90
Dampf aus ihren Pfeifen bliesen. Zum Glück räumte uns der Wirth ein anderes Zimmer ein, wo wir dann ungestört von der tobenden Gesellschaft ruhig unser Abendessen einnah⸗ men, und uns dann baldigst zur Ruhe be⸗ gaben. Mir trug es die Reihe in einem besonderen Stübchen die Nacht zuzubringen. Ermüdet warf ich mich aufs Bette und schlummerte bald ein. Um Mitternacht er⸗ wachte ich und wurde von fürchterlichem Durst gequält, der mir von den sehr ge⸗ salzenen Bratwürsten, die wir bey dem
Abendessen so gut behagt hatten, verursacht
wurde. Eiligst sprang ich aus dem Bette,
um zu lauschen, ob noch jemand im Hause wach sey, aber zu meinem Leidwesen war alles stille. Jetzt fiel mir ein, daß meine übrige Reiße Gefährten noch ein Restchen Wein mit auf ihr Zimmer genommen hatten, ich eilte also schnell, sie f suchen, im Finstern taumelnd, glaubte ich bald an ihrer Thüre zu seyn, konnte sie aber nicht finden, ich rief, erhielt aber keine
Antwort. Der heftige Durst, und der heiße
Wunsch, ihn zu stillen, trieb mich immer weiter, und ehe ich mich versah, plumpte
ich zur Treppe hinunter, so derb, daß ich im mindesten nichts mehr von Durst fühlte. Ich
raffte mich auf, so gut es ging, und kroch der Treppe wieder langsamer herauf als ich heruntergekommen war, mit Mühe er⸗
reichte ich mein Zimmer wieder und dankte
nun dem Himmel, daß dieser nächtliche Streifzug, ohne einen Arm oder einen Fuß gebrochen zu haben, abgelaufen war. Jetzt fing aber der Durst wieder von neuem an zu quälen, und die Schmerzen vom Fall ließen mich außerdem nicht einen Augenblick schlafen. Voll Verdruß warf ich mich ins Fenster, um da den Tag zu erwarten, mit Vergnügen sah ich den schön gesternten Himmel an, und sank in Betrachtungen über jene schöne hell leuchtende Himmels⸗ körper, welche eine große Meisterhand so freygebig in diesen unermeßlichen Raum gestreut hatte. Heilige Gefühle von Ehrfurcht drangen in meine Seele, und so erhaben die Größe des Allmächtigen mir in diesem Augenblick sich meiner Fantasie einprägte, so klein kam mir der Mensch mit all seinem Wissen vor, und lächerlich schien mir sein Stolz. Mit diesem süßen Gedanken beschäftigt, vergaß ich einige Augenblicke alles, was mich quälte, ich warf mich wieder
aufs Bette und ein sanfter Schlummer ließ mich bald alles vergessen. Als ich erwachte,
senkte schon die Sonne ihre leuchtenden Strahlen in mein Zimmer, mein Durst hatte sehr abgenommen, war aber immer noch stark genug, um mich zu bewegen, eiligst ihn zu stillen. Mit weniger Verlegen⸗ heit suchte ich nun das Zimmer meiner Freunde auf, sie lagen noch im tiefen Schlummer: Mein Rufen und Pochen machte
aufzu⸗
über die Bouteille her, und ließ auch keinen Tropfen übrig. Gegen 9 Uhr nahmen wir den Weg nach dem reichen Friedrichsdorf hin, dieser schöne 1 Stunde von Homberg gelegene Ort ist blos von Fabrikanten be⸗ wohnt, deren Wollen Waaren...“
Hier bricht das Manufkript ab.
(Schluß folgt.)
Uleine Mitteilungen.
Der in dieser Nummer enthaltene Artikel „Man muß Glauben haben“ ist dem Buche unseres Mitarbeiters Dr. Karl Esselborn „Landgrafengeschichten“ entnommen. Wir empfehlen unseren Lesern erneut dieses in allen hiesigen Buchhandlungen vorrätige interessante Werk.
*
In der vorigen Woche sind die Anforde⸗ rungszettel für das 7. und 8. Ziel der städtischen Steuern hier ausgetragen worden. Wie daraus ersichtlich ist, so hat unsere Kirchengemeinde darauf verzichtet, die Ent⸗ richtung von Kirchensteuern für diese beiden Ziele zu beanspruchen.
*
Kirchliche Anzeigen. Sonntag den 20. Juni, 3. n. Trin. Stadtkirche. Vorm. 8 Uhr, zugl. Christen⸗ lehre für die Neukonfirmierten aus der Matthäusgemeinde: Pfr. Mahr.— Vorm. 1/10 Uhr: Pfr. Becker.— Vorm. 11: Kin⸗
derkirche für die Markusgemeinde: Pfr. Becker. Johanneskirche. Vorm. 8 Uhr, zugleich
Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Lukasgemeinde: Pfr. Bechtolsheimer.— Vorm. ½10, zugl. Milgsd.: Pfr. Aus⸗ feld.— Vorm. 11: Kinderkirche für die Johannesgemeinde: Pfr. Ausfeld.
Wartburg⸗Verein. Sonntag den 20. Juni: Familienausflug in Verbindung mit dem Ev. Arbeiterverein (s. unten).— Donnerstag den 24. Juni: Kammermusikabend in der neuen Universi⸗ tätsaula. Mitglieder erhalten ihre Kacten (zu halben Preisen) an den Vereinsabenden.
Evang. Arbeiterverein.
Sonntag den 20. Juni: Familienaus⸗ flug mit dem Wartburgverein nach dem Ludwigsbrunnen. Führer: Herr Rosenbaum. Abmarsch 2½ Ecke Gartenstraße und Schiffenberger Weg. Essen und Getränke mitbringen.— Sonntag den 4. Juli: Fa⸗ milienausflug nach Dutenhofen, Jagdschloß,
sie bald wach. Busch öffnete die Thüre, dortselbst Zusammentreffen mit dem Brudec⸗
und in diesem Augenblick stürzte ich auch!
verein Wetzlar.
R. Lange, Gießen.
Gemei Nr. 25
Psalm 10 oben Früch
In der bert Stift Heidedorf“ dehnt sich aus ihr ei Hütten de Aeste des Millionen daran. Ii leben, dur Menschen mutter ra in der Bi lesen, weil aber die pheten⸗, in ihrer E die Mens. seit Woche daß weder auf den glänzt in Menschen Heidelerch ganzen Te Zirpen de der Kibitz, Blätter si früchte fal zu Gott u Freitag Erdscholle men, fal gehen die einher. 2 Wolken a wieder, d regnet ni Pfingstme mel grau, fließt her! freudigen haus, um gern läßt lichen Ta
Aehn Woche er Sonne, d des Lebe demselben wir kalte, große Hit


