Ausgabe 
1.2.1920
 
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lebt, welches mit der größten Solennitet und Illumination sowohl aller publiquen als privaten Gebäuen gantz prächtig ist ge⸗ seyert worden. Ueber das Ableben dieses Fürsten schreibt Verdrieß im Jahre darnach: In diessem Jahr sind Ihro Hochfürstliche Durchlaucht unser gnädigster Landesherr Erust Ludwig höchstselig verstorben. Im Jahre 1740 verzeichnet er:In diessem Jahr sind Ihro Römisch Kaiserliche Ma⸗ jestät Carl der VI., die Kayßerin von Ruß⸗ landt, der Römische Pabst und Ihre Königl. Majestät in Preußen also in einem Jahr 4 gekrönte Häupter gestorben.

Lange Zeit fehlen im Zunftbuche von nun an derartige chronikalische Aufzeichnungen. Erst im Jahre 1778 schreibt Johann Wen⸗ nemar Tasché wieder:1778, den 15. Ja⸗ muary hat die löbliche Kramerzunft über die Geburt des durchlauchtigsten Printzen Ludwig XI., wodurch unsere Frau Erb⸗ Printzen Hochfürstliche Durchlaucht sindt er⸗ freut worden ihre Freudenäußerung durch einen Tantz auf dem Rathaus an den Tag geleget, wobey zugleich die ledigen Zunft⸗ brüders Söhne und Töchter mit zugegen gewefen. Die Gesundheiten des gantzen hoch⸗ fürstlichen Hauses sindt aus denen Zunfft⸗ becher durch beständiges Vivat und Trom⸗

peten Schall getrunken worden und hat

dieses Fest des Morgens mit dem an⸗ brechenden Tag sich geendiget. Man sieht hieraus, daß man schon vor 140 Jahren es verstand, Feste zu feiern.

Martin Bücking, gebürtig aus Alsfeld, augenscheinlich ein sehr rühriger Kaufmann, der imGiesser Anzeigungsblättchen oft inseriert hat er betrieb ein Geschäft mit Kolonialwaren war 1803 Zunftgenosse geworden. Im Jahre 1816 wurde er zum älteren Zunftmeister erwählt und im darauf folgenden Jahre wiedergewählt. Von seiner Hand stammt der Eintrag:In den Jahren 1816, 1817 stieg die Theuerung aller Le⸗ bensmittel zu einer bis dahin unerhörten Höhe. Weitzen wurde im Durchschnitt ge⸗ zahlt mit f. 30 das Achtel, das Korn galt lang f. 20 bis 22, Gerste f. 18 und der Hafer f. 9. Im Verhältnis zu den Früchten stiegen auch alle übrigen Lebensmittel.

In der von uns veröffentlichten Chronik Johann Henrich Schaffstädts war besonders interessant die Schilderung des Reforma⸗ tionsfestes des Jahres 1817. Diese Jubi⸗ läumsfeier scheint damals in Gießen bedeu⸗ tenden Eindruck gemacht zu haben; denn auch Bücking gibt im Zunftbuche eine Beschrei⸗ bung dieses Festes. Seine Beschreibung hat folgenden Wortlaut:

Den Z1ten Octob. u. ten Novbr. 1817 wurde auf Befehl des Grosherzogs das dritte Reformationsfest im gantzen Land auf eine gleichförmige Art gefeiert. Am 30. Octob, verkündigte ein Stunden langes Ge⸗ läute mit allen Glocken den morgenden Festtag. In der mit Blumen und grünen

Zweigen geschmückten Burgkirche sprach des Morgens Superindent Buff nach Anleitung des vorgeschriebenen Textes über die Wohl⸗ thaten, welche die Reformation über die Welt verbreitet habe, und am Nachmittag Pro⸗ fessor Diefenbach über denselben Gegenstand. Der te Novber war zum Schulfest be⸗ stimmt. Morgens 10 Uhr zog die Schul⸗ jugend, mit grünen Kräntzen geschmückt, auf das Rathhauß, und angeführt von einigen Geistlichen, und deren Lehrern, unter Musick, dem Gesang passender Lieder, durch die Hauptstraße nach einer Anhöhe auf der öst⸗ lichen Seite vor der Stadt. Hier war mehrere Tage vorher ein Platz geebnet und mit Eichen und mehreren Linden beplanzt wor⸗ den. Um die Eiche bildeten die Kinder einen Kreis, in dessen Mitte die Lehrer über die Wichtigkeit des Tages, und über die Noth⸗ wendigkeit sprachen, diese Bäume unverletzt der Nachkommenschaft zu erhalten. Nach diesen Feierlichkeiten zogen die Kinder wieder in die Stadt, wo sie mit Brezeln und Wein erquickt und die fleißigsten unter ihnen mit Büchern beschenkt wurden. Der Abend dieser Tage war der Fröhlichkeit gewidmet. Tie Kaufmannschaft versammelte sich zu einem Balle, wobey ein Lied zum Lobe Luthers angestimmt wurde.

Im Jahre 1820 wurde Georg Philipp Gail, obwohl der damals erst ein junger Mann von 34 Jahren war, zum älteren Zunftmeister erwählt, ein Beweis, wie sehr der tüchtige Mann damals schon bei seinen Mitbürgern in Ansehen stand. Es heißt da in dem Buche:1820, den 21. Februar wurde die Kehr(Kör⸗Wahl) gehalten. Herr Georg Philipp Gail wurde zum älteren und Herr Wilhelm Stein zum jüngeren Zunftmeister gewählt. Ein früher nieder⸗ geschriebenes Protokoll besagt:Als Herr Georg Philipp Gail am 30. April 1817 in die Zunft aufgenommen wurde, war der⸗ selbe schon seit 5 Jahren als Bürger und Tabacksfabrikant dahier etablirt, es wurde also von Großherzoglicher Hofkammer dahier verordnet, daß er im Jahr 1813 als in die Zunft recipirt eingeschrieben werden sollte.

Gail hatte wie so mancher andere intelli⸗ gente Bürger seiner Zeit, wie Bücking und Schaffstädt, ein lebhaftes Verständnis dafür, wie interessant es für die Nachwelt ist, von den Vorgängen und Zuständen der ver⸗ gangenen Zeit Kunde zu haben. Somit hat auch er ausführliche chronikalische Aufzeich⸗ nungen in dem Zunftbuche niedergelegt. Er schreibt im Jahre 1820:In diesem Jahre wurde Herr Carl Silbereisen von Homburg vor der Höhe d. 5. October in die Zunft aufgenommen. Als Merkwürdigkeit verdient hier gemeldet zu werden, daß 1. in diesem Jahr die neue Kaserne von dem Militär be zogen worden ist, 2. erhielten wir in diesem Jahr unter dem 17ten December die neue Landesverfassung, bey Erscheinen derselben

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