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los und verlegen uns ansehend, die geist⸗

der Aufführung seines Musenkindes beizu⸗

reiche Feststellung machte:Meine Damen, wohnen.

es ist nur ein Hornknopf!

Die verzweiflungsvolle Ratlosigkeit un⸗ sers Mitreisenden kam ihm aber erst zum vollen Bewußtsein, als er nach ängstlichem Tasten bemerkte, daß sich bei dem ersten Krach wohl schon der Zwillingsbruder des Hornknopfs empfohlen hatte, dem jetzt der letzte Stützenpfeiler gefolgt war. Bastian Meyer, der Musensohn, konnte sich trotz Kurz⸗ und Schnittwaren auf die Dauerhaf⸗ tigkeit seiner Beinbekleidung nicht mehr ver⸗ lassen. Ohne Prolog, ohne Hosenknöpfe, was nun? Es war eine höchst peinliche, aber zugleich verteufelt komische Lage, wir bissen in unsre Taschentücher, während das Opfer sich drehte und wendete und nicht aus noch ein wußte.

Er tat mir leid und ohne mir dabei etwas zu denken, holte ich aus meiner Hand⸗ tasche Nadel und Faden und sagte, indem ich mich zu der Arbeit anschickte, ganz ruhig:Wir nähen die Knöpfe wieder an. Luise sah mich an, als ob ich verrückt ge⸗ worden wäre. Bastian Meyer aber warf mir einen Blick zu wie ein großer treuer Hund, der erst Schläge und dann einen Wurfslzipfel bekommen hat Aber die Schwie⸗ rigkeit begann jetzt erst. Zunächst galt es, den langen Taillenrock vorsichtig auszu⸗ ziehen. Lina lüpfte dann das Jackett sorg⸗ sam und diskret, und nun konnte ich ener⸗ gisch darangehen, die beiden Ausreißer wie⸗ der dingfest zu machen. Es war allerdings ein sonderbares Beginnen! Wenn uns meine gute Mutter dabei gesehen hätte, ein Unge⸗ witter des Zorns hätte sich über uns nichts⸗ nutzige Mädchen ergossen, die so ohne wei⸗ teres in der Postkutsche fremden Manns⸗ bildern Hosenknöpfe annähten. So etwas schickte sich doch durchaus nicht, wir sollten überhaupt nicht wissen, daß es Knöpfe an andern Hosen als denen des gestrengen Herrn Vaters gab.

Als nach einer Weile das Werk voll⸗ bracht war und die Knöpfe saßen, war Bastian Meyer glücklich, rein glücklich. Daß ein Mensch so leicht zu beglücken ist, hätte ich nie gedacht Er küßte mir galant die Hand, aber der Lina machte er dabei schmachtende Augen, obgleich sie ihn doch ausgelacht hatte, und er bis zum jüngsten Tag in der Post⸗ kutsche hätte sitzen bleiben können, wenn er hätte warten wollen, bis sie ihm die Knöpfe angenäht hätte; denn aufzustehen war ihm doch schlechterdings unmöglich.

Es war aber höchste Zeit; denn ehen fuhren wir in Gießen ein, und unser Po⸗ stillion blies gefühlvollNach Sevilla, nach Sevilla. Tante Christine nahm uns gleich bei dem Posthaus in Empfang, so daß der Absch'sd von Bastian Meyer kurz und schmerzlos verlief. Nachdem er uns noch

feierlich beschworen hatte, doch ja am Abend

Dazu kam es aber nicht. Tante Chri⸗ stine machte einen Strich durch die Rech⸗ nung; denn sie hielt den Gesangverein Hu⸗ manitas nicht für standesgemäß. Wie er⸗ staunte sie aber, als jede von uns am folgenden Sonntag ein kleines Paket erhielt und der Inhalt sich als ein Nähkästchen entpuppte, so elegant und fein, wie man es damals selten zu sehen bekam. Die bei⸗ gelegten Gedichte ließen wir beide wohl⸗ weislich verschwinden; denn die darin aus⸗ gesprochene Dankbarkeit, die vonRosen undLosen, vonKopf undKnopf durchsetzt war, hätte ja zu mancherlei un⸗ bequemen Fragen Veranlassung gegeben. Tante Christine war so schon entsetzt.Ba⸗ stian Meyer, Kurz⸗ und Schnittwaren das war keine Partie für ihre Nichten. (Fortsetzung folgt.)

Bilder aus dem Kriegsgefangenenlager Gießen.

Von Professor Dr. Fritz Schmoll, Hauptmann d. Res. a. D. (Fortsetzung.)

Es galt ferner, die Gefangenen unserer Volkswirtschaft nutzbar zu machen, sie also derartig zu beschäftigen, daß sie die im Felde stehenden deutschen Männer zum Teil in der Arbeit ersetzten, andere, die aus später zu erörternden Gründen für solche Tätigkeit nicht in Betracht kamen, in den Lagern vor dem Müßiggang dieser ist auch in der Gefangenschaft im besonderen aller Laster Anfang zu bewahren, sie also durch geistige Arbeit, Spiel und Sport an Leib und Seele gesund zu erhalten, wozu natür⸗ lich auch gottesdienstliche Einrichtungen und seelsorgerische Einwirkung nötig waren. Es mußte also dafür Sorge getragen werden, daß jedem Gefangenen Trost und Segen feiner Religion bzw. Konfession zugäng⸗

lich war. Er mußte in möglichst schneller

Weise mit seinen Angehörigen in Verbin⸗ dung treten können, d. h. sein Brief- und Paketverkehr mußte genau geregelt werden. wobei, wie später zu zeigen ist, unglaubliche Schwierigkeiten überwunden werden muß⸗ ten. Daß Akademikern, Studenten, Künst⸗ lern Gelegenheit zu entsprechender Weiter⸗ bildung und Beschäftigung geboten wurde, sei nur nebenbei erwähnt. Ein besonderes Ruhmesblatt hat sich auch die medizinische Wissenschaft in unseren Gefangenenlagern erworben. War es schon eine Großtat, daß durch vorbeugende Mittel, wie Entlausung, Desinfektion und Impfung Epidemien so gut wie völlig in den Lagern ausgeschlossen blieben und welche unaussprechliche Ge⸗ fahr blieb damit zugleich der deutschen Be⸗ völkerung erspart, so haben Tausende von Gefangenen den musterhaften hygieni⸗

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