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Gemeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen
Nr. 50 Gießen, 4. Advent, den 19. Dezember 1920 9. Jahrg. 0 f 8 5 3 Kindersreude. den man 1 V
Psalm 90, 14: Fülle uns früh mit deiner einer französischen Zeitung Stellung zu neh⸗
Psa Gade 1 Fülle uns früh mit deiner men, die davon fabelt, daß in Deutschland
Fröhliche Tage sind jetzt für die Kinder gekommen. Die äußerlich so dunkle, trübe Adventszeit ist die Zeit, da man sich auf das Weihnachtsfest rüstet. Heiliger Ahnung voll ist nun das Kinderherz, unermüdlich redet der Mund von dem Christkind und seinen Gaben, und in Gedanken schauen die Kleinen nach dem heiligen Abend aus. Wenn in traulicher Dämmerstunde vom Ofen her das Feuer hinein in das Zimmer leuchtet, dann sitzen die Kinder um die Mutter, und diese erzählt Märchen oder sie singt mit den Ihren Weihnachtslieder. Sie teilt mit, was der Volksmund von dem Christfest zu sagen weiß, und die Weihnachtsfreude geht lange vor dem 24. Dezember durch die Häuser, sie erzeugt ein Glück, an dem auch die Not der Zeit nichts ändern kann.
Aber auch das Kind soll wissen, daß rechte Weihnachtsfreude nur da gedeiht, wo man an den glaubt, dessen Geburtsfest die Christenheit vor Weihnachten feiert, und das
Kind hat volles Verständnis für den Hei⸗
land, für den, der die Kinder geliebt und gesegnet, der die Traurigen getröstet, die Schwachen aufgerichtet, die Unsteten mit Frieden erfüllt hat und schließlich am Kreuz für die Menschheit gestorben ist. Christlicher Eltern Pflicht und Recht ist es, von diesem Heiland ihren Kindern zu sagen, und wo jetzt eine Mutter in der Dämmerstunde dies tut, da ruht heilige Weihe auf dieser Stunde. Wenn das Kind später hinaus in das harte, kalte Leben tritt, so nimmt es aus längst vergangenen Adventstagen einen köstlichen Schatz mit und wird allzeit denen Dankbar⸗ keit bewahren, die ihm diesen Schatz zu⸗ geeignet haben. H. B.
Bilder aus dem Uriegsgefangenen⸗ lager Gießen. Von Studienrat Prof. Dr. Fritz Schmoll, Hauptmann d. Res. a. D. (Fortsetzung.) 5 Diese kurzen Bemerkungen über die Be⸗ mühungen um die Gesunderhaltung der Kriegsgefangenen mögen genügen. Sie dürf⸗ ten die groben Verleumdungen unserer frü⸗ heren Feinde und eines Teiles ihrer Presse über bewußt schlechte Behandlung ihrer Landsleute in deutschen Lazaretten hinläng⸗ lich widerlegen. Ich erinnere mich dabei der Aeußerung eines gebildeten Franzosen,
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die Kriegsgefangenen auf nassem Stroh schlafen, verschimmeltes Brot und faule Kar⸗ toffeln essen müßten. Er erklärte diese ebenso törichte wie bösartige Schilderung in Frank⸗ reich mit den bezeichnenden Worten für nötig:„Ohne Haß können wir den Krieg gegen euch nicht führen; also muß für den Haß gesorgt werden.“ Nun ist ja die Un⸗ dankbarkeit und die fast krankhafte Verleum⸗ dungssucht des Franzosen jedem, der in einem deutschen Kriegsgefangenenlager dienstlich tätig gewesen ist, hinlänglich be⸗ kannt, aber ich habe doch auch manchen französischen Brief neben solchen anderer Nationalitäten gelesen, in welchen mit Wor⸗ ten höchster Anerkennung von der Tätigkeit der deutschen Aerzte und Sanitätsmann⸗ schaften in dem Lager gesprochen wurde. Und solche Aeußerungen, die aus unmittel⸗ barem Empfinden entsprangen, müssen wohl höher gewertet werden als die Ergüsse einer fanatischen feindlichen Presse. Auch in diesem Punkte müssen wir hoffen, daß eine zu⸗ künftige Zeit, weniger haßerfüllt, gerechter über uns Deutsche urteilen wird, als wir es, Gott sei's geklagt, in den letzten Jahren gewöhnt sind, ganz zu schweigen von den entsetzlich traurigen Erfahrungen, die un⸗ gezählte deutsche Gefangene als Verwun⸗ dete oder Kranke in fremden Lazaretten gemacht haben.—
Ein weiteres Bild: die Beschäftigung der Kriegsgefangenen! Zugleich eine neue schwere Aufgabe! Nachdem man eingesehen hatte, daß der Krieg sich in die Länge ziehen würde, daß also auch die Gefangenen nicht nur einige schnell vorübergehende Wochen, sondern voraussichtlich einen Teil ihres Lebens dem Aufenthalte in Deutsch⸗ land wider Willen widmen mußten, war es unmöglich, sie untätig zu lassen; denn gerade die Untätigkeit mußte schwer auf ihnen lasten, auf den Gebildeten vielleicht noch mehr als auf den Ungebildeten. So bewahrheitete sich in den Kriegsgefangenen⸗ lagern in besonderem Maße das Wort vom Segen der Arbeit und von den traurigen Folgen des Müßigganges. Mochte nach den Schrecken des Schützengrabens der Eintritt in das Lager zunächst beruhigend wirken, mochten die Gefangenen sich in Bezug auf Nahrung und Wohnung an die eingeschränk⸗ ten Verhältnisse bald gewöhnen, so mußte
besonders bei jungen, kräftigen Menschen


