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Sonntags gruß
emeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen
Nr. 44 Gießen, 23. Sonnt. n. Trinitatis, den 7. Novbr. 1920 9. Jahrg.
Hoffnung.
Röm. 5, 5. Hoffnung läßt nicht zuschanden
werden.
Ein altes lateinisches Sprichwort lautet: „Solange ich atme, hoffe ich.“ Und der Apostel Paulus sagt im Römerbrief:„Hoff⸗ nung aber läßt nicht zuschanden werden.“ Was wäre der Mensch ohne Hoffnung?! Wie vor allem könnten wir über die traurige Gegenwart, die uns nach dem Zusammen⸗ bruch unseres noch vor kurzem herrlichen und mächtigen Vaterlandes beschieden ist, nach dem Schwinden aller Zuversicht und Hoffnung auf einen glücklichen Ausgang des furchtbaren Völkerringens, hinweg⸗ kommen, wenn wir nicht immer wieder aufs neue die Hoffnung aufrichteten?! Es ist richtig, was Schiller vom Menschen singt: „ F besch ießt er im Grabe den müden Lauf, Noch am Grabe pflanzt er die Hoffnung auf.“
Die Hoffnung ist unsere Trösterin und Lebensspenderin auch in Zeiten tiefster Todes⸗ betrübnis. Nur darf sie nicht unbegründet und eisel sein, sonst enttäuscht sie und ver⸗ bi tert schließlich denjenigen, der immer wieder umsonst sich auf sie zu stützen ver⸗
sucht hat. Das muß zu schlimmen Folgen führen: wer hoffnungslos dem Leben gegen⸗ übersteht, fällt der Verzweiflung anheim. — Darum sehe jeder zu, auf welchen Grund er seine Hoffnung baue. Wer an einen lebendigen Gott glaubt, kann niemals, auch in der größten Not nicht, ohne Hoffnung sein. Ja, in solchen Zeiten der schweren Heimsuchungen, wie wir sie jetzt erleben, wie sie gar manchem völlig hoffnungslos erscheinen, gibt es überhaupt keine andere festgegründete Hoffnung als die auf den ewigen Welten lenker, nachdem Menschenwitz und Menschenkunst gänzlich versagt haben und wir alle am Ende unserer eigenen Weis⸗ heit angelangt sind. Mehr wie je müs en wir bekennen: wir stehen allein in Gottes Hand.
Ein furchtbares Gericht hat der Allmäch⸗ tige an den Völkern der Erde vollzogen und ganz besonders streng schwingt er die Zucht⸗ rute über unserm deutschen Volk. Wen Gott lieb hat, den züchtigt er. Sollten wir auf der Wahrheit dieses Wortes allein nicht schon unsere Hoffnung aufbauen?! Und wenn wir zittern vor dem gestrengen Richter, wollen wir nicht in der Umkehr und Einkehr bei uns selbst uns trösten mit der Hoffnung,
daß uns derselbe Gott, der uns ins dunkle Tal des Leidens geführt hat, auch die Kraft verleihen wird, diese Zeit zu überwinden,
daß er uns und unser Volk dermaleinst wieder empor zum Licht geleiten wird?
Mit dem Glauben an den Gott unserer Väter, den wir uns von keiner Macht rauben lassen wollen, verbindet sich für uns un⸗ löslich die Hoffnung auf einen Wiederauf⸗ stieg unseres Vaterlandes aus den Niede⸗ rungen, in die uns vor allem andern die wachsende Gottentfremdung hinabgestoßen hat— eine Hoffnung freilich, die uns nicht durch ein Scheinchristentum, durch frommen Augenaufschlag zu dem ersehnten Ziele führen wird. Nur ein gründliches und aufrichtiges Gottsuchen wird unser Hoffen nicht zuschanden werden lassen. Im gött⸗ lichen Ratschluß steht es unabänderlich fest: Allein im Bunde mit dem Weltenlenker kann Deutschland wieder emporkommen. Und keinem andern gehört die deutsche Zukunft, als denen, die sich im innersten Herzen zu ihm bekennen.
Geschichten und Bilder aus Alt⸗Gießen. (Fortsetzung.)
26. Aus alten Anzeigeblättern.
Von Heinrich Hochstätter sen.
Der Opticus A. Waldstein aus Dörzbach in Württemberg empfiehlt sich bei seiner Durchreise mit einem wohlas ortielten Lager optischer Fabrikate nebst vielen in dieses Fach einschlagenden Gegenständen als achromatischen Teleskopen mit und ohne Stativ, astronomischen und terrestrischen Fernröhren, einfachen und zusammengesetz⸗ ten Mikroskopen mit den bequemsten Vor⸗ richtungen und vorzüglichsten Lin en, selbst Diamantlinsen. Sonnenmikrof open. Lupen, Theaterpersp ktiven, Conis und Prismaten, Camera obscura und lueida(mit denen man Landschasten aufnehmen kann), Bri.len und Lorgnettengläser, die er vermöge der dazu verwendeten reinen Masse vereinigt mit den mühevollen Schleifarten des englischen Ocu⸗ listen Wollaston, nach genauer Prüfung des Sehorgans, für das Auge bestimmte Brille, Conservationsbril e nennen zu dür en glaubt,
und schon durch gemachte Proben, dieselben
die Augen zu erhalten empfehlen kann. In dieser Schreibweise und in langen Ti⸗ raden geht die Empfehlung weiter, in denen dargetan wird, daß nach den Regeln der Okulistik nur in der Anwendung ganz passender Gläser man seine Seheraft erhalten kann. Er beruft sich auf die Atkeste vieler berühmter Doktoren, Augenärzte und Pro⸗ fessoren, von hier auf die Geheimräte Dr.
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