„Macht jetzt, daß ihr hinauskommt, es ist ein Wunder, daß nichts kaput gegangen ist bei der Hilf; denn Kinderarbeit ist Dreck⸗ wert, hat schon meine Mutter selig gesagt.“
Mit diesem Segensspruch waren wir
entlassen.—— Karlchen kann nicht einschlafen. Die be⸗ sorgte Mutter befühlt seine Stirn, der Kleine spricht immerfort leise einen Namen, aber der Kopf ist kühl.
„Was hast du, mein Liebling, sag mir doch, was meinst du? Pascha Bumbum, ja was ist denn mit ihm, du brauchst dich doch nicht zu fürchten, Mutter ist bei dir.“
„Der Pascha Bumbum auch.“
„Ach, Unsinn, was schwatzest du für Zeug, er steht ja in Tantens Glasschrank.“ N
„Nein, er ist bei mir und macht jetzt bum bum in meinem Bauch. Ich—— habe ihn doch auf aufge— gessen!“
Geschichten und Bilder aus Alt⸗Gießen. 22. Eine bemerkenswerte Gießener studentische Leichenfeier im Jahre 1840. Mitgeteilt v. Dr. Karl Esselborn-Darmstadt— Wenn man den Alten Friedhof zu Gießen durch den Haupteingang an der Licher Straße betritt und sich dann nach einigen Schritten nach der Kapelle wendet, so stößt man auf eine Rasenfläche, auf der nur noch wenige Gräber durch die darauf stehen⸗ den Kreuze kenntlich sind. Auf dieser Rasen⸗ fläche befindet sich jedoch auch ein mit einem Gitter umgebenes Doppelgrab mit einem sehr gut erhaltenen, stattlichen Grab⸗
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mindesten hindernd in den Weg, sondern
Siegfrieden, geboren am 4. Juni 1822 zu Darmstadt und immatrikuliert am 23. Okto⸗ ber 1838, der älteste Sohn des Hofgerichts⸗ advokaten Dr. Gottlieb Siegfrieden in Darmstadt und dessen Gemahlin Charlotte geb. Klunk. Am 12. März 1840, einem Donnerstag, wurden sie zu Grabe gebracht. Ueber die Trauerseierlichkeit, die mit unge⸗ wöhnlichem Gepränge ausgestattet war, hat sich in der„Didaskalia“(Nr. 80 vom 20. März 1840) ein ausführlicher Bericht erhalten, der kulturgeschichtlich so bemer⸗ kenswert ist, daß er an dieser Stelle mit⸗ geteilt zu werden verdient. Er lautet:
„Die Studierenden boten alles auf, um die irdische Hülle der Verblichenen so feier⸗ lich als möglich und dem alten Burschen⸗ brauch gemäß zu bestatten, und von sciten der Universitätsbeyörde trat man auch nicht im
ließ manches zu, was früher streng verpönt war. Das Begräbnis fand abends zwischen sieben und acht Uhr statt. Den Zug er⸗- öffnete der Zuganführer in schwarzer Polo⸗ naise, mit schwarz und weißer Trauerschärpe, in Kollern und Kanonen, dreieckigem Hut mit schwarz und weißen Federn, gelben
bel. Rechts und links ein Fackelträger. Ihm
folgte die Musik, umgeben von Facke trägern. Nach diesen kamen drei Marschälle, schwarz gekleidet mit langen Marschallstäben. EE folgte der Pfarrer Christian Philipp Wilhelm Bonhard begleitet von zwei Chapeaux d'honneur. Zu beiden Seiten
steine, der von einem kleinen Kreuze ge⸗ krönt wird. Es ist dies der gemeinsame Grabstein der am 10. März 1840 gestorbe⸗ nen Studenten der Rechtswissenschaft Kar! Ludwig Helfrich von Müller und Karl Siegfrieden. Die Grabinschrift des Erstgenannten weist außer den Daten über Geburt und Tod noch die Worte auf:„Er war der Wittwe einziger Sohn, der beste Bruder und treuste Freund.“ An Karl Sieg⸗ frieden erinnern die Worte:„Er wurde abgerufen der gute Sohn und Bruder, der an Geist und Herz ausgezeichnete Jüngling, damit eine hienieden schon so herrlich ent⸗ faltete Blüthe gepflegt werde im Lande der Seligen zur Entwicklung köstlicher Frucht.“ Nach einer landläufigen Annahme sind beide im Zweikampf gefallen. Das trifft aber nicht zu, sie waren vielmehr ein Opfer des Nervenfiebers, das damals mit solcher Hef⸗ tigkeit und Bösartigkeit in Gießen grassierte, daß ein ziemlich bedeutender Teil der Stu⸗ denten die Universität verließ und nach Hause eilte. Von den beiden beklagenswerten Opfern der heimtückischen Krankheit war der eine Karl von Müller, geboren im Jahre 1821 und immatrikuliert am 17. Mai 1838, der Sohn des verstorbenen Forstmeisters gleichen Namens zu Gladenbach und dessen
als Witwe in Darmstadt lebenden Gemahlin ö sangen einige Studierende ein passendes Friederike geb. du Fay, und der andre, Karl Quartett. Darauf traten die Chargierten
dann
Fackelträger. Nun kam der erste Leichen wagen, mit vier Pferden bespannt; jedes dieser wurde von einem Stalljunker in schwarzem Frack, schwarzen Kollern, Kano⸗ nen und Stulpenhandschuhen geführt. Der Wagen war mit Kränzen und Guirlanden geschmückt. Hinter dem Wagen gingen die nächsten Freunde des Verstorbenen. Zu bei⸗ den Seiten Fackelträger. Nach den Leid⸗ tragenden folgten wiederum drei Marschälle, der Pfarrer mit zwei Chapeaux d'honneur, der zweite Leichenwagen, ebenfalls mit vier Pferden bespannt und von Stall⸗ junkern geführt. Hinter dem Wagen gingen wiederum die Leidtragenden, an die sich der übrige Fackelzug anschloß.
In der Mitte des Zuges gingen sechzehn
Chargierte, die den Zug in Ordnung hielten, Diese waren gekleidet mit schwarzen Sam⸗ metröcken, Trauerschärpe, Kollern und Ka⸗ nonen, Mützen mit Trauerkokarden, Stul⸗
penhandschuhen und mit gezogenem Säbel.
Den
Zug endigte der Zugbeschließer in
demselben Anzug wie der Zuganführer. In solcher Ordnung bewegte sich der Zug lang⸗
sam d Grabe. Nach der Einsenkung hielt der Pfar⸗ rer eine diesem traurigen Falle ganz an⸗ gemessene Rede.
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Nach Beendigung dieser
Stulpenhandschuhen und mit gesenktem Sä⸗*
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