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welche ihre Gaben bier so freygebig aus⸗ gespendet hatte, bewundern. Die Dämme⸗ rung des Abends tratt allmählig ein, und strengten unsre beynahe erschöpften Kräfte an, um Weinheim zu erreichen. Gegen 8 Uhr kamen wir daselbst an, und schlugen in der„Rose“ unser Nachtlager auf, wo dann einige Flaschen guter Lautenbacher (Laudenbacher) unsre Müdigkeit bald ver⸗ gessen machten.“ (Fortsetzung folgt.)
Urgroßtantens Raritätenschrank. Von Helma Esselborn. (Fortsetzung.)
Lachend schüttelt diese den Kopf:„Ich glaube, die Kraft besaß nur das erste Männ⸗ lein, das bringt die Dukaten dem Steffen
ins Haus.“
Die Mutter behielt recht. Nie ist auf dem Kirmeßmarkt so viel gelacht worden, wie in diesem Jahr. Steffens Geschäst blüht. Jeder lacht, jeder findet es nicht ganz anständig, aber jeder kauft ein Dukaten⸗ männlein und bringt es mit nach Haus. So hat's der Vater auch gemacht, die Kin⸗ der ließen ihm keine Ruhe.
„Nun sitzt das Männlein jahraus jahrein in der Familie, aber die Dukaten haben sich nicht vermehrt,“ schließt die Tante die Geschichte.
„Aber gelacht haben wir auch schon oft darüber,“ bemerkte der kleine Karl.
„Ja,“ antwortet sinnend die alte Tante, „du hast recht, Junge, und gesundes Lachen ist oft im Leben wertvoller als Gold. Das dir. Wenn auch dein Beutel mal leer ist, verlerne das Lachen nicht!“
10. Das Mädchen mit den flüchtigen Füßen.
„Wie vom Zuckerbäcker, Großtante, er sieht aus wie von Zucker,“ so jubelten wir vor Entzücken, als Großtante eines Tages beim Räumen einen kleinen geschnitzten Elfenbeinfächer zu Tag förderte und feier⸗ lich dem Raritätenschrank einverleibte. Da lag er nun graziös ausgebreitet am zier⸗ lichen Griff das blaßrosa Band, das, schon leicht zerschlissen, von der Vergänglichkeit der irdischen Dinge erzählte. Sinnend schaute die Großtante darauf nieder, und wehmütig lächelnd sprach sie vor sich hin:„Das Mäd⸗ chen mit den flüchtigen Füßen“. Ohne daß wir lange quälten, fing sie an zu er⸗ zählen von einem schwülen, heißen Juli⸗ abend, da die Seiltänzer im Dorf waren und alles sich hindrängte auf den Platz vor dem alten Rathause, um das seltene Schauspiel zu genießen. Schon früh am Tag waren die grünen Wagen im Dorf er⸗ schienen, und bald darauf hatten an allen Ecken der Gassen Plakate mit großen schwar⸗ zen Lettern von den bevorstehenden Herr⸗ lichkeiten erzählt. Ein feierlicher Umzug
zur Mittagsstunde hatte die Spannung er⸗
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höht. Voraus der Harlekin mit der Schellen⸗ kappe, dann das schwarze Roß, das vorher keuchend den Berg herauf das fahrende Heim der Künstler mühsam gezogen hatte, aber jetzt mit roter silberbetreßter Schabracke
und einem großen Schellenbaum sein heraus⸗
geputzt war. Auf seinem Rücken ein kleines zierliches Mädchen, das sich ängstlich fest⸗ klammerte. Das bleiche Gesichtchen sah furchtsam unter dem schwarzen Lockenge⸗ ringel hervor, zwei spindeldürre Aermchen kamen aus dem schäbigen weißen Fähnchen zum Vorschein, und trotzdem hatte die Kleine etwas besonderes an sich, und wenn man sie einmal gesehen hatte, so konnte man sie nicht wieder vergessen. Ein roh aussehender Mann trieb ab und zu mit einem Stock die Mähre an, wenn das Tempo gar zu langsam wurde. Gleichzeitig rief er der Kleinen ein paar barsche Worte zu, worauf sie Kußhändchen nach rechts und links aus⸗ teilte, und der Harlekin einer Blechtrompete einige Mißtöne entlockte. Das war Anita, die Königin der Luft, das Mädchen mit den flüchtigen Füßen— so stand es auf 255 Programm an allen Gassenecken zu esen.
Die Dorfbewohner waren zum größten Teil auf dem Felde, denn das Korn wurde geschnitten. Um so größeres Interesse brach⸗ ten die Alten und die jüngste Dorfjugend den Vorbereitungen der Künstler entgegen. Das Seil wurde vom Rathaus zum gegen⸗ überliegenden Dorfkrug gespannt, und mit Schaudern dachten die Zuschauer daran, wie hoch der Sturz auf das harte Pflaster des Rathausplatzes sein würde, wenn einer der Künstler das Unglück hätte, auszugleiten. Die kleine Anita saß auf dem Prellstein der Straße und vergnügte sich, indem sie den leichten Sand, der zum oberflächlichen Schutz unter dem Seil auf die Pflastersteine aus⸗ gebreitet wurde, langsam durch die Finger laufen ließ.
Der grüne Wagen mit dem kleinen Schornstein, dem leichte Rauchwolken ent⸗ strömten, bildete für die Kinder den reiz⸗ vollsten Anziehungspunkt. Selbst der Duft von Seifenbrühe, Suppe und sonst noch aller⸗ hand Mischgerüche, die ihm entströmten, fand unser ungeteiltes Entzücken, und der Wunsch, auch in solchem fahrenden Haus zu wohnen, wurde in den Kinderherzen wach. Eine keifende Alte, angetan mit einem zersetzten roten Rock und einem karierten Umschlagtuch, unter dem das schmutzige Hemd hervorlugte, streckte jetzt den grauen Wuschelkopf zur Türe heraus und jagte uns fort. Sie fürchtete den Blick des Publi⸗ kums hinter die Kulissen, weil dies die Illusion am Ende vermindern konnte. Jetzt kam Anita langsam angeschlendert, mit Grazie ging sie an uns vorbei, uns in un⸗ kindlicher Weise scheinbar nicht beachtend, und doch schossen aus den Augenwinkeln


