nicht von Warschau, sondern viel weiter östlich her, von der 330 Kilometer östlich der Bzura fließenden Jasiolda.
Um ½9 Uhr vormittags mußten wir in Stradom, einem Vorort von Czenstochau, aussteigen. Auch die Pferde wurden aus⸗ geladen, nur unsere Fahrzeuge blieben auf den Wagen. Alle Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften wurden in die Ent⸗ lausungsanstalt geführt, eine riesige, sehr gut eingerichtete Anlage. Unsere Kleider, Stie⸗ fel und Decken wurden zusammengepackt und wanderten in den Desinfektionskessel, wäh⸗ rend wir selbst ein warmes Bad nahmen und uns mit Schmierseife reinigten. Seit 9 Monaten das erste warme Bad! Welch
eine Wohltat! Als wir unsere Kleider wieder
erhielten, strömten sie einen beißenden For⸗ malindunst aus. Nun haben wir aber einen neuen Adam angezogen. Doch wie lange wird die Läusefreiheit vorhalten? Nachmittags. Da wir bis 3 Uhr Zeit hatten, konnten wir einen lange gehegten Wunsch erfüllen und das 25 Minuten von der Anstalt entfernte Kloster Czenstochau, das Nationalheiligtum Polens, besuchen. Vorüber an Villen in neuzeitlichem Stil, durch einen gutgepflegten Stadtpark kamen wir zum Kloster. Der Turm der Kloster⸗ kirche ist äußerst graziös. Die Kirchenglocken hängen aber nicht im Turm, sondern an einem großen Holzgerüst im Klosterhof. Das Innere der alten Klosterkirche in traulichem Dämmerlicht stimmt sehr an⸗ dächtig. Es fand gerade Hochamt statt, wozu ein Chor sang. Der Hochaltar mit dem von Edelsteinen glitzernden Bild der schwarzen Madonna, deren Nachbildung man in jedem Hause in Polen findet, ist von einem Reichtum, wie ich ihn noch nicht gesehen habe. An den Wänden rechts und links des Altars hängen von oben bis unten von Kranken gestiftete Tafeln, Herzen, Beine, Arme u. dgl. aus Silber. Um das architektonisch schöne, auf einem Kegel, der eine weite Fernsicht bietet, gelegene Kloster führt ein Rundgang auf dem alten Festungs⸗ wall(das Kloster war befestigt) und gewährt einen erhebenden Blick auf die Stationen des Leidensweges Christi, herrliche Kunst⸗ werke, die auf dem mit gärtnerischen Anlagen hübsch geschmückten, äußeren Wall errichtet sind. Der Rückweg führte uns an einem im⸗ posanten Denkmal Kaiser Alexanders II. vorbei zur Anstalt, wo wir, von unserm Ausflug sehr befriedigt, uns des guten
Mittagessens mit prächtigem deutschen Bier erfreuten. 5 Abends. Nicht lange nach der Abfahrt von Stradom kamen wir in Preußisch-Herby auf deutschen Boden. Nun fuhren wir bei herrlichem Sonnenschein durch schönen deut⸗ schen Wald. Welch ein Glücksgefühl, wieder einmal auf deutschem Boden zu sein! Es gibt nur ein Deutschland, und heute mehr denn je, darf das Bewußtsein, ein Deutscher zu sein, uns mit Stolz erfüllen. Frischgrüne Wiesen, auf denen das Grum⸗ met in Haufen sitzt und das Vieh friedlich weidet, gepflügte Aecker mit brauner, deut⸗ scher Erde, freundlich winkende Menschen, liebe Kinder, die sich über die fröhlichen Soldaten freuen und nichts ahnen von dem furchtbaren Ernst der Zeit, fliegen an uns vorüber. Im nahen Dorf läuten die Abend⸗ glocken, ein langentbehrter Heimatklang. Ist das friedliche Land Deutschland, das, von Feinden rings umgeben, hart um sein Da⸗ sein kämpft? Wir öffnen eine Flasche Wein und stoßen darauf an, daß es uns vergönnt sein möge, nach erlangtem Frieden als Sieger in das teure deutsche Vaterland zurückzukehren! Immer näher kommen wir der lieben Heimat, aber nicht lange mehr, dann wird sich die Fahrt wenden, und wir eilen wieder weg, weit ab von der heimatlichen Scholle, Denn die Reise geht, wie wir vermuten, nach dem serbischen Kriegsschauplatz.
Geschichten und Bilder aus Alt⸗Gießen. (Fortsetzung.)
2. Die Familie des Johann Melchior Pistor.
Die Aufzeichnungen, die Johann Melchior Pistor gemacht hat, sind ausführlicher als die des Kastenmeisters Becker, sie finden sich in einem festgebundenen Buche, in dem aber nur 12 Seiten beschrieben sind, der weitaus größte Teil des Buches weist unbeschriebene Blätter auf. Pistor gibt uns hier folgende Beschreibung seines Lebens:„Johann Mel⸗ chior Pistor, bin geboren 1755 d. 31. May, Mein Vatter wahr weyland Johann Hein⸗ rich Pistor, Borger und Becker wie auch Adjutand bey der Löbliche Borgerschaft all⸗ hier. Meine Mutter war Elisabetha eine ge⸗ borene Faberin. Meine Eltern sind mit frühzeitig gestorben und unter der Formund⸗ schaft habe müssen stehen. Da ich nun mein Glaubensbekenntnis(hier fehlt wohl das Wort abgelegt“) und zum Disch des hei⸗ ligen Abendmahls gegangen wahr, so hat mein Fohrmund mich die Becker⸗Profession
lernen lassen und ich, da meine Lehrjahren
vorbey wahren, mich entschlossen auch unter die Fremten zu gehen und meine Profession ferner zu untersuchen. Im Jahre 1774 bin ich von hier abgereißt und 1784 wieder gesund hier angekomen und haben mich bel meiner Schwester auf gehalten, bis im Jahre
1786 habe selbst anzu zu begeben Junfer D hann Jact allhier in und habe 1786. Da meine Be habe mick ergreiffen Zunft, beg mich gekos 14. Nover chior Loni gelehnt un ben. Weil! 5 ventt hab Buff copu Seegen ut February Schwager lassenes 2 garten we worden, e bezogen h seegnet m 5 Uhr M gethaufft baden sit Frech un Melchior Schwiege ihm die Christian am Leber Hieran terer Ze auf Pfin, Johann schon be alten Pi ihm wer
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