des Gebürges an. Das in den Straßen zeigte uns bald, daß man hier noch im Herbsten begriffen war. Wir hatten Mühe, unterzukommen. Alle Gast⸗ häuser waren besetzt, durch die Menge von Weinhändlern, welche auf Spekulationen hierher gereist waren. Wir fanden indessen
Gewühl der Winzer
neuen Pfalz bey Herrn Völker. Auf die Ein⸗ ladung unsres Wirthes machten wir noch denselben Tag einen Spatzier Gang in einen Weinberg desselben, worin ohngefähr 20 Ar⸗ beiter im 9 begriffen waren. Man son⸗ dert hier eine gewisse Gattung Trauben, Traminer genannt, 325 welche gekeltert, einen weit besseren Wein gibt, wie von den übrigen Taubert Die Tra⸗ miner Traube wird nicht so groß wie die übrigen, von einem schmack. Mit dem Lesen der Trauben geht es fol⸗ gendergestalt. Die Arbe iter stellen sich in eine Linie und schneiden nun die Trauben Stock für Stock mit einem Messer ab und werfen sie in einen Korb, ist selbiger voll, so bringen sie selbigen dem Arbeiter, welcher das Legel hat leine hohe schmale woran zwei Riemen befestigt sind, man sie forttragen kann), dieser schüttet nun die Trauben aus den Körben in das Legel und stampft sie mit einem runden Stößel von Holz. Ist nun sein Gefäß voll, so nimmt er es auf den Buckel, trägt es zu dem Kar⸗
herrlichen gewürzhaften
ren, worauf ein Faß liegt, wo er die zer⸗ stampften Trauben hineinschüttet, welche,
wenn das Faß angefüllt ist, nun nach Haufe gefahren und gekeltert werden. Uuser Wirth machte dieses Jahr allein bey 30 Fuder, und der Gesamibekrag wurde auf 6000 Fuder ge⸗ sch ätzt, der allein in Edikoben gemacht wurde. Die diesjährige; Weinernte war so ergiebig, daß jeder Eigenthümer das doppelte bekam von dem was er sich Anfangs geschätzt hatte und manchem mangelte es an Fässern. Bey all diesem Ueberfluß standen die Weinpreise 055 dem diesjährigen Gewächs hoch, wegen seiner trefflichen Güte, 35 man sich mit 7 Recht von ihm versprach“) Als wir nun wieder nach Hause gekommen, sahen wir eine
viel größer wie bey uns, und ein hölzerner *) Aus dieser Angabe geht mit ziemlicher Sicherheit hervor, daß die hier geschilderte Fußreise in das Jahr 1811. fällt; denn dieses Jahr ist heute noch bekannt durch die Treff⸗ lichkeit und Fülle seines Weines. Der Som⸗ mer 1811 war sehr heiß, infolge der Hitze reiften die Trauben so schnell, daß, wie hier 5 berichtet wird, schon Anfang Oktober ge⸗ keltert wurde, während das sonst erst im No⸗ vember geschieht. Man nannte den„Elfer“
noch eine freundschaftliche Aufnahme in der
befonders
ist von hell röthlicher Farbe und Ge⸗
Butte, damit
Zeitlang dem Keltern zu. Die Keltern sind
80
Schlauch führt gleich den Most beym Aus⸗ pressen in die Keller. Das hiesige Gewächs ist gerade nicht von ganz vorzüglicher Güte, doch nicht von der geringsten Gattung. In Gesellschaft me ehrerer Weinhändler speisten wir zu Nacht, wo wir die gerösteten Kasta⸗ nien uns trefflich schmecken ließen. (Fortsetzung folgt.)
Zeit und Ewigkeit.
Vor und hinter uns liegt Ewigkeit.
Was dazwischen sorgsam ist gebettet,
Ist für jeden seine eigne Zeit,
Die ihn fest an diese Erde kettet.
Auf der Erde herrscht Ve rgänglichke it.
Alles 116 0 rasch uns durch die Finger,
Und so früh, am Ende unsrer Zeit
Steht der Tod, der grimme Allbezwinger,
Bist du in der Jahre Flucht bereit,
Vom Gebot der Pflicht nie abzurücken—
Sieh, du webst der Ewigkeiten Kleid,
Das dein armes Grab wird glänzend sch mücken. Heinrich Kullmann.
1 Anzeigen. 1. Pfingsttag, 23. Mai. Kollekte für die Lutherstiftung.
Stadtkirche. Vorm. 8: Pfarrass istent Dr. Bingel.— Vorm. 9½ Pfr. Mahr.— Vorm. 11: Kinderkirche für die Matthäus⸗ u. Markusgem.: Pfr. Mahr.
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heil. Abendmahls. Vorm. 11¼: Kinder⸗ kirche für die Lukasgemeinde: Pfr. Bechtols⸗ heimer.
2. Pfingsttag, 24. Mai.
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Johanneskirche. Vorm. 8: Pfr. Vechtols⸗ heimer.— Vorm. 9/2: Pfr. Ausfeld. Vorm. 11: Kundertirche für die Johannes 85 gemeinde: Pfr. Ausfe 555
2 95 b vg p 5
1. Pfingsttag. Vorm. 7: Choralblasen vom Turm der Stadtkirche. Zweitägige Tour nur für die 1 Abteilung, Anmeldung bei Herrn u. Frl. Pfaff.— 2. Pfingsttag. Eintägige Tour. Aer bis 22. Mai im Heim. Näheres am schwarzen Brett. Betr. Abkochen s. Monatsprogramm.— Sonntag,
30. Mai: Anturnen, verbunden mit Schau⸗ turnen, abends Familienabend. Näheres in
der n. Nr. . Evang. Arbeiterverein. 1. Pfingsttag. Vorm. 9½: Gemeinsamer Kirchgang(Stadtk.).— 2. Pfingsttag. Fa⸗ milienausflug nach der Waldschenke, daselbst
den„Kometenwein“, weil in jenem Jahre von März bis Oktober ein merkwürdiger Komet am Himmel stand. D. Red.
Gesellschaftsspiele. Abmarsch 3 Uhr Ecke Liebigstr. u. Frankfurter Str., Führung: Herr Loh.
Verantwortlich: Pfarrer Bechtolsheimer. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts⸗Buck⸗ und Steindruchkerei R. Lange, Gießen.
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