fehlt im Manufkript 71 Zahl), bis sie ihn 1 wo er nach 4 Tagen abends um 9 Uhr von sämtlichen Bergleuten mit ihren Lichtern beerdigt wurde.
(Der verunglückte Bergmann hieß Heinrich Noack, er war 26 Jahre alt und stammte aus Neudorf im Herzogtum Anhalt⸗Bern⸗ burg. Bei dem Begräbnis ihres Kameraden waren die Bergleute in Knappschaftsklei⸗ dung und trugen brennende Oellämpchen.)
Am 1. August sind wir aus dem Os⸗ waldischen Hauß zu Karl Schiffer gezogen.
Am 17. Dezember feierten wir das 25⸗ jährige Verfassungsfest. Abends mit einem Fackelzug von Bürgern und Studenten und haben die drey Gesangvereine mehrere Lie⸗ der vor dem Rathauß gesungen, nachdem war ein großes Abendessen im Buschischen Garten.
(In dem Artikel„Aus der Geschichte der Gießener Kramerzunft“, Sonntagsgruß 1920, Nr. 5, haben wir auf Grund einer Aufzeichnung. Philipp Gails die Feier geschildert, welche die Gießener Bürger⸗ schaft aus Anlaß der Begründung der Lan⸗ desverfassung am 3. Weihnachtstage 1820 begangen hat. Die 25jährige Gedenkfeier ist nicht minder eindrucksvoll gefeiert wor⸗ den. Glockengeläute eröffnete am frühen Morgen des 17. Dezember 1845 das Fest, um die Mittagsstunde ertönte von dem Stadtkirchenturm Choralblasen. Den Stadt⸗ armen wurde eine größere Spende zuteil, auch die Pfründner des städtischen Hospitals wurden bedacht. Die Kinder, die die Klein⸗ kinderschule besuchten, erhielten Bretzeln. Abends wurde ein Fackelzug veranstaltet, hierbei hielt auf dem Marktplatze Heyer jun. die Festrede, Bürgermeister Reiber sprach vom Saal des Stadthauses aus, die Fackeln wurden auf dem Brand verbrannt. Ein Festessen in Buschs Garten beschloß die Feier.)
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Am 10. Januar morgens hat Professor Bischoff in der Reitbahn einen Bär und ein Wolf vergiftet.
(Ob das aus wissenschaftlichen Gründen geschah oder ob ein Menageriebesitzer die beiden Tiere töten ließ, ist nicht festzu⸗ stellen.) 5
Am 18. Februar als am 300 jährigen Todestag Dr. Martin Luthers war Mor⸗ gens mit allen Glocken geläutet, nachher war vom Thurm das Lied Eine feste Burg ist unser Gott geblasen. Am 22. Februar als am Begräbnistag war es gerade Sonn⸗ tag, da war großer Gottesdienst, wo ein Zug vom Rathauß, bestehend aus den vier Geistlichen an der Spitze, dem Bürger⸗ meister, welcher die zwey älteste Bürger im Arm führte, der ganze Stadtvorstand und eine große Anzahl Bürger durch die Schulstraße an das Regierungsgebäude, worin sich sämtliche evangelische Staats⸗
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diener in Uniform befanden und dem Zug anschlossen in die Stadtkirche, wo dann H. Kirchenrath Engel eine Rede hielt. Während dem 18. auf 22. durfte keine öffentliche Belustigung stattfinden.
(Aus dieser Mitteilung, ergibt sich, daß man den 300. Todestag Luthers in Gießen ebenso würdig wie sinnig gefeiert hat. Auch an anderen Orten ist das geschehen. Heute wäre das nicht mehr zu erreichen, daß die Vergnügungen, aus Anlaß eines kirchlichen Gedenktages 5 Tage hindurch eingestellt würden. Und wo konnte man es jetzt wagen, sämtliche evangelische Beamten zu einer Feier dieser Art aufzufordern? Wo hätte man das auch schon vor 10 oder 20 Jahren wagen können? Am Abend des 18. Fe⸗ bruar veranstalteten die Studenten einen Faclelzug, was Moll nicht erwähnt.)
Am 21. April ist meine Schwester Marie mit ihrer Herrschaft nach Schottland ab⸗ gereist.
Am 29. Juli Nachmittags 3 Uhr kam der Erbgroßherzog mit seinem Bruder Alexander von Grünberg hier an und stie⸗ gen im Einhorn ab, wo alle Staatsdiener versammelt waren. Alexander besuchte den⸗ selben Tag das Wellenbad, Abends war großer Fackelzug von Bürgern und Stu⸗ denten, und die Singvereine trugen mehrere Lieder vor, den anderen Morgen fuhren sie auf den Schiffenberg, wo sie um acht Uhr wieder zurückkamen, da ließ dann der Erbgroßherzog die Deputationen vorkom⸗ men. Alexander aber ging auf die Reit⸗ bahn, wo ihm der Stallmeister Franken⸗ feld ein Pferd vorritt. Um zehn 5 fuhren sie wieder von hier ab nach Butzbach.
(Herr Hochstätter teilt hierzu mit, daß das vom Prinzen Alexander benutzte Wellen⸗ bad an der Neumühle von da an„Alexan⸗ der⸗Wellenbad“ genannt wurde. Im Jahre 1866 hat Prinz Alexander die hessischen Truppen geführt.)
Den 7. August Morgens zogen die Stu⸗ denten von hier nach Staufenberg und blieben da bis d. 9. wo sie Morgens wieder in die Stadt zogen. Ursache davon war, daß der Polizeidiener Keßler im Buschi⸗ schen Garten einem Studenten mit dem Säbel über den Kopf gehauen hatte und ihn dadurch verwundet wo nun die Stu⸗ denten mehrere Tagen mit singen schreien u. d. g. durch die Straße zogen sogar den Rektor, als er ihnen eine Vermahnung gab, verspotteten, worauf dann anderen Morgen die Dragoner von Butzbach kamen und zwei Tage hier blieben dies war nun der Grund des Studentenauszugs. i
Am 12. August hat Herr Plock im Rappen die Mest Kartoffeln gekauft zu 1 Gulden 12 Kr. die andre Woche das Malter zu 8 Gulden.
Am 28. December kam meine Schwester Marie von Schottland zurück.
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