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den das deutsche Volk von 1914 bis 1919 zu führen hatte, drohte diese Seuche von Osten her nach Deutschland vorzudringen. Es ist ein nicht genug zu rühmendes Verdienst der medizinischen Wissenschaft, dieses Vordrin⸗ gen verhindert zu haben. Wie bekannt, so sind hauptsächlich die Läufe die Träger der Bazillen, und die Entlausungsanstalten haben im Interesse der Volksgesundheit eine sehr wichtige Arbeit verrichtet. Dieser Krank⸗ heit ist Eleonore Pistor, geb. Becker, zum Opfer gefallen. Am 10. Februar 1814 be⸗ gann ihr Leiden und am 22. Februar, abends zwischen 9 und 10 Uhr, entschlief sie im Alter von 29 Jahren und 28 Tagen. Der tiefbetrübte Ehemann widmete ihr in dem Hausbuche seines Schwiegervaters den Nach⸗ ruf:„Ruhe sanft, gutes Weib, du hast mich in den 3 Monaten unseres glücklichen Ehe⸗ standes aufrichtig geliebt, und ich habe deine Liebe mit den nehmlichen Gefühlen erwie⸗ dert. Ruhe sanft, bis daß der große Tag der Vergeltung erscheint, wo wir uns wieder⸗ sehen und unseren heiligen, nur ach zu früh zerrissenen Bund erneuern.“
Jakob Pistor war ein geistig sehr reg⸗ samer Mensch, der sich, wie wir schon er⸗ wähnt haben, eine gute Bildung angeeignet hatte. Er hatte auch eine regsame Phantasie, war ein Mensch von starker Empfindung und patriotischem Fühlen. In einer Zeit, in der es um den Verkehr noch viel schlechter stand, wie das heute der Fall ist, hat er öfters Reisen unternommen, und nicht etwa nur Geschäftsreisen, sondern Reisen, auf denen er die Natur auf sich wirken ließ, das Leben und Treiben der Menschen beobachtete und sich heiterem, edlen Lebensgenusse hingab. Unter seinen nachgelassenen Papieren findet sich die Beschreibung einer Fußreise, die Pistor mit zwei Freunden Busch und Frech nach der Bergstraße, der Rheinpfalz, dem heutigen Rheinhessen und dem Rheingau ge⸗ macht hat. Leider ist diese Reisebeschreibung nicht mehr ganz erhalten, es fehlen Seite 1 bis 12 des Manusfkripts, das dann auch wieder mit S. 80 abbricht. Aus dem Manu⸗ skripte ist das Jahr der Wanderung nicht zu ersehen, diese muß jedoch vor dem Jahre 1814 gemacht worden sein; denn Pistor er⸗ wähnt, daß die Franzosen das linke Rhein⸗ ufer im Besitz haben, so spricht er von den Douaniers, den französischen Zollbeamten, wir werden diese Wanderung, da sich in der Beschreibung kein Hinweis auf die kriegeri⸗ schen Ereignisse der Jahre 1812 und 1813 findet, ungefähr in die Jahre 1808 bis 1811
zu setzen haben. Die Beschreibung gibt ein schönes Bild von Land und Leuten, macht
uns hin und wieder auf Geschäftsverbindun⸗ gen aufmerksam, die damals von Gießen aus sich nach der Rheingegend erstreckten, und ist in einer fesselnden Form abgefaßt, so daß sie hier mitgeteilt werden soll. Das Frag⸗ ment setzt da ein, wo die drei jungen Wan⸗
derer nach Bickenbach an der Bergstraße gekommen sind, und hat folgenden Wortlaut:
„In Bickenbach einem freundlichen Dorf 3 Stunden von Darmstadt machten wir bey dem Inspektor Pistor einen Besuch, und nahmen ein Frühstück bey ihm ein. Ange⸗ nehme Rückerinnerungen der vor 7 Jahren in diesem Hause geno senen Freuden, dran⸗ gen in meine Seele, den Wünschen des In⸗ spektors und seiner guten Gattin, wenigstens über Mittag dazubleiben, mußten wir ent⸗ sagen, und eilten nun dem schönen Dorfe Zwingenberg hin, ½ Stunde weiter liegt Auerbach, woselbst der Großherzog des Som⸗ mers gewöhnlich residiert. Sein daselbst be⸗ findliches Schloß, ist nicht sehr groß, aber niedlich gebaut, und liegt sehr romantisch am Fuße des Melibocus in einem engen Thale. Neben dem Schloß ist eine Mineralquelle. Vor ihm erhebt sich eine Anhöhe, worauf man durch schlängelnde Wege oben zu einer Eremitage gelangt. Hier genießt man einen herrlichen, überraschenden Ausblick. Eine weite fruchtbare, mit Dörfern überfähte Ebene, begränzt zur Linken von der schönen Bergkette, in deren dunklen Grün seiner Buchen hin und wieder Ruinen von Schlössern, Ueberbleibsel der räuberischen Ritter der grauen Vorzeit, hervorblicken. Im Hintergrunde erblickt man den Rhein, welcher nicht wenig diese Naturschönheiten erhöhet. Nachdem wir einige Zeit unsere Augen an diesem herrlichen Anblick geweidet, verfolgten wir die schöne mit Nußbäumen gezierte Chaussee. In Bensheim einem schö⸗ nen Städtchen, fanden wir alles in voller Thätigkeit in der Weinlese. Fröhliche Winzer mit ihren schwerbeladenen Kobeln auf den Buckeln, wimmelten in den Straßen. Eine Menge Karren mit Trauben beladen kamen aus den Weinbergen an und eilten wieder zurück. Ein fröhlicher Gesang, hin und wieder mit Musik begleitet, ertönte aus den Schen⸗ len. Dies alles war ein neues Schauspiel für mich. Ungerne verließen wir dieses Städt⸗ chen, das ich unserem Butzbach ähnlich fand. Die Sonne schien sehr heiß, und langsam
schritten wir Heppenheim zu. Dank seh es
den singenden Winzerrinnen, die uns in Menge begegneten und unsern heftigen Durst
mit ihren köstlichen Trauben stillten. So
erreichten wir Heppenheim, ein ebenfalls niedliches Städtchen. Auch dieses war bald im Rücken, und das wegen der Güte seines Weins so geachtete Lautenbach(Laudenbach' lag vor uns. Das dasige Gewächs ist das vorzüglichste der Bergstraße. Auch zieht man hier viel Taback, und alle Häuser waren bis unter das Dach damit behangen. Ein gutes Bauers Mütterchen mußte hier unsern Durst mit einem Topf heißer Milch laben. Die Chaussee hatte sich nun ganz dem Gebürge genahet, das bis in die äußersten Spitzen mit Reben bepflanzt war, zwischen Weinbergen führte uns nun der Weg hin, und unsere Augen konnten nicht genug die schöne Natur,
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