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Staub und Hitze drückten uns entsetzlich. Wir kamen an den Resten mehrerer Ba⸗ taillone von Regimentern des 3. Armee⸗ korps, die am Waldrande biwakierten, vor⸗ über. Diese gaben uns zu trinken.

Um 9 Uhr kamen wir auf dem uns be⸗ stimmten Biwaksplatze an, der nördlich von Gorze und westlich des Bois de Vionville lag. Die ganze Division war hier vereinigt. Das dritte Infanterie-Regiment kam auf Vorposten.

Wir machten auf den Feldern Kartoffeln aus und kochten sie. Ein Offizier wurde vom Bataillon nach Gorze, um Lebens⸗ mittel zu requirieren, ich zum Wasserholen nach der Kirche nordwestlich Gorze ge⸗ schickt. Bei dieser Gelegenheit sah ich eine erstaunliche Menge Tornister von Fran⸗ zosen und Jägern vor dem Bois de Vion⸗ ville liegen.

Abends gingen wir gegen Mars la Tour hin; ich annektierte auf diesem Wege den Mantel eines Zweiundfünfzigers, da dieser schwarzgrau und einem Offizierspaletot ähn⸗ licher und außerdem länger, dicker und weicher war. Spiegel und Achselklappen wurden heruntergenommen, und der Bursche erhielt ihn zum Tragen. Das Bild eines Tambours, den ich damals mit entsetzlich entstelltem Antlitz daliegen sah, kam mir lange nicht aus dem Sinn.

Am 18. August waren wir von 5 Uhr morgens an in Marschbereitschaft. Das schöne Wetter dauerte fort. Seine Majestät der König durchritt die Biwaks, von don⸗ nernden Hochrufen empfangen. Um 6% Uhr nahm die 25. Division die Kavalleriebri⸗ gade und die Artillerie an die Töte und setzte sich in Geßschtsformation in Bewegung. Abermals wurde ein großer Teil des Schlachtfeldes überschritten. Nahe der Straße Mars la Tour Vionville waren franzö⸗ sische Dragoner und Kürassiere durch Ar⸗ tilleriefeuer niedergeschmettert worden. Ein toter Reiter saß noch auf seinem toten Pferde. Auf den Biwaksstellen lagen die Kochkessel noch umher. Jenseits der Straße staken zur Linken längs des Höhenrückens viele preußische Ulanenlanzen in der Erde und bezeichneten die Plätze, wo diese Truppenteile gefallen waren.

Aus den Tornistern der nun wieder zahl⸗ reicher den Boden bedeckenden französischen Gefallenen entnahmen unsere Mannschaften französische Zwiebäcke(Biskuits), die uns allen noch im Laufe des Tages von Nutzen sein sollten. 5 5

Da es hieß, der Feind habe sich nach Metz zurückgezogen, marschierte die Division bei Villers aux Bois auf und erhielt Befehl, abzukochen, Die beiden Jägerbataillone be⸗ fanden sich vor uns beinahe auf der Höhe

eines Kammes, den eine Chaussee krönte. Links war das Dorf St. Marcel, rechts Waldlisiere. Nach dem Dorfe wurden Kom⸗ mandos entsendet, die Rotwein, Wasser, Gemüse und sonstige Nahrungsmittel mit⸗ brachten, Als wir mitten im Kochen waren, ertönte der Befehl zum Weitermarsch.

Wir gingen über die Straße herüber, und gegen 12½ Uhr begann vor uns bereits das Kanonenfeuer der 18. Division. Zwi⸗ schen Waldparzellen marschierten wir darauf zu. Ueber dem Walde vor uns stieg eine riesige Rauchsäule auf, man unterschied das Knarren der Mitrailleusen und das ununter⸗ brochene Knattern des Gewehrfeuers, wäh⸗ rend das Getöse der Geschütze stetig zunahm und die bekannten weißen Wölkchen sich in drohender Menge über dem Walde zeig⸗ ten. Links hin erblickten wir jetzt die tiefen Kolonnen des Gardekorps, die, noch etwas zurück, in derselben Richtung vorgingen.

Hinter dem Bois de la Cusse wurde einen Augenblick gehalten. Die ersten Granaten gingen über uns weg, alles duckte sich. Bei den paar nächsten wurden die sich noch Duckenden bereits ausgehöhnt und mit Prü⸗ gel bedroht. Ein Granatsplitter zerschmet⸗ terte den Schaft eines Gewehres in der Kompagnie. Die 8. Kompagnie hatte bereits Verluste. Ein Sergeant gab mir noch einmal Schnaps zu trinken, dann ging es wieder vorwärts um die Ecke des Waldes herum. In Kompagniekolonne auf ganze Distanz auseinandergegangen!, kommandierte unser Bataillonskommandeur. Kaum hatte die Kompagnie die Bewegung ausgeführt, so erhielt sie im Avancieren bereits eine volle Granate mitten hinein. Ein Musketier war sofort tot. Dem Sergeanten, mit dem ich vor wenigen Minuten noch Schnaps ge⸗ trunken hatte, war die Seite aufgerissen, ein Gefreiter war im ganzen Gesicht ver⸗ brannt, ein anderer hatte einen Arm ver⸗ loren; alle diese lagen mit einem Musketier, dessen Patrontaschen hell aufflammten, jam⸗ mernd über einem Haufen, während die Kompagnie weiter vorging.

Etwa fünfzig Schritte von dieser Stelle entfernt hielten wir sodann an. Nun mehr⸗ ten sich die Verluste durch Granatsplitter, sowie Gewehrkugeln alle Augenblicke. Als wir sahen, daß wir vor uns stehenden Batterien unseres Artilleriekorps zur Deckung oder vielmehr als Kugelfang dien⸗ ten, veränderte die Kompagnie ihre Stel⸗ lung, indem sie dichter an die Batterien heranging. Die Leute wurden ermuntert, sich ruhig zu verhalten, wir würden schon näher herankommen und Zwiebäcke fran⸗ zösische nämlich, aus den Tornistern der Gefallenen zu essen bekommen.

Eine heitere Episode, die sich in der Zeit zutrug, erregte viel Lachen. Ein Mann hatte einen Schuß in den Fuß erhalten und jammerte sehr, während er langsam zurück⸗ hinkte. Als er aber etwa hundert Schritte