Ausgabe 
8.8.1920
 
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gekommen. Mutter schien nicht sehr erbaut von meinem Erscheinen. Ich störte sie wohl bei ihren heimlichen Vorbereitungen zum Feste. Darum zog ich ab zur Großtante, die sich seit einigen Tagen nicht so ganz wohl fühlte. Sie hustete, und Mutter hatte erst heute früh gemeint:Tante Luise ist recht zusammen⸗ gegangen. Diese hatte ihren Sessel an den Kachelofen gerückt und saß mit einem großen Umschlagtuch und einer Decke über den Knien recht hinfällig zusammengekauert da. Ihr großer grauer Kater hatte es sich auf ihrem Schoß bequem gemacht und schnurrte behaglich. Sie freute sich sichtlich, als ich kam. Doch daß ich kein Licht machen wollte, schien ihr nicht recht zu passen.

Das Dämmerstündchen ist doch so schön. Tantchen, schmeichelte ich und setzte mich ans Fenster vor ihren Nähtisch, wo die letzten Tageslichter auf den daraufstehenden Gegen⸗ ständen tanzten. Mein Blick fiel auf die mir wohlbekannte Silhouette, die einen Stu⸗ denten mit blauer Mütze und blau⸗goldnem Band darstellte und von einem Vergißmein⸗ nichtkränzchen umrahmt war.

dem Kalmougra⸗Oel. Mit einem weiteren Präparat desselben, dem Ajuni, hat man im Aussätzigenasyl der Brüdergemeinde zu Jerusalem bereits im Jahre 1917 einen überraschenden Erfolg erzielt. Ein Kranker wurde dadurch geheilt und ist bis jetzt ba⸗ zillenfrei geblieben. Nachdem nunmehr wei⸗ tere Arzneimittel aus der Schweiz in Je⸗ rusalem eingetroffen sind, will man die Kur im großen Stile beginnen. Hoffentlich mit weiterem bleibenden Erfolg. *

Im November 1911 verspürten wir, wie in ganz Süddeutschland, so auch in Gießen einen nicht unbedeutenden Erdstoß. Der⸗ gleichen Erscheinungen sind hier schon früher beobachtet worden. Am 29. Juli 1846 abends gegen ½9 Uhr erfolgten kurz nach⸗ einander mehrere Erdstöße. Stühle wank⸗ ten, angelehnte Türen bewegten sich, auf⸗ gehängte Schellen ertönten, Wasser lief aus offenen Gefäßen über. Am deutlichsten emp⸗ fanden Personen, die gerade am Tische saßen und schrieben, diese Bewegungen im Erdinnern. In Klein⸗Linden und Leih⸗

Das Bild des Vetters Wilhelm blaßt immer mehr ab, bemerkte ich.

Laß nur, es schadet nichts, antwortete Tante,bald gebt ihr's mir mit ins Grab.

Erstaunt fuhr ich auf:Aber Tante, wer wird so reden, du lebst noch lange, sprich nicht vom Sterben. Wirst uns doch Weih⸗ nachten nicht verderben wollen! fuhr ich scherzend fort.

gestern flüchteten Leute auf das Feld, weil sie ein Krachen in den Wohnungen und Scheuern vernommen hatten.

Kirchliche Anzeigen. Sonntag, 8. August, 10. nach Trinitatis. Kollekte für die Innere Mission.

Wer weiß, es ist bald Zeit zum Gehen. Sie sind alle tot, die ich lieb hatte, die mit mir jung waren, nur mich allein hat der Tod vergessen. l

Aber, Großtante, warum bist du heute so traurig? Ist es dir nicht gut? Fühlst du dich schlecht? fragte ich besorgt.

Die Tante gefiel mir nicht. Sie machte eine ablehnende Handbewegung.In meinem Alter ist nicht ein Tag wie der andre.

Na also, sagte ich,morgen ist es wieder besser, und um sie abzulenken, fügte ich die Frage hinzu:Der Vetter Wilhelm ist wohl schon lange tot, nicht wahr?

Ich dachte, es würde eine kurze Antwort folgen; denn sie sprach nie von der Sil⸗ houette. Um so erfreuter war ich, als sie langsam sagte:Ja, der ist schon lange tot, den hab ich lieb gehabt, Kind.

(Schluß folgt.)

Uleine Mitteilungen.

Bis vor kurzem galt der Aussatz, von dessen Furchtbarkeit uns das Neue Testa⸗ ment so manches erschütternde Bild ent⸗ wirft, als unheilbar. Inzwischen ist, wie wir dem Juliheft desMissionsblattes der Brüdergemeinde entnehmen, ein Anfang gemacht worden, dem entsetzlichen Krank⸗ heitsgift die tödliche Wirkung zu nehmen, und zwar in Indien und Spanien mit

In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfir⸗ mierten aus der Markusgemeinde: Pfarrer Becker. Vorm. Uhr: Pfarrassistent Ramge. Donnerstag, 12. Aug, abends 8/ Uhr: Gemeindeversammlung für Män⸗ ner und Frauen der Markusgemeinde im Konfirmandensaal, Kirchstr. 9. Besprechung über das Abendmahl.

In der Johanneskirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Thristenlehre für die Neukonfir⸗ mierten aus der Johannesgemeinde: Pfarrer Ausfeld. Vorm. Uhr: Pfarrer Bech⸗ tolsheimer. Abends 8 Uhr: Bibelbe⸗ sprechung im Johannessaal: Pfr. Adolph.

*

Wartburg verein.

Sonntag den 8. August nachm. 2 Uhr: Waldwanderung, Abmarsch vom Heim. Führer: Georg Pfaff, W. Schön. Abends 8 Uhr im Heim Vortrag: Pfarrer Bech⸗ tolsheimer.

Evang. Arbeiterverein.

Sonntag den 15. August vorm. 8 Uhr Gottesdienst in der ehemaligen Kirche auf dem Schiffenberg. Predigt: Pfr. Becker. Mitwirkende: Bläserchor des Wartburgver⸗ eins, Gemischter Chor des Evang. Arbeiter⸗

vereins. Sonntag, 22. August, Garten⸗ fest. Sonntag den 29.(nicht 22.) Aug. Abfahrt zur Vogelsbergtour.

Verantwortlich: Pfarrer Bechtolsheimer. Druck und Verlag der Brühb'schen Universitäts⸗Buck⸗ und Steindruckerei N. Lange, Gießen.

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