dachte ich:„jetzt grade nicht!“ und setzte derzukehren. Wie lange das so währte mich an eines der zierlichen Bambustisch⸗ weiß ich nicht. Eines Tages wachte ich auf, chen und verlangte laut ein Glas Whisky. fühlte mich seltsam wohl und munter und Der Wirt, der Typus eines verschlagenen verspürte so etwas wie Hunger. Als die Gelben, sah mich mit den Schlitzaugen von kleine Getta, so rief sie ihr Vater, mir der Seite an, spie vor mir aus und ver⸗ später eine Art Reissuppe brachte, da weigerte mit kurzer verächtlicher Handbe⸗ schlürfte ich sie mit Behagen hinunter, und
wegung das Gewünschte. Zornig sprang ich auf, schlug mit der Faust auf den Tisch, daß er hoch sprang und wollte mir Genug⸗ tuung verschaffen, als ich mich auch schon von hinten von vier bis sechs Chinesen⸗ fäusten gepackt fühlte und trotz wütender Die Zeit der Schmach verbietet frohe Feste, Gegenwehr zu Boden geworfen wurde. Ich Nicht jauchzend mehr erklingtder Glocken Ton. verspürte gleichzeitig einen entsetzlichen Vom Westen gellt siegreicher Feinde Hohn, Schmerz im Rücken, dann schwanden mir Der Henker in der Weltbeglücker Geste. die e„„ 5 In Trümmer liegt des Reiches stolze Feste, „Als ich wieder erwachte, befand ich Errichtet von Germanias größtem Sohn, mich im Halbdunkel, so daß ich erst meine Geschleift von Toren, die auf Feindes Lohn Augen langsam daran gewöhnen mußte, die Vertrauend, opferten dahin das Beste: Dinge, die mich umgaben, zu unterscheiden. N e dicken Matte auf. Der deutschen Stärke strahlende Symbole: B, jede Bewegung verursachte mir Das Volksheer und die deutsche Kaiserkrone die gräßlichsten Schmerzen. Stöhnend fiel ee 1 8 1. 5 ich wieder zurück, als ich versucht hatte, Der Weltverbrüderung errichten sie Altäre, mich aufzurichten. Wie lange ich so schon 5 7 5 falschen Priestern tanzend um Idole, lag, dazu fehlte mir jede Berechnung. Mich Als ob auf Erden ewiger Friede wohne!
ihre befriedigte Gebärde sagte mir, daß ich wohl zum erstenmal ihr diese Freude ge⸗ macht hatte.“(Fortsetzung folgt.
Nach dem Friedensschluß.
peinigte zuerst der Gedanke an unser Schiff Darmstadt, 18. Januar 1920
Mein Urlaub war sicher längst vorbei. Ich Karl Esselbor! . l N 90 elborn.
mußte fort. Nochmals versuchte ich hoch 15
zu k vergebens je Anstren⸗ 1 24452
zu kommen, aber vergebens. Die Anstren⸗ Kleine Mitteilungen.
gung ließ mich abermals das Bewußtsein verlieren; denn als ich wieder erwachte, war ich nicht mehr allein in dem Raum. Kleine weiche Händchen legten mir etwas Kühles auf die Stirne, und ich erkannte g. 9. . N kehrender Kriegsgefangener geschie
ein Kind von etwa zehn bis zwölf Jahren, ende Kriegsgefangener geschieht.
das neben mir am Boden kniete. Ein Mirchli 5
leiser Ausruf, den es ausstieß, als ich die Kirchliche Anzeigen.
Augen aufschlug, lockte eine zweite Gestalt Sonntag den 1. Februar. Septuagesimä.
Wir machen darauf aufmerksam, daß, wenn in den nächsten Wochen die Glocken der Johanneskirche zu ungewöhnlichen unden läuten, dies zur Begrüßung heim⸗
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herbei, die ich im Dämmerlicht nur schwach Kollekte für das Hessische Krüppelheim. unterscheiden konnte und erst später als den Gottesdienst. Wirt der Kneipe erkannte. Wie ich eigent⸗ adtkirche. Vormittags 9½ Uhr:
lich hierher gekommen, habe ich nie erfahren. Pfarrer 2 Vormittags 11 Uhr: Er verstand nur wenig englisch, und die Kinderkirche für die Matthäusgemeinde:
Kleine konnte sich mit mir überhaupt nur Pfarrer Mahr. Abends 6 Uhr: Pfarrer durch Zeichen verständigen. Genug, sie Becker. Montag den 2. Februar, abends
hatten mich, als ich von Messerstichen durch⸗ ½8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten bohrt, für tot liegen blieb, hierher gebracht.“ männlichen Jugend der Matthäusgemeinde. „Anfangs nahm ich alles stumpfsinnig— Donnerstag den 5. Februar, abends! 8 hin, wie es war; denn das Fieber nahm Uhr: Vereinigung der konfirmierten weib⸗ namentlich abends meine Sinne gefangen. lichen Jugend der Matthäusgemeinde. Ich sah dann Gestalten mannigfacher Art, In der Johanneskirche. Vorm. 9/ Uhr: doch immer wieder erschienen mir zwei chine⸗ Pfarrer Bechtolsheimer. Vormittags 11 sische Figuren, die mich ansahen, bald ernst, Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde: bald heiter, bald drohend, bald lächelnd. Pfarrer Bechtolsheimer.— Abends 6 Uhr: Sie schienen auf mich zuzuschreiten mit hoch Pfarrer Ausfeld.— Abends 8 Uhr: Bibel⸗ erhobenen Händen, als ob sie mir etwas besprechung im Johannessaal.— Montag bringen wollten. Dann riß der Gedanken⸗ den 2. Februar, abends 8 Uhr: Vereini⸗ faden gewöhnlich ab. Ich tobte und raste gung der konfirmierten männlichen Jugend dann, und alles um mich her schien sich zu der Lukasgemeinde.— Sonntag den 8. Fe⸗ drehen, bis die kleine zierliche Pflegerin bruar findet im Abendgottesdienst Beichte mit ihrem Schüsselchen mit Wasser kam und heiliges Abendmahl für die Lukas⸗ und und linde kühle Händchen sich auf die bren⸗Johannesgemeinde gemeinsam statt. An⸗ nende Stirn legten. Das Fieber ließ dann meldungen vorher bei dem Pfarrer jeder nach, um am nächsten Abend geradeso wie⸗ Gemeinde erbeten.
Verantwortlich: Pfarrer Bechtolsheimer. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts⸗Buch⸗ und Steindruckerei N. Lange, Gießen.
Des deutschen Volkes reinen Schild der Ehre,
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