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wir nach Eberstadt zurück. Bei der Schwierig⸗ keit, die das Fahren und Reiten mit den neu ausgehobenen Pferden bot, ist es anerken⸗ nenswert gut gegangen. Die Mannschaften sind meist Reservisten.

11. 8. 1914. Heute verließen wir das schöne Quartier in Eberstadt. Wir waren dort gestern abend recht vergnügt zusammen und sangen vaterländische Lieder. Es herrscht keine Hurrastimmung, aber ruhige, feste Zu⸗ versicht. Um 12 Uhr mittags marschierten wir nach dem Bahnhof Kranichstein. Ge⸗ schütze, Pferde und Soldaten waren mit Blumen reich geschmückt. Die Bewohner hatten willig ihre Gärten des Blumen⸗ schmuckes beraubt. Als wir durch Darmstadt kamen, drückte ich meiner Mutter und mei⸗ nen Schwestern im Vorbeireiten noch einmal die Hand zum Abschied. Meine Hoffnung, noch Nachricht von der Ankunft unseres N zu erhalten, erfüllte sich leider nicht.

12. 8. 1914. Der Marsch nach Kranich⸗ stein und die Verladung dort gingen bei großer Hitze vor sich. Die Leute waren aber sehr eifrig. In Stunden waren die 139 Pferde, 17 Fahrzeuge und die Mannschaften verladen. Fahrt über Bischofsheim, die Kaiserbrücke, wo zur Abwehr feindlicher Flugzeuge Maschinengewehre aufgestellt waren, Bingerbrück, wo es Nachtessen gab, über Kreuznach nach Hermeskeil. Ankunft 6 Uhr morgens. Unterwegs auf den Bahn⸗ höfen hatte es Brote, Kaffee und Tee ge⸗

geben, mehr, als wir verzehren konnten. Die Bevölkerung kam uns überall sehr herz⸗ lich entgegen. Um 11 Uhr Abmarsch von Hermeskeil bei großer Hitze, 20 Kilometer über Nonnenweiler nach Lockweiler, wo wir Ortsunterkunft bezogen.

Es folgten nun täglich anstrengende Märsche, die uns bei großer Hitze über Bachem, Mettlach und Kreuzweiler führ⸗ ten. Viele Infanteristen wurden schlapp und lagen mit hämmernden Schläfen neben der Landstraße, bis sie auf Wagen mitgenommen werden konnten. Die Bevölkerung in dieser Gegend verhielt sich recht teilnahmslos. Am 18. August erfuhr ich in Palzem, einem an der Mosel reizend gelegenen Ort, unserem letzten deutschen Quartier, auf telegraphische Anfrage, daß schon am 12. August ein Kriegsmädel angekommen war, und daß Mutter und Kind sich wohl befanden. Diese Nachricht erfreute und beruhigte mich sehr.

18. 8. 1914. Heute um 10¼ Uhr vor⸗ mittags Abmarsch von Palzem. Bald über⸗ schritten wir auf der langen Moselbrücke, die nach Remig hinüberführt, die Grenze und rückten in das Großherzogtum Luxemburg ein, das schon gleich zu Beginn des Krieges von deutschen Truppen besetzt worden ist. Wir marschierten bis Syrum, wo ich mit unserem Regimentsarzt, Stabsarzt Dr. Schäffer aus Gießen, bei Lehrer Meyer gut einquartiert bin. Unser Quartierwirt ist ein

freundlicher Mann und Deutschland gut ge⸗ sinnt. Gegen Abend hat die Abteilung auf einer Wiese vor dem Dorf nahe dem Wald bei schönem Sonnenuntergang geschlachtet und abgekocht. Ein hübsches, friedliches Ma⸗ növerbild. Hoch oben in den Lüften ziehen deutsche Flieger über uns hin.

19. 8. 1914. Heute früh ging es über Contern nach Luxemburg. Es ist eine schöne, auf gewaltigen Felsen gelegene Stadt. Auf den Straßen herrscht lebhafter Betrieb. Herzog Albrecht von Württemberg, der Füh⸗ rer der 4. Armee, zu der unsere(die 25. Re⸗ serve-) Division gehört, nahm am Eingang der Stadt den Vorbeimarsch der Truppen ab.

Nach einem Marsch von über 30 Kilo⸗ metern, der oft stockte, da wir in Kolonnen des 6. Korps gerieten, langten wir nach⸗ mittags in Kehlen an, wo wieder Ortsunter⸗ kunft bezogen und in der Batterie abgekocht wurde. Die Bevölkerung in Luxemburg ist freundlich und entgegenkommend, die Quar⸗ tiere sind sauber und ordentlich. Abends lade ich die Offiziere der Batterie zur Feier meines Hochzeitstages und der Geburt un⸗ seres Töchterchens zu einigen Flaschen Chablis ein.

20. 8. 1914. Luxemburg ist ein schönes. offenbar gut verwaltetes Land mit prächti⸗ gen Waldungen, vorzüglichen Straßen und guten, zuverlässigen Wegweisern. Nach lan⸗ gem Marsch beziehen wir in Beckerich, un⸗ serer letzten Unterkunft in befreundetem Land, wieder hübsche Quartiere.

21. 8. 1914. Zwei Stunden nach dem Abmarsch von Ell überschritt unsere Ab⸗

teilung die belgische Grenze und betrat zuerst

Feindesland. Während des Marsches ver⸗ nehmen wir zuweilen fernen Kanonen⸗

donner. Es wird nun wohl bald zu einer

großen Schlacht kommen. Gegen Frankreich rücken von Belgien bis hinunter nach dem

Südelsaß 7 oder 8 deutsche Armeen heran, wohl eine Million Soldaten. Nun bewegen wir uns im Kriegsmarsch, d(h. mit Siche⸗ rung. Der Marsch führt über Nieder⸗Col⸗

bach, Nobressart, Habay la Neuve. Die bel⸗ gischen Straßen sind noch schöner wie die in Luxemburg. Eine breite Fahrstraße, rechts und links schöne Reitwege und schatten⸗ spendende Alleebäume. Ueber Anlier erreich⸗ ten wir nachmittags unser heutiges Marsch⸗ ziel, Behsme. Unterwegs fuhren auf einem Karren zwei verwundete Franzosen an uns vorüber, die ersten Feinde, die wir sahen. Wir wundern uns, daß sie noch die alten bunten Uniformen mit dem langen, wohl oft hinderlichen Mantel mit umgeklappten Rockschößen tragen, gerade wie die Blei⸗ soldaten waren, mit denen wir als Jungen gespielt. Bei uns sieht man nur noch bei den Munitionskolonnen der schweren Artillerie die blaue Friedensuniform, während sonst alles in Feldgrau steckt.

Bei unserer Ankunft vor Behöme gewittert

es ringsum. Die Abteilung sollte Ortsunter⸗

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Geschichte

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