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Eines Tages steht die Ursel wieder ein⸗ Es war spät, da ich als einer der letzten mal schweigsam wie immer bei uns am an Land ging. Die Nacht war wundervoll. Waschfaß, da sagt sie plötzlich ganz trocken: Ein klarer blauer Sternenhimmel, die an⸗ „Gestern ist der Karl gekommen.“ Ich genehme kühle Brise, die nach der Glut am wußte nicht, was ich gehört, und fragte ganz Tage alles aufatmen ließ, dazu endlich mal ahnungslos:„Welcher Karl?“ wieder Land unter den Füßen— es war
„Mein Karl, der sieben Jahre weg war, ein herrliches Gefühl. Wenn der Seemann der ist jetzt wieder da.“ nach langer Fahrt mal wieder an Land
Ich fuhr auf dem Absatz herum und kommt und Geld in der Tasche hat, dann packte sie an beiden Schultern.„Und das ist er wie ein losgelassenes Kind. Die größ⸗ sagt sie mir jetzt erst? Ja, aber Ursel, ten Dummheiten werden dann gemacht, und das ist doch eine Freud, so erzähl' mir doch, manch einem ist sein Landfremdsein schon wie ist er denn wiedergekommen?“ zum Verhängnis geworden.“
Lachend schüttelte ich die Alte. Da fiel(Fortsetzung folgt.)
der graue Kopf vornüber auf meine Schulter, Geschichten und Bilder aus Alt⸗Gießen.
und unter Tränen kam's heraus das große
und unter Tränen kams heraus das große 20. Aus der Geschichte der Gießener
Glück:„Fein ist er wiedergekommen, Ober⸗ Kramerzunft. maat ist er bereits, und eine Uniform hat(Fortsetzung.)
er mit goldnen Knöpfen. Viel hat er mit⸗ Oefters bekleideten im 18. Jahrhundert gebracht, und seine alte Mutter hat er die Bürger Johann Peter Eckstein, Vater nicht ganz vergessen, und herkommen will und Sohn, das Zunftmeisteramt. Der er nachher, den Herrn Vater zu begrüßen.“ jüngere Johann Peter Eckstein war, wie auch
Und er kam. Ja, das war der Karl sein Vater, ein angesehener Bürger. Als mit seinen treuherzigen blauen Augen, das er im Jahre 1761 starb, wurde er im dachten wir alle, als einige Stunden später Kirchenbuche bezeichnet als„des löblichen der stattliche Seemann vor uns stand Und Schöffenrathes Senior, peinlicher Gerichts. dann ging das Fragen los. Zum Schreie schöff, Mitinspektor des geistlichen Land⸗ ben, ja dazu kam er nicht an Bord, und kastens und Kirchenältester“. Auch auf sei⸗
anfangs ging es ihm schlecht. Als Schiffs⸗ junge war er auf einen großen Segler an⸗ geheuert worden. Dort hieß es schwer schaf⸗ fen, und todmüde sank der Junge abends auf sein hartes Lager. Später, da dachte er stets, er käme bald mal heim, aber es hatte sich immer nicht gegeben. Ein biß⸗ chen schlechtes Gewissen wegen des Aus⸗ reißens spielte auch dabei mit. Um so größer war jetzt das Glück, und daß der Karl so„noblicht“ kam und gar Geschenke mitbrachte, das erhöhte noch die Freude.
Was hatte der Junge auch alles erlebt und gesehen! Sogar in China war er ganz bekannt, und unserm Vater hatte er zwei Porzellanfiguren zugedacht.
„Es sind Götzenbilder,“ meinte die
Waschursel und sah furchtsam auf die bei⸗
den Chinesinnen.
Doch der Karl lachte, daß seine weißen „Schon möglich, Mutter,
Zähne blitzten.„S lich, ü aber harmlose, sonst hätten sie sich nicht stehlen lassen.“
„Stehlen, Karl? Du wirst doch nicht?“
fiel die Ursel erschrocken ein.
„Nein, ich nicht, aber der, von dem ich sie bekommen habe, der hat sie sicher gestohlen.“
„Vor drei Jahren war es, im Juli,“
so fuhr Karl fort,„es war drückend heiß, die Sonne brannte sengend auf unser Schiff, und alle atmeten auf, als gegen Mittag Hongkong in Sicht kam. Man konnte dann doch auf einen Abend an Land rechnen. Ich war damals schon Obermaat und mußte
warten, bis alles fein säuberlich geordnet
war, ehe ich das Schiff verlassen durfte.
nen Vater wird in diesem Protokolle hin⸗ gewiesen, er wird als„Handelsmann“ be zeichnet. Johann Peter Eckstein, der jüngere, war übrigens der Urgroßvater des be⸗ kannten Dichters und Schriftstellers Ernst Eckstein, der 1845 geboren war und um das Jahr 1900 in Dresden gestorben ist. Wiederholt war in dieser Zeit auch Johann Gerhard Tasché Zunftmeister, er starb 1759 als Ratsschöffe.
ö Unter den übrigen Zunftmeistern des 18. Jahrhunderts seien noch genannt Jo⸗ hann Peter Borberg(1718), in den Kirchen⸗ büchern Borbeck geschrieben, weiter Nikau⸗ laus Höpfner(1725), Johann Rudolf Hast (1735), Johann Wennemar Tasché(1759), Johann Philipp Schenck(1763), Johann Konrad Eckstein, Sohn des bereits erwähn⸗ ten Johann Peter Eckstein, des jüngeren. Aber auch ungewöhnliche Namen tauchen in dieser Liste auf. So steht 1737 ein ge⸗ wisser Johann Christian Lingiery an der Spitze der Zunft. Im Kopulationsbuche wird er. der sich im Jahre 1712 verheiratete, be⸗ zeichnet als„Gasthalter zum goldenen Adler und Sohn des Handelsmannes Johann Baptist Lingierx aus Mainz“. Hiernach konnten auch Gastwirte der Kramerzunft beitreten, da für sie es eine besondere Zunft nicht gab. 1792 war Dominikus Rossi erster Zunftmeister. Das Kopulationsbuch des Jahres 1791 besagt, daß am 1. März des angeführten Jahres getraut wurden„Domi⸗ nicus Rossi, Stadt⸗ und Schützenhaupt⸗ mann, auch Kauf⸗ und Handelsmann all⸗ hier, weiland Herrn Johannes Rossi, Stadt⸗ lieutenant auch Kauf⸗ und Handelsmann


