Ausgabe 
1.2.1920
 
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versetzt, welches Veranlassung zu einer all⸗ gemeinen Illumination hiesiger Stadt auf den 3. Christfeiertag gab, welche durch den Vorstand der Bürgerschaft veranstaltet wurde, es wurden außerdem im Gasthaus zum Löwen viele Arme an einer öffentlichen Tafel durch freywillig gesammelte Beyträge gespeist, und von diesen Beyträgen blieb noch so viel Ueberschuß, daß auch noch eine große Anzahl gekleidet werden konnte, außerdem war noch Abends im Einhorn ein großes patriotisches Essen, woran Leute aus allen Ständen theilnahmen und waren an Zahl 91 Persohnen, während dem Essen wurden viele auf die Veranlassung der Feyer sich beziehende Toaste ausgebracht. Möchte die Hoffnung, die jeder jetzt lebende gute Bürger in seinem Herzen hegt, in Erfüllung gehen, daß unsere Nachkommen bey den vielen Jubiläums, die die gegebene Landes⸗ verfassung zu begrüßen haben möchte, immer Ursache hätten, sich ihrer zu freuen und durch sie so glücklich werden als wir es Ihnen wünschen.

Im Jahre 1821 schreibt Gail:Als Merkwürdigkeit in diesem Jahr verdient folgendes bemerkt zu werden: 1. Einwei⸗ hung der neuen Stadtkirche ant 29. July. Die heiligen Gefäße wurden durch weiß gekleidete Mädchen von der alten Burg⸗ kirche, wo bisher nur allein Gottesdienst gehalten worden war, nach der neuen Stadt⸗ kirche getragen, nach diesen folgte ein Zug der Bürgerschaft unter Voraustritt sämt⸗ licher Geistlichkleit und Stadtobrigkeit. 2. Ab⸗ zug der Garnison nach Worms wegen einer Schlägerei mit den Studenten d. 14. May. 3. Zum erstenmahl Bürgermeisterwahl durch Stimmenmehrheit der Bürgerschaft der neuen in diesem Jahr erschienenen Gemeindeord⸗ nung zufolge. Es spricht für Gails Be⸗ scheidenheit, daß er nicht erwähnt, daß er selbst bei dieser Wahl zum Bürgermeister

entschlossen dem

der Stadt Gießen erwählt wurde. Wenn es

hieran nicht Schuld tragen, sie wurden früher einfach nicht in die Zünfte aufge⸗ nommen. Die neue Zeit, die nach den Befreiungskriegen angefangen hat, brachte auch hier eine Aenderung. Im Jahre 1815 wurde der erste Jude er hieß Jonas Seligmann Meyer in die Kramerzunft aufgenommen. Ihm folgte in der Zunft als der zweite Glaubensgenosse ein Jahr später Aaron Ziegelstein nach. Auch dieser war wie seine Inserate imWochenblätt⸗ chen beweisen, ein rühriger Geschäftsmann.

Einige Einträge über Lehrlinge, die die Zunftgenossen angenommen haben, seien hier noch wiedergegeben. So lesen wir: Anno 1796 sind folgende Lehrjungen auf⸗ gedingt worden: Carl Conrad Schepper, Sohn des sel. H. Christian Schepper, ge⸗

heute bemängelt wird, daß man verhältnismäßig sehr wenige Hand⸗ werker unter den Juden findet, so muß man in das Auge fassen, daß die Juden

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wesenen Pfarrers in Rettert, als Lehrjung bei H. Conr. Balthasar Busch. Dieser Lehr⸗ jung ist nur eine kurze Zeit geblieben, nach derselben aber wieder weggegangen, also hat derselbe seine Lehrjahre nicht ausge⸗ halten. Johann Friedrich Christian Heusser, Sohn des H. Schulmeister in Nochern, als Lehrjunge bey Rathschöpf Hast. Dieser ist ohngefähr 2 Jahre drauf von seinem H. Prinipal echappirt. Im Jahre 1813 lesen wir:In diesem Jahr sindt aufgedüngt worden Heinrich Beisenherz, dessen Herr Vatter Pfarrer in Fronhausen Amt Bat⸗ tenberg als Lehrling auf Jahr bey Herrn Martin Bücking den 17. Merz 1814 ist aus der Lehr entwichen. Carl Ludwig Jacob von Otterberg dessen Herr Vatter ist Koch bey dem Graf von Stollberg hat sich in die Lehre begeben auf 4 Jahre bey Herrn Balthasar Noll den 19. Merz 1814. Eine später hinzugefügte Bemerkung meldet: ist aber aus der Lehre nach Verlauf ger Jahre entwichen. Daß Lehrjungen kurz Meisterechappieren, soll auch heute noch zuweilen vorkommen. In der alten Zeit scheint es gerade den Pfarrerssöhnen an der rechten Beharrlich⸗ keit gefehlt zu haben. Vermutlich haben die Echappierten es im Studium nicht weiter gebracht als im Kaufmannsstande.

Mit dem Jahre 1826 brechen die Ein⸗ träge in diesem Zunftbuche ab. Da sich in dem Buche noch einige leere Seiten finden, so scheint es, als ob man ein Zunft⸗ buch überhaupt nicht mehr geführt habe. Offiziell hat die Zunftordnung in Hessen im Jahre 1867 ihr Ende erreicht, in Wahr⸗

heit führten die Zünfte schon von ungefähr

1815 an ein Scheindasein; denn die neue Zeit war einer Einengung des Handwerkes und Gewerbes in eine so fest geschlossene und schwer bewegliche Ordnung nicht mehr günstig. H. B.

Urgroßtantens Raritätenschrank. Von Helma Esselborn. (Fortsetzung.)

Ich ging gedankenlos drauf zu und be⸗ dachte im ersten Augenblick nicht, daß ich in einer völlig fremden Stadt war, deren Hafenviertel mit Recht so verrufen war. Blindlings tappte ich darauf los, nur von dem Gedanlen beseelt, du bist mal wieder an Land und frei bis morgen abend. Da ich Durst verspürte, sah ich mich endlich nach einer passenden Gelegenheit um, ihn zu stillen. Ein rotes Licht schien mir den Weg zu weisen. Ich folgte seinem Schein und trat in eine niedrige Tür, nicht ahnend, daß ich in eine der gefährlichsten Chinesen⸗ spelunken geraten war. Die feindseligen Blicke und Gesten der wenigen anwesenden langzöpfigen Eingeborenen ließen mich zwar gleich nichts Gutes ahnen, und ich über⸗

legte, ob ich umkehren sollte. Doch trotzig

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