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Gemeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen
Nr. 42 Gießen, 21. Sonnt. n. Trinitatis, den 24. Oktbr. 1920 9. Jahrg.
Die großen Fragen der Seit. Röm. 8, 28. Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen. „Jedes tief in das Leben eines Volkes einschneidende Ereignis ist immerdar nichts gewesen als die aufgerissene Pforte zu den letzten Wahrheiten. Geht ein Volk an dieser
losen Kreislauf, um das nächste Mal, we⸗ niger vorbereitet, geschwächter und verwirr⸗ ter, an der offenen Pforte anzugelangen, bis es der Kreislauf in seinen Wirbel ver⸗ schlingt. Die großen Fragen stehen immer wieder vor unserer Tür.“ Mit dieser tief⸗ ernsten Mahnung tritt Hermann Kutter in seinen„Reden an die deutsche Nation“ vor uns. Unsere Zeit ist eine Zeit der Not und des Ringens, der Not nicht bloß, wie sie die meisten verstehen, der äußerlichen Not und des Mangels, der Teuerung, der Entbeh⸗ rung, nein, weit mehr noch der Seelen⸗ und Gewissensnot. Ewigkeitsfragen klopfen mit erschütternder Wucht bei uns an. Nicht die Magenfrage, die Kleider- oder Schuh⸗ frage, auch nicht die Lohnfrage darf unser Denken und Tun beherrschen. Letzte und höchste Angelegenheiten erfüllen unser Da⸗ sein, fordern gebieterisch eindringliche Be⸗ achtung. Das sind aber nicht politische oder wirtschaftliche Sorgen, nicht Fragen der Parteizugehörigkeit oder der beruflichen Or⸗ ganisation, wie die angeblichen Führer un⸗ serer in Wahrheit führerlosen Zeit uns glauben machen wollen. Der Kampf um die politische Macht, um höhere Bezahlung und geringere Pflichtleistungen, der uns kaum zur Besinnung kommen läßt, kann nie und * unseres Lebens Ziel und Inhalt ein.
Die große Frage, die in jedes Menschen. Schicksal entscheidend eingreift, ist die: Wie stehst du zu deinem Gott? In ruhigen Zeiten wird sie gar oft überhört durch das behagliche Dahinträumen, in dem die Men⸗ schen ihr Dasein verbringen. Heute ist der Weltenlenker mit Donner und Blitz unter uns getreten und hat auch die lässigsten Schläfer geweckt. Die ganzen Völker des Erdenrundes sind in ihren Tiefen auf⸗ gerüttelt. Wo ist noch einer, der nicht in die größte Katastrophe mit hineingezogen wäre, die je über die Menschheit gekommen ist?
Aber verstehen wir auch recht, was Gott der Herr mit uns vorhat, indem er uns diesen erschütternden Weckruf sandte!? Füh⸗
len wir aus aller Not, aus allem Jammer die besondere Gnade heraus, die unser Ge⸗ schlecht vor anderen voraus hat, daß uns Gott näher ist im Sturmesbrausen des Krieges, der Revolution, der Heimsuchung als einstens im stillen Säuseln des Frie⸗ dens und der Ruhe? Er will uns zu sich ziehen und macht es uns, wenn wir seinem Wesen nicht ganz fremd, seiner
9. 9 5[Sti 0„ auther 3117 f 8 Pforte vorbei, so beginnt es einen nutz- Stimme gegenüber nicht völlig verblödet
sind, wahrlich leicht, ihn zu finden. Unser irdisches Dasein ist so wenig verlockend, so jämmerlich und armselig ohne Gott, daß uns der brennende Wunsch nach ihm, nach seinem reinen Licht mehr denn je erfüllen muß. Wenn täglich aufs neue durch immer wiederholte und gesteigerte Nöte die Frage vor deine Ssele tritt: Wie stehst du zu deinem Gotte?— so kann dir die Antwort nicht schwer fallen:„Denen, die Gott lie⸗ ben, müssen alle Dinge zum Besten dienen.“
verlorne Liebesmüh. Wer wagt an Völkerfrieden noch zu glauben, wo Haß und Hohn die Feinde leiten, wo Schimpf und Schmach den Seien zu bereiten, das Ziel nur ist, wonach sie gierig schnauben?
Ihr Wutgeschrei, vernehmbar selbst den Tauben, es tönt von Westen her zu allen Zeiten; es schallet in dem Völkerbund, dem weiten, nur eine Losung: Deutschland zu berauben.
Ziemt's da den Deutschen, Mittel zu ersinnen,
die haßerfüllten Völker zu versöhnen,
sie zu verschonen mit des Deutschen Tönen?
Verachtung nur und Hohn weckt solch Beginnen, nie schafft die Esperantotreibhauspflanze Dem deutschen Volke Platz im Völkertanze. Dr. Karl Esselborn.
die Chronik des Gießener Ratsdieners Philipp Moritz moll(1857— 1847). (Schluß.)
Am 18. Juli Morgens halb 8 Uhr fiel der Brunnen des Professor Liebig auf dem Trieb ein und begrub einen Bergmann aus dem Anhalt Bernburgischen, welcher von den Bergleuten des Brielischen Berg⸗ werkes herausgegraben wurde, das Graben währte von acht bis Nachmittags ½(hier


