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Sonntagsgru
Gemeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen
Fr. 28 Gießen, Pfingsten,
2025
den 23. Mai Joo
9. Jahrg.
Der Geist Gottes.
1. Joh. 4, 1 u. 2 Prüfet die Geister, ob sie von Gott sind. Daran sollt ihr den Geist 5 zottes erkennen: ein jeglicher Geist, der da bekennt, daß Jesus Christus ist in das Fleisch gekommen, der ist von Gott. In dem Zeitalter, das hinter uns liegt, haben sic geistige Kräfte mancherlei Art in unserem Volke ausgewirkt. Obenan stand die Technik. Sie hat ganz gew wiß viel Großes hervorgebracht. Das Verkehrswesen, die Heil⸗ kunde, die Industrie nahmen durch sie einen bedeutenden Aufschwung. Aber ein verhäng⸗ nisvoller Irrtum war es, anzunehmen, daß die Technik alles vermöge. Sie ist nicht nur nicht imstande, das Glück des Menschen zu schaffen, sie schafft viel Unheil, so daß man
ihr Lob nicht mehr singen kann. Mit Schrecken denken wir an die Tage der Fliege da zu jeder S0 1 Menschen von den Wolken hernieder d er Tod drohte. Ich weiß ein Grab auf einem ländliche n. Fried⸗ hofe, darin ruht ein junger Mann, der ein⸗ zige Sohn einer Witwe. Er hatte sein Stu⸗
dium beendigt und zog als Feldartillerist in
das Feld. Gasvergiftung war die Ursache seines Todes, langsam siechte er in seiner
e dahin. Das hat die Technik getan.
Die Völker Europas waren durchweg von dem Geiste beseelt, der nach Macht und Ge⸗ walt drängte, dieses Streben hat sie allesamt — auch die, die sich jetzt die Sieger nennen unglücklich gemacht.
Wir verstehen deshalb das Wort des Pro pheten Apostels: Prüfet die 155 r, ob sie
von Gott sind. Wir„wollen aber auch seine
Mahnung beachten: Daran sollt ihr den Geist Gottes erkennen: ein jeglicher Geist, der da bekennt, daß Jesus Christus ist in 8 Fleisch gekommen, der ist von Gott. Der
Geist Gottes ist nur da, wo ein Mensch von
Herzen an Jesus glaubt, sich seiner sünden⸗
vergebenden Gnade getröstet, in ihm ewiges
Leben findet. Dieser Geist allein 1 das Herz froh und erfüllt es mit Frieden. Dieser Geist allein kann auch die Völker glücklich machen, daß sie von ihrem Hasse lassen und sich über die Grenzpfähle herüber die Hände reichen als solche, die auf der Wanderschaft 5 dem Himmel begriffen sind. Diesen Geist wollen wir uns an diesem Pfingstfeste von Gott. wir haben ja die Ver⸗ heißung des Heilandes: So denn ihr, die ihr arg seid, könnet euren Kindern gute Gaben geben, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den heiligen Geist geben denen, die ihn bitten. H. B.
In Gewaltmärschen bis zur Marne.)
Aus dem Kriegstagebuch des Hauptmanns d. R. i Trümpert in Gießen.
2. 8 1914. Nun ist das Furchtbare ein⸗ getreten, es gibt Krieg! Seit acht Tagen schwebten wir in der Ungewißheit: wie wird es werden? Sie wirkte auf die stärksten Nerven zerrüttend ein. Jetzt ist 72 entschieden. Wär werden um Deutschlands Bestand nach
Ost und West kämpfen müssen. G Bott gebe uns den Sieg!
Ich bin froh, für das Vaterland mit⸗
kämpfen zu 125— es handelt sich um die e des Deutf chtums—, aber gar hart ist e„jetzt von Hauf e weg zu müssen,
wo wir 5 Geburt unseres zweiten Kind⸗ chens erwarten.
3. 8. 1914.(Au fder Fahrt nach Darm⸗ stadt.) Das vielleicht Härteste für mich ist überstanden, der Abschied von Weib und Kind. Ich war hart, sehr hart; aber ich mußte es sein, um nicht se lbst zusammenzu⸗ brechen. Wie glücklich sind die Kinder! Ilse,
die mich doch sehr liebt, war stets vergnügt, sang mehr wie je— schon früh morgens: Fntorgenrot, Morgenrot, leuchtest mir zum frühen Tod.“— Das Kind ahnt nichts von dem Schweren, das über uns gekommen 5 Im Frankfurter Hauptbahnhof herrscht
reges Leben. Auf den Zwischenbahnsteigen ist von vorne bis hänten Reisegepäck meter⸗ hoch aufgestapelt. Die Bahnstrecken werden von Zivilisten bewacht.
10. 8. 1914. Das Reserve⸗Feldartillerie⸗ Regiment Nr. 25 wurde von den„Regi⸗ mentern 25 und 61 in Eberstadt bei Darin⸗ stadt aufgestellt. Ich bin als ältester Offizier in der 4. Batterie bei Hauptmann Freiherr von Hirschberg, den ich seit Jahren gut kenne. Am Samstag stand das Regiment auf dem Truppenübungsplatz bei Gries⸗ heim versammelt. Der Großherzog hielt eine kurze Ansprache und verabschiedete sich dann mit Händedrul von den Offizieren. Darnach fand Scharfschießen statt. Um ½8 Uhr kamen
Nachdem ich einige kleine Schilderungen aus meinem Kriegstagebuch im„Sonntags⸗ gruß“ veröffentlicht habe, will ich auf die Bitte des Herausgebers die Aufze cb soweit sie von allgemeinerem Interesse sind, von vorne beginnend, hier mitteilen, und be⸗ merke dazu, daß die Aufzeichnungen draußen im Feld unter dem frischen Eindruck des Erlebten niedergeschrieben wurden, täglich zu verschiedenen Zeiten, während Marsch⸗ oder Gefechtspausen und abends.


