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unangenehm ist, daß, wie auch in Belgien, sehr viele Felder und Wiesen mit Draht eingezäunt sind. Das Straßennetz und die Wegebezeichnungen sind sehr gut, alle Ort⸗ schaften durch gute Chausseen miteinander verbunden.

2. 9. 1914. Von allen Kriegsschauplätzen, auch vom russischen, werden große Erfolge der deutschen Waffen berichtet. Wenn es doch bald zu einem entscheidenden Schlag käme; dann könnte sich der Krieg doch nicht zu lange hinziehen. Ich bekomme sehr wenig Post, Zeitungen haben wir gar nicht. In einer Viertelstunde treten wir den Weiter⸗ fuse an, um den fliehenden Feind zu assen.

wo es an einem Straßendreieck langen Halt gibt, da viel Kavallerie vorbeikommt. In der Nähe Schießerei. Es ist inzwischen Abend geworden. Bei herrlichem Mondschein nehme ich mit dem Abteilungskommandeur, seinem Adjutanten und den drei Batterieführern, am Straßenrand sitzend, ein bescheidenes Abendessen ein.

Es folgte nun ein Nachtmarsch durch das Städtchen Grandpré vorbei an Senuc nach Montchartin. Wir halten oft. Ich schlafe dann fast ein, während ich neben meinem Pferd stehe. Die Verbindung nach vorne reißt ab, und wir müssen eilig nachrücken. Neben der Straße auf den Feldern stehen viele Wagen, mit dem Hausrat der geflüch⸗ teten Bevölkerung beladen, die sie dann wohl, da sie die Marschstraße der zurück⸗ gehenden Truppen sperrten, zurücklassen

mußten. Bei einem im Straßengraben liegen⸗

den Wagen ist ein altes Mütterchen ge⸗

blieben. Die Aermste konnte wohl nicht mehr weiter kommen oder sich nicht von ihrem Heimatdorf trennen. Nun steht sie verlassen

in der kühlen, schaurigen Nacht. Es herrscht

leichter Nebel. Bei dem Mondschein erscheint alles spukhaft. Neben der Straße rauscht der Bach über ein Wehr. Das Tal wird eng. In den Wäldern links entwickelt sich zeit⸗ weise Infanteriefeuer. Während wir in Montchartin halten, beginnt vor dem Orts⸗ ausgang ein lebhaftes Infanteriefeuergefecht. Wir gehen in dem Feuer durch eine Hofreite hindurch in Stellung, können aber, da bei der Dunkelheit die Lage nicht zu übersehen ist, nicht eingreifen. Erst als es hell ge⸗ worden war, gaben wir einige Gruppen ab. Es handelte sich wohl nur um schwache, den Rückzug deckende Truppen, die sich beim Morgengrauen im Wald verlieren. Beim Erkunden einer neuen Stellung verstauchte ich mir den Fuß und kann nun nicht reiten. Den Weg Grandpré6 Montchartin, zu dem wir in dieser Nacht viele Stunden brauch⸗ ten, und der mir gar weit erschien, habe ich 1916 oft zurückgelegt und dabei mit Er⸗ staunen festgestellt, daß er etwa nur eine Stunde betrug.

4. 9. 1914. Um 7 Uhr verließen wir nach wohltuend langer Ruhe Autry, wo gestern die ganze Abteilung Biwak be⸗ zogen hatte. In diesem trieb sich abends ein französischer Bauer herum, angeblich um nach einem ihm abhanden gekommenen Pferd zu 5 5 Da mir gemeldet wurde, daß er versucht habe, Soldaten auszufragen, ob wir aktive Truppen oder Reservisten seien u. dgl. m., also der Verdacht der Spionage nahelag, veranlaßte ich seine Festnahme; heute morgen sah ich, daß er mit anderen Zivilisten weggebracht wurde. Bei einer an⸗ deren Batterie ging es gestern abend sehr vergnügt zu. Vor zwei Tagen wurden in einer Scheuer französische Musikinstrumente

: 5 gefunden. Damit konzertierten unsere Leute. Marsch über Briguenay bis le Morthomme, 0 i 0

Unter anderem spielten sieDeutschland,

Deutschland, über alles auf den französi⸗

schen Militärinstrumenten. Diese haben aber einen ganz anderen Klang als die unseren. Die Soldaten sangen Lieder, wieTeure Heimat u. a. Das war die innere Be⸗ freiung nach den schweren Erlebnissen und Anstrengungen der letzten Tage. Die Mann⸗ schaften der Abteilung stammen zum großen Teil aus dem Rheinland(Rheinprovinz und Rheinhessen). Sie bewahren sich auch in unangenehmen Zeiten ihren guten Humor und kommen rascher über das Schwere hin⸗ weg wie die schwerblütigen Oberhessen. Durch die für die Artillerie wegen des dichten Unterholzes aber auch für die Infanterie sehr unangenehmen Wälder der Ardennen und Argonnen sind wir nun hindurch. Wie manchen braven Reitersmann der Res.⸗Dra⸗ goner Nr. 4 sahen wir morgens neben der Straße liegen, der in der Frühe auf Pa⸗ trouille geschickt worden war und bei dem unübersichtlichen Gelände durch eines ver⸗ steckten Feindes Kugel einen raschen Tod gefunden hatte.Gestern noch auf stolzen Rossen, heute durch die Brust geschossen, morgen in das kühle Grab... Darum still, darum still, füg' ich mich, wie Gott es will...

Heute Marsch über Condé lez Antry, Servon, wo der katholische Pfarrer mit vielen Bewohnern zurückgeblieben war,

Malmy, Courtémont nach Valmy bei furcht⸗

barer Hitze und üblem Staub; viele Infan⸗ teristen wurden marode. Ich fuhr wieder auf einem Munitionshinterwagen, was recht unbequem und staubig ist. Ich könnte ja auch auf einem Wägelchen bei der Bagage

fahren, aber wenn die Batterie in Feuer⸗

stellung geht, will ich doch dabei sein. Gegenüber dem Denkmal zur Erinnerung an die Kanonade von Valmy(20. 9. 1792 bezogen wir gegen Abend Biwak. Am Abend tranken wir zum erstenmal zwei Fla⸗ schen Sekt; es war, da wir seither nur Rotwein außer Kaffee batten, eine ange⸗

nehme Abwechslung. Viel mehr Sekt kam in Frankreich auch späterhin nicht an mich. [Mit dem Wassertrinken muß man sehr vor⸗

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