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als eine wohlgelungene anzusehen war.

Der große Festzug bewegte sich nach dem Konzert um 4 Uhr unter dem Vortritt von Ehrenreitern mit dem Banner der Stadt durch die Hauptstraßen nach dem Festplatz, der mit den Standarten der Länder des Verbandes geschmückt war, über allen wehte das deutsche Banner. Der Zug gewährte einen imposanten Anblick, die vielen Turn⸗ vereine, größtenteils mit Trommlern und Pfeifern, die Sänger, welche im Sonntags⸗ staat und in gravitätischer Haltung eigen⸗

tümlich gegen die beweglichen Turner im

leinenen Gewand abstachen, die zahllosen Fahnen, Standarten und Abzeichen, die stattlichen Züge der Studenten, die in Koller und Kanonen und mit Schlägern daher⸗ schritten, die brausenden Musikchöre, die zahl⸗ losen schwarzrotgoldenen und rotweißen Fahnen, welche von den mit Girlanden, Laubwerk, Bäumen und Transparenten ge⸗ schmückten Häusern herabwallten, die bis in die Dachluken hinauf besetzten Fenster, aus denen es von schöner Hand Blumen herabregnete, das fortwährend donnernde „Gut Heil“— das alles zusammen gab ein wahrhaft großartiges und reizendes Bild. Es hatte sich eine ganz fabelhafte Menschen⸗ menge aus weiter und naher Umgebung eingefunden. Den Fremden fielen nament⸗ lich die vielen blauen Kittel der Bauers⸗

leute und die Stumpröcke der Weiber und Mädchen auf, die in langen Reihen standen

oder auf Mauern nebeneinander Platz ge⸗

nommen hatten. Trotz der ungeheuren Men⸗

schenmenge ging der Zug ohne jede Hinde⸗ rung vonstatten, und man konnte dank der guten Haltung des Publikums nirgends eine Unordnung oder Störung bemerken.

(Schluß folgt.)

Urgroßtantens Raritätenschrank. Von Helma Esselborn.

(Fortsetzung.)

Eines Abends, da ging ein lachend Kind vorbei, das blieb erstaunt stehen.„Sind das nicht Bachsche Fugen?“ Es reckte sich auf die Fußspitzen und lugte in das kleine Gärtchen, woher die wohlbekannten Klänge kamen. „Das ist ja himmlisch, Fräulein, der neue Lehrer spielt Bach, das muß ich näher hören.“ Und ehe sich's die ältere Beglei⸗ terin versah, flog der muntere Schmetter⸗ ling hinein in das bunte Blütenmeer und stand vor der kleinen Geisblattlaube lau⸗ schend still. Als der Geiger endlich aufsah, da blickte er in zwei strahlend blaue Augen, die teils neugierig forschend, teils andächtig lauschend ihn ansahen. Noch ganz im Banne seiner Musik, glaubte er, eine Sylphen⸗ gestalt sei niedergestiegen und hilflos blickten die von der Brille bedeckten weltfernen Au⸗ gen des Fridolin auf die zierliche Gestalt,

die im geblümten Sommerkleidchen den gro⸗ ßen Hut, mit Wiesenblumen gefüllt, am Arm, anmutig an der Laube lehnte.

Seine Hilflosigkeit machte, daß sich in ihr die Dame regte, und mit leichtgekräuselter Oberlippe bat sie korrekt um Verzeihung der Störung und erklärte ihm, der immer noch keine Worte fand, daß sie, als sie Bach erkannt habe, nicht hätte widerstehen kön⸗ nen, einzutreten. Gleichzeitig gab sie sich als die Tochter des Grafen, der in der Nähe ein Waldschlößchen besaß und der Patron des Dörfchens war, zu erkennen.

„Mein guter Geist, Fräulein Schmidt,“ damit stellte sie ihre Begleiterin vor, die mit vorwurfsvoller Miene der ganzen Sache zugeschaut hatte.

„Komtesse, wir müssen gehen!“ Diese leise bestimmte Mahnung brachte die peinliche einseitige Unterhaltung zu Ende.

„Ja, ja, Schmidtin, ich weiß schon, wenn's schön wird, muß ich immer gehen. Aber ich komme wieder!“ Damit warf das über⸗ mütige Ding dem jungen Lehrer lachend eine Kußhand zu und schnell, wie sie her⸗ eingeflattert war, war sie auch wieder ver⸗ schwunden.

Tage vergingen.„Ich komme wieder!“ hatte sie versprochen. Sinnend sah Fridolin auf seine Geige, und unbewußt zogen Abend für Abend die Bachschen Fugen durch sein Gärtlein. Aber die holde Besucherin blieb fern. Forschend sah das Muttel den großen Buben an.„Was hatte er nur? War's Aerger in der Schule? Ach nein, die Kinder hingen an dem neuen Lehrer wie die Kletten und lernten fleißig wie nie zuvor, schon um ihm Freude zu machen. War's das alte Leiden?“ Fridolin hatte schon als Kind leicht mit der Lunge zu tun gehabt, und seine Mutter war deshalb gar ängstlich mit dem Sohn, der ihr als einziges von meh⸗ reren Kindern geblieben und, seit der Vater tot, ihr ein und alles war.

Da kam eines Tages ein feiner Brief ins Haus. Muttel hatte noch niemals so schönes Papier gesehen, das so fein roch. Daß es so etwas gab, das hatte sie nur mal in Büchern gelesen, in den wenigen, die sie heimlich durchgeschmökt hatte, als sie noch jung war; und das war immer nie so was Rechtes ge⸗ wesen, was solche Briefchen schrieb. Miß⸗ trauisch betrachtete sie den Umschlag. Eine Krone war darauf, und die Aufschrift lau⸗ tete an ihren Sohn. Das war nicht ganz geheuer. Schließlich ließ sie den Brief in ihrer großen Schürzentasche verschwinden.

Als der Fridolin heimkam, da stellte sich das Muttel in Positur. Mit energischem Ruck setzte sie die immer schief sitzende Haube gerade und stemmte beide Arme in die Seiten.„Sag mal, mein Junge, wer schreibt dir Briefe, die riechen wie Rosen und Veil⸗ chen?“ Verständnislos blickt sie ihr Fridolin an, und als seine Mutter diesen Blick sah, da wurde die Stimmung ungleich sanfter.