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Lager, der Geschicklichkeit und Fürsorge deut⸗ scher Aerzte ihr Leben zu verdanken, und in manchem Briefe aus den Lager⸗Lazaretten ist das auch den Angehörigen in die Heimat be⸗ richtet worden. Es liegt ja im deutschen Charakter, den Gefangenen als wehrlosen Menschen, nicht mehr als Feind zu behan⸗ deln. Wir wollen uns dieses Verhaltens auch nicht schämen, wenn auch die Feinde dafür kein volles Verständnis, vielfach über⸗ haupt kein Verständnis besitzen, und es ist eine der schändlichen Lügen, mit denen die feindliche Presse ihre Völker immer wieder zu blindem Haß gegen Deutschland, freilich auch zu hartem Siegeswillen aufgepeitscht hat, daß die Deutschen ihre Gefangenen schlecht, bewußt schlecht und unmenschlich behandelten. Mancher Gefangene hat sich darum bewogen gefühlt, in Briefen diese Lügen der heimischen Zeitungen, in denen, wie in allem, was die Feinde in ihren Greuelfeldzügen leisteten, Methode lag, durch wahrheitsgetreue Schilderungen zu entkräften, aber man muß daran zweifeln, ob ihre gute Absicht in größerem Maßstabe von Erfolg gekrönt war. Zu bemerken ist davon bis jetzt wenig. Nun liegt es mir gewiß fern, zu behaupten, daß die Behand⸗ lung unserer Landsleute immer und überall schlecht und hart gewesen ist, aber man braucht nur die Schilderungen des Herrn Wagner nochmals zu lesen, um feststellen zu lönnen, daß die Feinde nicht, wie wir, alles getan haben, um das an und für sich schon so schwere, bittere Los der Gefangenen nach Möglichkeit zu erleichtern. So gewiß bei uns diese Absicht vorlag, wenn sie auch zuweilen von einzelnen Personen nicht ein⸗ gehalten wurde, was zu bedauern ist, so gewiß hat sie bei unseren Feinden, gelinde gesagt, häufig gefehlt, und die Zukunft mag darüber ihr Urteil fällen, auf welcher Seite dieBarbaren zu suchen waren.

Indem ich nun zu einzelnenBildern übergehe, möchte ich zunächst ein paar Worte über die Ankunft und Unterkunft der Ge⸗ fangenen sagen Was für die Kriegsgefange⸗ nen gilt, gilt im großen ganzen natürlich auch für die nicht wenigen Zivilgefangenen, die in die Lager eingeliefert wurden. Ge⸗ wiß wäre es menschlich begreiflich gewesen, wenn die ankommenden Gefangenen un⸗ freundlich empfangen worden wären, wenn sich Groll und Unmut gegen sie und über sie entladen hätten. Wenn man bedenkt, wie die Russen in Ostpreußen gehaust, das blühende Land verwüstet, Haus und Hof verbrannt, Frauen und Kinder geschändet und verschleppt, Greise und Wehrlose er⸗ mordet oder gemartert haben, wenn man an den Grimm denkt, mit dem wir im Felde den offenen Beitritt Englands zu unseren Feinden begrüßten, nachdem er seit Jahren bereits an unserer Einkreisung und Ver⸗ nichtung diplomatisch gearbeitet hatte, wenn man an die unzähligen Kameraden denkt.

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die dem Blutdurst und der Wildheit der Senegalneger, der Siks oder Gurkhas zum Opfer gefallen waren, dann, ja dann könnte man wohl verstehen, wenn Trauer, Zorn oder Haß den in Mengen einströmenden Gefangenen gegenüber sich Luft gemacht hätten. Nichts von alledem ist meines Wissens geschehen, jedenfalls nicht in den Jahren, in denen ich selbst die Ankunft manches Transportes angesehen und erlebt habe, vermutlich auch nicht in den Zeiten, in denen ich abwesend war oder im Lazarett lag. Deutsche Gutmütigkeit bringt es eben nicht fertig, an wehrlosen Gefangenen dem Haß die Zügel schießen zu lassen, und wir wollen uns dessen freuen. Aber wie sieht das Bild auf der Gegenseite aus? Herr Wagner hat es geschildert, und darin stimmen die Aussagen fast sämtlicher aus französischer Gefangenschaft Zurückgekehrter überein bei den übrigen Feinden ist es besser gewesen die Gefangenen wurden in Frankreich maßlos beschimpft, oft im Triumph fast durch das ganze Land ge⸗ fahren, angespien, mit Steinen beworfen, bedroht und mißhandelt, kurz, in jeder er⸗ denklichen Weise belästigt, und es ist be⸗ zeichnend, daß ein französischer Ofsizier, der von hier in ein anderes Lager gebracht wurde und völlig unbehelligt den weiten Weg vom Lager zum Bahnhof zurücklegen konnte, seinem deutschen Begleiter erklärte, das wäre in Frankreich allerdings ganz undenkbar und unmöglich.

Und wie hatte man den feindlichen Sol⸗ daten vor der deutschen Gefangenschaft bange gemacht! Unzählige erwarteten den sicheren Tod von der Hand der deutschenBar⸗ baren und konnten es kaum fassen, wenn

sie statt dessen von ihnen mit Zigaretten

oder dem oft so knappen Proviant versorgt wurden. Und wenn sie dann aus den Sam mellagern hinter der Front in die deutschen Lager kamen, so machten sie erst recht große, erstaunte Augen. Manche von dessen Ein⸗ richtungen waren ihnen fast unbekannt, vor allen Dingen wußten z. B. Russen, Ita⸗ liener und Rumänen mit unseren Abort⸗ anlagen zunächst wenig anzufangen und mußten erst mühsam an ihre Benützung ge wöhnt werden. Aber auch die Franzosen lernten in unseren Lagern manche hygie⸗ nische Maßregel kennen, die ihnen sicherlich höchst überflüssig erschien. Man wird das besser verstehen, wenn ich mitteile, daß es in manchen französischen Lagern bei schwerer Strafe verboten war, Wasser zum Waschen zu benützen. Daß im vordersten Schützen⸗ graben das Waschen oft unterbleiben mußte, war unvermeidlich, aber im Lager, in dem man vielleicht jahrelang bleiben mußte? Nun fanden allerdings in Frankreich dauernd Verschiebungen der Gefangenen statt, und

das Martyrium in dieser Beziehung konnte

also abgekürzt werden, wenn man das Glück hatte, in eine wasserreichere Gegend zu kom⸗