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sichtig sein, da man sich leicht verderben kann. Dabei gibt es bei der großen Hitze und dem lästigen Staub natürlich viel Durst.
5. 9. 1914. Der Abmarsch der uns gegen⸗ überstehenden Franzosen ist sehr geschickt und energisch gedeckt worden. Am Bahnhof Valmy sind große Verladerampen, wo offen⸗ bar noch vor wenigen Tagen Verladungen stattgefunden haben. Wir marschieren heute früh bei kühlem, windigen Wetter ab über Gizancourt, Voilemont, Dampierre le chä⸗ teau. Um die Mittagszeit kommen wir an einen einsam gelegenen Gutshof, den Sommersitz eines reichen Großstädters. In dem Schlößchen sind hübsche alte Möbel und Bilder, Billardzimmer, Fechträume usw. Nach den Stallungen zu schließen, muß ein bedeutender Viehstand dagewesen sein. Aber es ist kein lebendes Wesen zurück⸗ geblieben, außer dem Kanarienvogel. Zwi⸗ schen den Stäben seines Käfigs steckte ein frisches Salatblatt, ein Zeichen, daß die letzten Bewohner wohl erst am Morgen ge⸗ flohen waren. Wer wird nun weiter für das Vögelchen sorgen? Bei großer Hitze geht der Marsch weiter über Epense bis St. Mard sur le mont, in dessen Nähe wir um 6 Uhr Biwak beziehen. Eine Frau er⸗ zählte uns heute, die in den letzten Tagen durchziehenden französischen Truppen hätten ihr gesagt, sie seien auf dem Weg„à Berlin“.
6. 9. 1914. Da der Divisionskommandeur Erz. Torgany wegen Erkrankung nach Deutschland mußte, führt jetzt General von Helldorf unsere Division.
Ueber Possesse und Charmont kommen wir mittags nach Vroil. Heute reite ich zum erstenmal wieder, wenn auch unter Schmer⸗ zen. Ringsum herrscht heute lebhafte Ge⸗ sechtstätigkeit. Wir nehmen verschiedene Stellungen ein. Abends rücken wir an dem in Flammen stehenden Revigny vorbei durch Brabant le roi und beziehen nahe dabei Biwak.
7. 9. 1914. Morgens beginnt schon früh Infanterie⸗ und Artilleriefeuer. Bei un⸗ serem Biwak stehen erbeutete feindliche Ge⸗ schütze, die ersten, die ich gesehen. Wir er⸗ halten bald Marschbefehl und gehen auf der Straße nach Laimont vor, biegen dann links ab und gehen unweit Fontenoy neben der Straße in Stellung, von wo aus wir viel, meist auf weite Entfernungen, feuern. Wir bekommen bis 7 Uhr abends dauernd Feuer von leichter und schwerer Artillerie. Wir haben die reglementmäßigen Geschütz⸗ einschnitte gemacht. Vor Dunkelwerden be⸗ ginnen die Franzosen ein ganz tolles Ar⸗ tilleriefeuer, das etwa eine halbe Stunde anhält. Der Boden erdröhnt von den un⸗ aufhörlich einschlagenden Geschossen.
Wir bleiben die Nacht feuerbereit in der
Stellung. Gestern und heute haben wir
tagsüber wieder nichts zu essen bekommen,
abends Speck, Brot und Rotwein. Jetzt
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sitzen wir im Schutze der etwas höher liegen⸗ den Chaussee mit Kameraden der 4. und 6. Batterie, deren einer die Geburt eines Kriegsjungen feiert, gemütlich zusammen. Wir verstehen einander gut und halten treu zusammen. Bei unseren Kanonieren habe ich die Kameradschaft häufig vermißt und ihnen schon mehrmals eindringlich Vorhaltung dar⸗ über gemacht; es bessert sich auch schon. Hauptmann von Hirschberg, der 10 Jahre in Deutschsüdwestafrika lebte und im Juni von dort zurückkam mit der Absicht, seinen Abschied zu nehmen, bei Kriegsausbruch sich aber sogleich seinem alten Regiment 61 zur Verfügung stellte, erzählt interessant von seinen Erlebnissen in Afrika, dem Klein⸗ krieg und seinen Beschwerden. Auch ihm gehen, wie uns, die jetzigen Anstrengungen und die Häufigkeit der Kämpfe weit über alle Erwartungen. Auf der Chaussee fahren die Feldküchen vor, um die in Fontenoy und Laimont liegende Infanterie mit Essen und Kaffee zu versorgen. Allmählich tritt auf dem Gefechtsfeld Ruhe ein und wir strecken uns auf unser Strohlager aus. Dieser un⸗ weit dem Rhein⸗Marne⸗Kanal, nordwestlich Bar⸗le⸗Duc, gelegene Punkt war der süd⸗ lichste, den wir in Frankreich erreichten.
(Fortsetzung folgt.)
Urgroßtantens RNaritätenschrank. Von Helma Esselborn. (Schluß.)
Und dann folgte ganz langsam, als ob sie zu sich selbst spräche, die Geschichte der eignen Jugendliebe. So einfach, so ruhig,
so wie alle Tage sprach sie.
Sie war ein ernstes, ruhiges Mädel, er ein übermütiger, lustiger Student. Beide ver⸗ wandt und seit Kindertagen bekannt. Er war der älteste von sechs Geschwistern, die Mutter früh gestorben, der Vater streng und konnte sich wenig um die Kinder kümmern. Ein
kaltes Heim. Da tat das warme Plätzchen bei
des Vaters Schwester doppelt gut, und das gleichaltrige Bäschen war eine liebe Spiel⸗ gefährtin. Und als er ein Bruder Studio auszog, nahm er das Herz des Mädels mit. Nun aber rächte sich die zwanglose Er⸗ ziehung. Der Lebensübermut schlug über die Grenzen. Man machte törichte Jugend⸗
streiche, nichts Schlechtes, nur Unbedachtes und das dumme Mädel saß zu Hause und
heulte sich die Augen rot, wenn es hörte, was der strenge Oheim vom lüderlichen Sohn be⸗ richtete, der sich zwei Polonaisen auf einmal machen ließ, einen Kragenmantel trug, sich einen großen Hund hielt und Schulden machte.
Die Ferien brachten den Herzliebsten heim. Er kam, vom Elternhaus verbannt, vor Tan⸗ tens Tür und wurde aufgenommen. Eine selige Zeit, und als sie vorüber, ein Ab⸗ schied mit tausend heiligen Versprechungen.


