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Kommode. Da stand es, als Fridolin nach einigen Tagen aufstand und wieder Schule

entdeckt, so schnappt die kleine Hand sie ihm weg. Die Hände berühren sich. Wie ein elek⸗ trischer Strom geht es durch ihn hin, und einen Augenblick durchblitzt ihn der toll⸗ kühne Gedanke:Halte sie fest, nur einmal ganz fest!

Hat Agathe seine unwillkürliche Bewegung verstanden, sucht sie sich selbst dem Zauber zu entreißen?

Mein Verlobter kommt morgen von seiner Weltreise zurück, da soll der Kranz über die Türe, erklärt sie plötzlich kalt und trocken.

Da würgt Fridolin mühsam hervor:Ich dachte, um Ihrer toten Mutter Bild, das immer Immortellen bekränzen.

Mitleidig schaut sie ihn an.Wie kann ein Mensch sich so verändern? Verfallen sieht der Aermste aus, ganz verfallen, elend wie ein Sterbender, und zögernd sagt das nJa, er soll um meiner Mutter

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Der Abend ist da. Es dunkelt schon stark, da gehen zwei schweigende Menschenkinder heim. Fröstelnd sehen beide dem Kerzen⸗ schein entgegen, der durch den dunkeln Park leuchtet. Sie betreten das Schloß, und Fri⸗ dolin packt seine Geige fest unter den Arm, vor ihm steht das junge Weib, den Arm voll Immortellen, im roten Kleid. Unwillkürlich steigt ihr Bild von jenem Sommerabend in ihm auf, als sie in seinen Garten kam. Da⸗ mals war es eine weiße Lichtgestalt mit Wiesenblumen geschmückt.Es ist Herbst geworden! denkt er. Da reicht ihm Agathe ein Sträußchen Immortellen.Gute Nacht, sagt sie leise,bis morgen!

Morgen, denkt er stumpf, morgen.Ach ja, er soll ja zum Spielen kommen, zum

hielt. Davor lag ein Brief. Er bricht ihn auf. Das war der Abschied! Sie war ab⸗ gereist, ein freundlicher Dank und Gruß war alles, was für ihn übrig blieb. (Fortsetzung folgt.) Kleine Mitteilungen.

Vom 29.31. Juli findet in Gießen der 1. ordentliche Vertretertag der deutschen evangelischen theologischen Fachschaften statt, in denen die Studierenden der evangelischen Theologie zusammengeschlossen sind. Wesent⸗ liche Verhandlungsgegenstände sind: Die Organisationsfrage, die wirtschaftliche und wissenschaftliche Notlage, die Frage der Re⸗ form des theologischen Studiums. Die Ta⸗ gung ist öffentlich für alle in Studium und Beruf stehende Theologen. An einem noch näher zu bestimmenden Tage ist ein Kirchen⸗ konzert in der Stadtkirche vorgesehen.

Kirchliche Anzeigen. Sonntag, den 11. Juli, 6. nach Trinitatis.

Stadtkirche. Vorm. 8, zugl. Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Markus⸗ gemeinde: Pfr. Becker.: Pfr. Mahr. 11: Kinderkirche für die Matthäus⸗ gemeinde: Pfr. Mahr.

Johanneskirche. Vorm. 8, zugl. Christen⸗ lehre für die Neukonfirmierten aus der Johannesgemeinde:Pfarrassistent Ramge. : Pfr. Bechtolsheimer. 11: Kinder⸗ kirche für die Lukasgemeinde: Pfr. Bech⸗ tolsheimer. Abends 8 Uhr: Bibelbe⸗ sprechung im Johannessaal: Pfr. Becker.

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Wartburg⸗ Verein.

Spielen vor dem Herrn Verlobten; und er sieht sich im Geist, wie er kommt, wie Agathe ihn, den ganz Weltfremden, dem weitgereisten jungen Herrn zeigt:Der hat mich inzwischen getröstet, und wie dieser dann, hell auflachend, entgegnet:Dann hätte ich ja noch lange wegbleiben dürfen! Und bitter lacht Fridolin vor sich hin.

Mutter ist außer sich, als ihr Junge heim⸗ kommt. Er ist so bleich. Was hat er nur? Natürlich im Herbstabendnebel herumlaufen mit seiner empfindlichen Lunge, das taugt nichts. Er muß gleich zu Bett und Flieder⸗ tee trinken. Sie kennt das schon. Wie wohl tun Fridolin die sanften Mutterhände, ob⸗ gleich sie rauh von der Arbeit sind. Wie können sie lind sein und sanft zufassen! Er läßt alles mit sich geschehen wie ein hilf⸗ loses Kind.

In der Nacht stellt sich Fieber ein. Fri⸗ dolin spricht anhaltend von Immortellen und Mutter weiß sich keinen Rat. Erst als der Morgen graut, wird der Patient ruhiger und schläft ein. Als die Alte den Sonntags⸗ rock fein säuberlich bürstet, da findet sie in der Tasche das Immortellenbüschelchen und steckt es in die kleine Groschenvase auf der

Sonntag, den 11. Juli, abends 8 Uhr, im Markussaal: Familienabend. Musikalische Darbietungen(Frl. Zimmer, Herr Lehrer Fritzel Frl. G. Kühn, Herr stud. phil. 1 und Schattenbilder(Volkslied, Mär⸗ hen).

Der am Donnerstag den 24. Juni ver⸗ anstaltete und sehr schön verlaufeneKammer⸗ musikabend brachte uns einen Reingewinn von 655 Mk., die wie folgt verteilt wurden: für einen Wohltätigkeitszweck 100 Mk., an den Blaschor für ein neues Bariton 120 Mk, für Liederbücher im Gem. Chor 80 Mk, für die Turn⸗ und Spielabteilung 50 Mk. Der Rest von 305 Mk. ist für Heizung und Licht im kommenden Winter vorgesehen. Allen, die zum Gelingen dieses Abends bei⸗ getragen haben, ganz besonders den Aus⸗ führenden, die sich in uneigennütziger Weise zur Verfügung gestellt hatten und den Pro⸗ grammverkäuferinnen und»verkäufern an dieser Stelle herzlichen Dank.

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Evang. Arbeiterverein. Sonntag, den 11. Juli, Uhr: Ge⸗ meinsamer Besuch des Gottesdienstes(Stadt⸗ kirche). 5

Verantwortlich: Pfarrer Bechtolsheimer. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts⸗Buck⸗ und Steindruckerel R. Lange, Gießen.

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Nr. 28

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