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man sich wundern, daß man jetzt, da die Eisenbahnen versagen, nicht wieder von Stadt zu Stadt Postwagenverkehr einge⸗ richtet hat. Und wenn wir jetzt abends nach 11 Uhr, wenn der Mond nicht scheint, durch die dunklen Straßen gehen, so kommt uns wie den Alten vor 114 Jahren wieder zum Bewußtsein, daß„für die Sicherheit gegen Dieberehen und sonstige Unordnungen, für die Bequemlichkeit und städtische Wohl⸗ anständigkeit überhaupt“ eine bessere Be⸗ leuchtung doch sehr notwendig wäre. Aber unter den obwaltenden Umständen werden wir noch recht lange im Dunkeln gehen müssen. H. B.
zum neuen Jahre! O lehr' uns jeden Tag es immer mehr verstehen, daß wir durch Freud und Leid zu dir zur Heimat gehen!
Als ich kürzlich im Johannisevangelium las, traf mich im ersten Kapitel besonders tief das Wort:„Und er kam in sein Eigen⸗ tum, und die Seinen nahmen ihn nicht auf.“ Ist das nicht eine erschütternde Klage? Sie deutet uns an, was Jesus gelitten haben muß; denn ganz können wir es kaum ver⸗ stehen. Ist es uns selbst doch schmerzlich fühlbar, wenn unsere aufrichtigen Bestre⸗ bungen, zu helfen, verkannt werden, wenn wir Gleichgültigkeit finden da, wo wir das Herz entgegenbrachten. Wir aber sind Men⸗ schen, irrende Menschenkinder; Jesus da⸗ gegen brachte Worte und Werke göttlichen Lebens; man sollte denken, daß in der Un⸗ ruhe und Sorge des menschlichen Daseins die Erscheinung Christi allen seinen Zeit⸗ genossen eine Befreiung ihrer Lasten hätte sein müssen. Aber, er kam in sein Eigentum und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Nun liegen Advent und Weihnachten hinter uns und die Frage tritt an uns heran, ob diese Zeit uns den inneren Segen brachte, den wir ersehnten, ob das Versenken in die
größte Liebestat Gottes uns so gefördert hat,
daß wir uns sagen können: Wir haben im Geist an der Krippe des himmlischen Kindes gekniet, wir haben ihm die Herzen geöffnet, als es wartend davor stand, um als Gast bei uns einzukehren?— Haben wir in dem Ge⸗ triebe und bei der vermehrten Arbeit der letzten Wochen uns die Stille geschaffen, oft nur für wenige Minuten, die nötig ist, um innerlich nicht zu verarmen? Wir müssen gerüstet über die Schwelle des alten in das neue Jahr hinübergehen, mit festerem Glau⸗ ben, mit größerer Treue für alle Anforde⸗ rungen des Lebens, mit wärmerer Liebe für die Not unserer Mitmenschen. Laßt uns ernstlich darüber nachdenken, ob wir nicht in Gefahr stehen, zu denen zu gehören, die den Heiland nicht aufnahmen, als er bei ihnen einkehren wollte, er, der allein uns
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Frieden und unseren Seelen die ewige Selig⸗ keit bringen kann. Für dich sei ganz mein Herz und Leben, Erlöser, du mein einzig Gut! Für dich hast du mirs nur gegeben, in dir allein es selig ruht Baronin R.
Landgrafen⸗Geschichten.
Unter diesem Titel hat unser Mitarbeiter Dr. Karl Esselborn im Verlage der N. G. Elwert'schen Verlagsbuchhandlung in Marburg vor kurzem ein schön ausgestattetes und interessantes Buch in die Welt gehen lassen(Preis 4,30 Mk.). Wie Esselborn im Auffinden von interessanten Stoffen über⸗ haupt eine glückliche Hand hat, so auch hier. In der Darmstädter Kabinettsbibliothek werden handschriftliche Aufzeichnungen des Darmstädter Schriftstellers Friedrich Hild (17831847) aufbewahrt, die in mehreren Heften Anekdoten enthalten, die sich auf die Landgrafen Ernst Ludwig, Ludwig VIII.
nungen hat Esselborn der Vergessenheit ent⸗ rissen und das Interessanteste daraus in seinem Buche vereinigt. Hild hat zumeist aus mündlicher Tradition geschöpft. Das, was wir in der neuen Ausgabe lesen, sind Gespenstergeschichten, Militäranekdoten, Schwänke und Witze, die von jeher eine be⸗ liebte Volkslektüre gewesen sind und auch heute noch viele Leser anziehen. Esselborns Buch hat jedoch über das Anekdotenhafte hinaus Bedeutung, es ist kulturgeschichtlich sehr interessant; denn es spiegelt uns das 18. Jahrhundert, in dem jene Landgrafen re⸗ gierten, wieder Nicht überall herrschte wäh⸗ rend dieses Zeitraums an den deutschen Fürstenhöfen ein so freier und weiter Geist wie in Weimar, nicht überall war ein geistig so überlegener Herrscher zu finden wie in Preußen, als Friedrich der Große regierte. Landgraf Ernst Ludwig(1678— er kam als elffähriger Knabe zur Regierung— bis 1739) war sehr abergläubisch, was schon daraus hervorgeht, daß er der Goldmacher⸗ kunst zugetan war. Der Jagdleidenschaft war er mehr ergeben, als seinen Untertanen dienlich war. Diese Leidenschaft und die Sucht, durch prunkvolle Bauten zu glänzen, hatten eine große Verschuldung des Landes zur Folge. Ludwig VIII.(1739 bis 1768) gab ihm, was den Aberglauben betraf, nichts nach und war gleichfalls der Jagd,„der fürstlichen Freude der Männer“, wie der Dichter Moritz Graf Strachwitz sagt, sehr ergeben. Auf seinen Jagdreisen war er zu⸗ weilen von einem hundertköpfigen Troß be⸗ gleitet. Die Jagdnarrheit— einen anderen Ausdruck kann man hier gar nicht ge⸗ brauchen— veranlaßte ihn dazu, von Kra⸗ nichstein nach Darmstadt oder Wolfsgarten öfter in einem Wagen zu fahren, der von vier Hirschen gezogen wurde. Ludwig IX.
und Ludwig IX. beziehen. Diese Aufzeich⸗


