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bereitungen in tatkräftigster Weise in An⸗ griff genommen werden. Auf dem oberen Brand(jetzt Landgraf⸗Philipps⸗Platz; wurde
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bemerkbar, das vorzugsweise am sichtlichen Erstarken der Vereine und am Wiederauf⸗ leben der Teilnahme am öffentlichen Leben Ausdruck fand. In unserer Stadt hatte hauptsächlich der Turnverein, der einige Jahre verboten war, unter der Leitung hervorragend tüchtiger Männer wieder einen meuen, aber um so nachhaltigeren Aufschwung genommen. Nicht allein junge Bürger und Arbeiter, auch Angestellte, Advokaten, Aerzte und Professoren, sowie viele Studenten waren beigetreten. Unter den letzteren die Bur⸗ schenschaft„Germania“ in ihrer gesamten Stärke, schon damals eine stattliche Verbin⸗ dung, deren Mitglieder zum Teil später zu hohen Aemtern und Würden gelangten Diese alle nahmen nicht nur Teil an den Leibes⸗ übungen, die von dem trefflichen und von seinen Schülern sehr verehrten Turnlehrer Christoph Rübsamen mit großem Verständ⸗ nis und mit Sachkenntnis geleitet wurden, sie beteiligten sich auch an allen Versamm⸗ lungen und geselligen Zusammenkünften, in welchen die Liebe zum Vaterland geweckt und gepflegt wurde, so daß der Verkehr in diesem Verein nicht nur eine Kräftigung des Kör⸗ pers bewirkte, sondern auch auf die Bildung des Geistes durch anregende und genuß⸗ reiche Stunden einen wohltätigen Einfluß ausübte.
Auf dem ersten Turnfest des Mittelrhein⸗ kreises, der von Koblenz bis über die Pfalz hinaus sich erstreckte und von Lothringen bis nach Koburg reichte, hatten 1860 in Offenbach Georg Lotz und 1861 in Oberstein Wilhelm Nehmeyer, beide von hier, beim Wetturnen die ersten Preise davongetragen. Der Gießener Turnverein gelangte dadurch zu Ansehen und Ruf, daher beschloß der Turntag, für das nächstfolgende Jahr Gießen zum Vorort zu ernennen und ihm die Ab⸗ haltung des dritten Bundesfestes aufzu⸗ erlegen.
Wie aber im Leben neben Licht sich auch Schatten zeigen, so hatte im Volk ein großes Verlangen nach der langentbehrten Freuden und nach Lustbarkeit Platz gegriffen, und bei den Vereinen hatte sich bereits ein Drang, möglichst viel Feste zu feiern, fühlbar ge⸗ macht, der sich später noch bis zum Uebermaß steigerte. Daher geschah es, daß den hiesigen Sängern fast zu gleicher Zeit die Abhaltung eines größeren Bundesfestes angeboten und von diesen auch angenommen wurde. Aller⸗ dings war dieses für ein Jahr etwas zu viel für unsere Stadt, aber kein Teil wollte wieder zurücktreten. Die Schwierigkeiten, die sich hieraus ergaben, waren unverkennbar, und nur dem guten Willen und der Einsicht der beiden Festausschüsse war es zu danken, daß schließlich eine Lösung gefunden und eine Einigung erzielt wurde. Das große Unter⸗ nehmen sollte im Hinblick auf die opferwillige Bereitschaft aller Einwohner als ein gemein⸗ schaftliches Fest angesehen und gemeinsam durchgeführt werden. Nun konnten alle Vor⸗
eine großartige Festhalle erbaut, die den größten Teil des Platzes einnahm und viele kausend Menschen faßte. Oswaldsgarten
wurde zum Festplatz hergerichtet, die er⸗
forderlichen Turngeräte wurden dort auf⸗
gestellt und Tribünen für die Sänger und die zuschauenden Gäste errichtet. Ein jeder half, wo er nur helfen konnte, soweit es seine
Zeit und seine Kräfte erlaubten, um dem
bevorstehenden Feste einen schönen und wür⸗ ö
digen Abschluß zu sichern. Ueber den glänzenden Verlauf des Festes
brachte der„Wetterauer Bote“ einen aus⸗
führlichen Bericht, aus dem das Geeignete
entnommen und mit den eigenen Erinne⸗ rungen verknüpft, benutzt ist.
Die Verbindung zweier Feste von wesent⸗
lich verschiedenem Charakter in einer ver⸗ hältnismäßig kleinen Stadt mußte so un⸗
verkennbare Bedenken bieten, daß nur das
lebhafteste Interesse, die opferwilligste Be⸗
teiligung aller Einwohner der Stadt, sie zu lesiegen imstande sein konnte. Die allseitigs
Teilnahme für das Fest ist aber hier in einer Weise eingetreten, die alle
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der Stadt, die uneigennützige Mitwirkung
bei den Festveranstaltungen und durch die herzliche Aufnahme der Gäste haben sich
die Bewohner selbst geehrt. 5
Die Bahnzüge brachten schon am Samstag zahlreiche Turner, und es bewegte sich ein ansehnlicher Zug mit Fahnen und Musik
durch die Stadt in das Leibsche Lokal, wo die Austeilung der Festkarten und Quartier⸗
billetts stattfand. In der prachtvollen, glän⸗ zend erleuchteten Festhalle, in welcher die Wappen sämtlicher Städte des Bezirksver⸗ bandes angebracht waren, wurden die Ver⸗
einsfahnen aufgepflanzt. Die Turner, die
sich inzwischen in großer Anzahl versammelt
hatten, wurden dort vom ersten Sprecher Herrn Hof⸗
des Gießener Turnvereins,
gerichtsadvokaten Weber, und namens der
Stadt von Herrn Beigeordneten Ferber be⸗
grüßt, und es zeigte sich schon an den dicht
besetzten Tischen die freudigste Stimmung und lebhafteste Unterhaltung, die bis über
Mitternacht währte.
Am Sonntag früh kamen zu Fuß und zu 3
Wagen, zumeist aber mit der Bahn
die
übrigen Sänger⸗ und Turnvereine mit ihren
Trommlern und Musikchören in die Stadt und zogen nach Empfangnahme ihrer Karten nach dem Brand in die Festhalle, um auch ihre Fahnen dort aufzustellen. Mit dem
ersten Nachmittagszug kam Prinz Ludwig Gemahlin, Prinzessin
mit seiner jungen 17 94 Alice, sowie Prinz Alexander mit Gemahlin und nahmen im Einhorn Absteigequartier.
Die Herrschaften wohnten alsdann dem um 2 Uhr in der Festhalle beginnenden Konzert
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