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lang schwer gelitten und meinen beiden doch vom Karl, daß er sich erkenntlich hat
Chinesenpuppen zugeworfen hatte. Ich mußte doch schließlich einmal aus dem ver⸗ fluchten Loch herauskommen, und trotzdem tat es mir in diesem Augenblick beinahe leid, es zu verlassen.“.
„Man führte mich jetzt vorsichtig einige Stufen nach oben, dann wieder herunter und schließlich eine ganze Weile kreuz und quer, so daß ich wirklich unmöglich hätte zurück⸗ finden können. Dann nahm mir eine Hand. die Binde von den Augen. Ich stand einen Augenblick verwirrt, da drückte mir ein Mensch ein großes Paket in die Arme, ich hörte den Namen Getta und stand allein im Dunkel der Nacht auf der Straße. Das schwere Etwas, das man mir in die Hand gelegt hatte, ließ mich zu mir kommen. Ich riß die Umhüllung ab und fand die beiden Chinesinnen. Getta, die meine Vorliebe für die Puppen kannte, hatte sie mir zum An⸗ denken an meine Haft mitgegeben. Da stand ich nun ohne Geld, wildfremd in
der Stadt, von der ich wirklich keinen guten
Eindruck bekommen hatte, mit zwei chine⸗ sischen Porzellanpuppen im Arm.“
„Was tun?— Ich überlegte nicht lange Ich tastete mich, dem Lichterschein folgend zum Hafen hinunter in der stillen Hoff⸗ nung, daß ich dort von fremden Schiffen irgendeinen Kameraden finden würde, der mir weiter helfen könnte. Diese Hoffnung trog nicht. Ich traf einen Landsmann an, der im Begriff war, auf sein Schiff zurück⸗ zukehren, das früh am Tag wieder in See stechen wollte. Er nahm mich samt meinen Chinesinnen mit an Bord. Nachdem der Kapitän meine Geschichte vernommen hatte,
nahm er mich mit in See, und nach monate⸗
langer Hin⸗ und Herfahrt gelang es mir, mein altes Schiff wieder zu erreichen. Die Kameraden hatten mich längst tot und ver⸗ schollen geglaubt. Für mich hieß es, von vorn anfangen; denn die Chinesinnen hatte
ich mit meinen ganzen Ersparnissen bezahlt.
Selbst für Götzenbilder war das teuer.“
Damit endete der Vielgereiste seine Er⸗
zählung.
Die Götzenbilder wurden dankend ange⸗
nommen, mit scheuer Ehrfurcht, obgleich sie zwei Scheusäler waren, schön befunden und in die gute Stube auf den Glasschrank gestellt.
Jedenfalls hatte der Karl recht, daß es harmlose Götzen waren; denn sie haben nie wversucht, vom Schrank herunterzusteigen. Sie standen unbeweglich jahraus jahrein und sahen impertinent aus mit ihren Schlitz⸗ augen, so lange ich es mir denken kann. Aber manchmal verdrehen sie die Augen, und daran merkt man, was man vor sich hat. Ganz geheuer ists nicht mit ihnen, es sind halt Götzenbilder, und dazu ge⸗ stohlene. Mein Vater selig hätte sie viel⸗ leicht doch nicht nehmen sollen, aber sie haben keinem was getan, und schön wars
zeigen wollen.—
„Und was ist denn aus dem Karl nach⸗ her geworden?“ fragte ich dazwischen. „Ja, der ist wieder hinausgegangen und ist was ganz Hohes geworden. Ich glaube, Kapitän haben sie ihn genannt. Er hat ein ganzes Schiff unter sich gehabt, und seiner alten Mutter hat er öfters Geld geschickt. Sie hat aber bis zuletzt bei uns gewaschen, obgleich sie's nicht mehr nötig hatte, aber sie meinte, der Frau Försterin ihre Wäsch, die sollt' nicht von einer andern verdorben werden. Und als die Ursel ge⸗ storben war, da ist der Herr Kapitän mit zur Leich gegangen in Uniform, ganz golden. Das war eine feine Leich. Rührung laut geweint, als er einen Kranz, so groß wie ein Wagenrad, aufs Grab gelegt hat. Nur schad', daß es die Ursel nicht mehr sehen konnt“, die Ehr hätt ihr gut getan. Auch die Götzenbilder haben mitgeweint sel⸗ bigesmal, ich hab's ganz deutlich gesehen. Als das Totenglöckchen angefangen hat zu läuten, sind die Schlitzaugen immer kleiner geworden, und als ich vom Kirchhof heim⸗ gekommen war, da waren sie wieder größer. Ja, weißt du, es ist nicht so ganz richtig mit den Chinesinnen, ich hab's euch ja schon immer gesagt!“
4. Bastian Meyer aus Kinzig.
„Ach, Tante, das entzückende Nähkäst⸗ chen, das könntest du mir schenken,“ so bettelte ich, und Tante Luise sagte:„Ja, 10 vermache ich dir einmal, wenn ich terbe.“
„Aber du hast es doch erst vorgestern der Elsa vermacht“, schmollte ich.
„Wann stirbst du denn, Tante?“ fragte Karlchen harmlos.„Stirbst du bald?“
Tante Luise lacht.
„Ja, das könnte euch passen! Nein.
vorläufig lebe ich noch, aber das Näh⸗ kästchen bekommst du, und damit basta.“
„Ach, Tante, es geht doch nicht wie mit dem Kanarienvogel? Den hast du mir auch vermacht, und jetzt ist er vor dir gestorben.“ i
Es war eine Eigentümlichkeit der Tante Luise, ihre Sachen zu vermachen, einmal, zweimal, zehnmal, jedesmal jemand anderm.
Das bewußte Nähkästchen war aus Elfen⸗ bein, mit Gold eingelegt und mit Email⸗ farben bemalt. Im Innern rot ausgepol⸗ stert, barg es in dem denkbar kleinsten Raum die unglaublichsten Dinge: Spiegelchen, Riechfläschchen, ein goldnes Fingerhütchen, Nadeln in allen Größen, ein zierliches Scherchen mit Alabastergriffen, Wachsstöck⸗ chen und Garnwickel, Nagelpolierer und Ohrlöffelchen, kurz alles, was eine Dame der damaligen Zeit auf Reisen in der Post⸗ kutsche brauchen konnte. Es war ein über⸗ aus geschmackvolles Stück, und der, der es geschenkt, mußte ein Mann von auserlese⸗ nem Geschmack gewesen sein.
Alles hat vor


