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Märschen, den Unbilden der Witterung, von Hitze und Nässe, dem Entbehren dessen, was der Kulturmensch für unbedingt nötig hält, und schließlich von dem Ernst der Schlacht zu machen. Die Stimmung bei uns, Offi⸗ zieren wie Mannschaften, ist zwar bezüglich des Ausgangs des Krieges nach wie vor zu⸗ versichtlich, aber sie ist doch gegenüber der Zeit der anfänglichen Friedensmärsche sehr ernst geworden.
28. 8. 1914. Gestern abend nach 6 Uhr waren wir noch an derselben Stelle wie vorgestern in Stellung gegangen und hatten auf Schützengräben und den Wald jenseits der Maas geschossen. Wir gruben uns ein
und schliefen bei den Geschützen ohne Zelt
auf Stroh. Die Nacht war kalt und der Schlaf nur kurz. Nach 4 Stunden Ruhe wurde um 3 Uhr geweckt und um 4 Uhr abgerückt. Bei Dunkelheit ging es zunächst auf schlechten Wegen bis auf die Straße Carignan—Mouzon, an welcher Fackeln brannten. Kurz nach 5 Uhr überschritten
wir auf der von den Pionieren gebauten
Brücke die Maas und kamen nach Faubourg de Mouzon, wo unsere schwere Artillerie sehr gewirkt hatte. Wir marschieren hinter dem Res.⸗J.⸗R. 116 auf der Straße nach Beaumont vor. Rechts und links sind be⸗ waldete Anhöhen; das Tal wird immer schmäler. Oberleutnant von Holly aus Gie⸗
ßen, mit dem ich eine Zeitlang zusammen⸗
reite, findet die Lage recht unklar und
ungemütlich. 0 wi plötzlich im Walde links ein heftiges In⸗ fanteriefeuer; die Geschosse fliegen um uns
her. Wir sind die vorderste Batterie der
Abteilung und müssen halten, da die ganze Marschkolonne, in der sich die Gefechts⸗ bagage unmittelbar hinter den Bataillonen bzw. Batterien befindet, vor uns stockt. Nun setzt auch feindliches Artilleriefeuer ein, das zur Erhöhung der Verwirrung beiträgt. Man muß hierbei bedenken, daß den Trup⸗ pen damals die Gefechtserfahrung noch fehlte. Die hinter uns marschierende 4. Bat⸗ terie geht rechts der Straße in Stellung und feuert über uns hinweg, erhält aber bald selbst Artilleriefeuer. Auf die Mel⸗ dung, in dem hinter uns auf der Höhe liegenden Wald sei feindliche Infanterie ein⸗ gedrungen— bei deren Richtigkeit wir uns in einem sogen. Wurstkessel befunden hätten
wir mit dem Rücken nach dem eigentlichen Feind stehen, und ziehe die Protzen und
Staffel dicht an den Waldrand, wo auch
die Infanteriebagage nebst Feldküchen Schutz gesucht hat. Auf den angeblich vom Feind
besetzten Wald schoß ich mich nur ein und
wartete dann weiteren Befehl oder Mel⸗ dungen ab. Da wir bald auch(für uns von rückwärts) Artilleriefeuer erhalten, sind
Um 7 Uhr entwickelt sich
— lasse ich, da der Batterieführer weggeritten ist, in dem schmalen Tal die Batlerie nach rückwärts abprotzen, so daß
wir froh, als wir kurz nach ½ 10 Uhr aus dieser üblen Lage herauskommen, indem der Befehl kommt, oberhalb der 4. Batterie in einer Waldblöße aufzufahren. Wir konnten nur kurz auf feindliche Infanterie feuern, die bald in einer Bodensenkung verschwindet. Dann bietet sich uns kein Ziel mehr. Da⸗ gegen erhalten wir bald heftiges Artillerie⸗ feuer von der Flanke, in dem wir den ganzen Tag über lagen, ohne selbst noch einmal feuern zu können. Damals wurden von uns noch keine größeren Erdarbeiten zum Schutz gegen das feindliche Feuer aus⸗ geführt, was später, wie selbstverständlich, ohne besonderen Befehl in jeder Stellung durch die Geschützbedienung geschah. Die 4. Batterie ist schon früh aus dieser Stellung worden; auch von unserer Infanterie sehen und hören wir nichts. Bei dem Flankenfeuer bietet der neben jedem Geschütz aufgestellte Munitionshinterwagen wenig Schutz. Offizierstellvertreter Heil aus Wickstadt, ein uns allen sehr lieber Kame⸗ rad, der gleich mir sich als Zugführer bei einem Geschütz befindet, findet durch einen Volltreffer den Tod, wobei fast die ganze Bedienung außer Gefecht gesetzt wird. Auch bei den Protzen, die nach der Vorschrift sich einige hundert Meter hinter der Batterie befinden, gibt es ernste Verluste. Um 5 Uhr schweigt endlich das feindliche Feuer. Wir stehen einsam und verlassen in der Wald⸗ blöße. Die Batterie hatte von 8 Uhr an im Infanterie⸗, von ½9 Uhr an in, zeit⸗ weise sehr starkem, Artilleriefeuer gestanden. Da wir selbst, außer ganz zu Anfang, nicht schießen konnten, war das eine große An⸗ forderung an die Batterie, die sich aber im allgemeinen sehr gut hielt.
Um ½6 Uhr nachmittags wurde ich weg⸗ geschickt, um nach dem Abteilungskomman⸗ deur, mit dem wir keine Verbindung hatten (später wurde stets gleich telephonische Ver⸗ bindung hergestellt), zu suchen und Befehle für die Nacht zu holen. 1½ Stunden ritt ich umher, den Revolver schußbereit in der Hand, durch Wald und Feld, bergauf und ab. Ich fand nicht die Abteilung, wohl aber den Divisionsstab, bei dem ich für die Batterie Befehle erhielt. Als ich um 7 Uhr in unsere Stellung zurückkam, war die Bat⸗ terie fort, ich allein auf weiter Flur, der Wald auf der anderen Seite der Straße nach früherer Meldung der Infanterie wie⸗ der vom Feinde besetzt. Ich ritt auf der Straße zurück und fand endlich meine Bat⸗ terie südwestlich Faubourg de Mouzon, wo sie für die Nacht in Stellung gegangen war. Ich war völlig erschöpft, denn wir hatten den ganzen Tag nichts zu essen bekommen, auch morgens keinen Kaffee. Ich hatte nur von Zeit zu Zeit ein wenig Schokolade und Brot, das ich in der Tasche hatte, geknappert und aus der Feldflasche einen Schluck Wasser getrunken. Dabei die große Hitze, körper⸗
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