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Gefangene Deutschland als ein Land der Ordnung und Zuverlässigkeit, hoher Kultur und mit viel Nachahmenswertem kennen lernen.

(Fortsetzung folgt.)

Ein Winter an der Bzura.

Aus dem Kriegstagebuch des Hauptmanns d. R. Landgerichtsrat Trümpert in Gießen. (Fortsetzung.)

Südlich unserer Division fließt die Sucha von Osten her in die Bzura. Unterhalb der Einmündung stehen die deutschen Trup⸗ pen östlich der Bzura, ihre Kampffront bildet fast einen rechten Winkel zu der unsrigen. Weiter östlich kommt die Rawka, die teilweise schon von den deutschen Trup⸗ pen überschritten worden ist. In diesem Sucha⸗ und Rawka⸗Abschnitt wird nun schon seit 14 Tagen sehr hart, aber mit gutem Erfolg für unsere Waffen gekämpft.

16. Februar 1915. Durch Leutnant Beck aus Offenbach am Main, der frisch gestärkt und mit Neuigkeiten versehen aus der Heimat gekommen ist, ist neue Anregung in unsere Unterhaltung gekommen. Gestern abend habe ich mancherlei Erlebnisse aus meiner Tätigkeit als Staatsanwalt erzählt. Da ging es mir, wie einem meiner Kriegs⸗

freiwilligen, der in seinem Lebenslauf schrieb:

Als der Krieg ausbrach, erachtete ich es für meine Pflicht, in das Heer einzutreten. Aber jetzt habe ich den Wunsch, daß es bald Friede geben möge, damsit i chwieder meinem ehrlichen Beruf nachgehen kann. So schwer einem die regelmäßige Bureauarbeit anfangs auch fallen wird, man bekommt doch all⸗ mählich Sehnsucht darnach. f 5 20. Februar 1915. Seither verging die Zeit meist in der gleichen Weise. Tags⸗ über schossen die Russen recht häufig auf uns und wir auf die feindlichen Gräben. Die Nachtruhe wurde oft gestört, weil die In⸗ fanterie mitteilte, die Russen seien über die Bzura gekommen, worauf wir das Feuer eröffnen mußten. Oder es war ein größeres Schießen für die Nacht befohlen worden, da nach Agentenmeldungen die Russen anzu⸗ greifen beabsichtigten. Das Einerlei, der angel an Bewegung wirken nachteilig auf mich; ich bin oft in gedrückter Stimmung. Am Tag kann man nicht viel herumlaufen,

weil das ganze Gelände eingesehen ist und,

wenn es dunkel wird, fangen die Infan⸗ teriegeschosse an, um das Haus zu pfeifen.

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2 4. Februar 1915. Große Freude erregte bei uns die Nachricht von den gewal⸗ tigen Siegen Hindenburgs in Ostpreußen und in Masuren.

2 5. Februar 1915. Da mir gestern an zwei Zähnen Stücke abbrachen, mußte ich wieder zum Zahnarzt nach Lowicz. Um 6 Uhr fuhr ich in einem Panjewägelchen über Swarozin, Jaziorka, Gongolin auf die große Straße. Die Wege bis dahin waren furchtbar. Da, wo ich auf die große Straße kam, zieht sich, etwa ein Kilometer entfernt, das über drei Kilometer lange Dorf Kompina parallel der Straße hin.

nur aus einer Straße. In dem Dorf liegt das Kommando des 13. Armeekorps(Ge⸗ neral von Fabeck), zu dem unsere Division gehört. In Lowicz ist jetzt eine neue, saubere Offizierspeiseanstalt eingerichtet, wo der Auf⸗ enthalt wesentlich angenehmer ist, wie in der alten. Wenn man es gut trifft, wird auch Faßbier ausgeschenkt. Der Zahnarzt flickte die Zähne notdürftig aus. Da die Nebenwege allzu schlecht und das Fahren darauf für Pferde zu anstrengend ist, fuhr ich trotz der größeren Gefahr heimwärts immer auf der großen Straße bis vor unser Häuschen.(Aus einem Brief an meine Frau vom 26. Februar 1915.)

2. März 1915. Für gestern war ich als Richter zur Teilnahme an einem Feld⸗ kriegsgericht auf Gut Cmiszew befohlen. Bei herrlichem Sonnenschein ritt ich um 9 Uhr über die leicht beschneiten Felder zurück. Als der Kriegsgerichtsrat hörte, daß ich Staatsanwalt bin, übertrug er mir die Vertretung der Anklage. So bin ich uner⸗ wartet auch wieder einmal in meinem Be⸗ rufe tätig gewesen. Die Sitzung dauerte nicht lange, und ich ritt zurück nach Rybno, wo ich meinen Trompeter Beitinger im Lazarett besuchte; er wurde vor einigen Tagen in unserem Haus, durch Unvorsichtig⸗ keit eines Gefreiten, der seinen Revolver reinigte, verwundet. Die Sache lief noch sehr gut ab. Die Kugel ging über den Hüftknochen weg. Der Schuß hätte leicht tödlich wirken können.

In Rybno besuchte ich die Rittmeister Preyer und Reinhart, die jetzt hier hinter der Front ein geruhsames Dasein führen. Ich bei ihnen zu Mittag und ritt dann noch weiter zurück nach Koczierzew, wo ich bei unserem Zahlmeister zu tun hatte. Hier hinten herrscht schönster Friede. Die ganze Bevölkerung ist noch da. Die Kinder spielen

Das Wetter war wechselnd. Zeitweise Frost

mit Schnee, dann wieder Tauwetter und

vergnügt im Sonnenschein um die deutschen Soldaten herum. Auf dem Rückweg sprach ich in Swarozin den Schreiber meines

Regen. Aber der Winter war recht mild. Schwiegervaters, Musketier Brück vom Re⸗

An sehr hellen Tagen mußten wir das serve⸗Infanterie⸗Regiment 116. Man freut Feuer im Zimmer ausgehen lassen, um sich immer, wenn man Bekannte aus der

nicht durch den rauchenden Schornstein uns zu verraten. ö

Heimat trifft. Heute sprach ich mehrere aus Gießen und Butzbach.

Es besteht, wie die meisten Dörfer hier,

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