13 Internates, wie es in Preußen noch üblich ist. Wahrlich: ie Genfer Schule der Erziehung der Erzieher ist das schönste Denk⸗ mal, das dem Revolutionär Jean Jacques Rousseau aus Genf ge— setzt werden konnte! 25 8 Zur Propaganda für seine Zwecke versügt das Rousseau⸗ 1 über eine eigene Zeitung, die der Fragebeantwortung usw. Dient, es besitzt ferner eine große Bibliothek, einen Zeitschriftensaal und ein Schulmuseum, das mit alten Schulbüchern aller Länder an⸗ gefüllt ist. Es werden pädagogische und medizinische Sprechstunden abgehalten, Gutachten für Behörden, Private, Vereine, Korpo⸗ rationen abgegeben usw. Kurz, die Arbeitstätigkeit des Institutes ist sehr mannigfaltig. 8. 0 Und jeder, der will und nur ein kleines Minimum von Allge— maeinbildung aufweisen kann, wird als ee aufgenommen! Ohne Ausweis und Prüfung! Nur ein Mindesta von 18 Jahren 5 wird gefordert! Die Kollegiengelder betragen pro Jahr 285 Fr. 0 Als Schüler find gedacht vornehmlich Studenten, Lehrer jeden Grades, Erzieher und Erzieherinnen, die ins Ausland wollen oder von dort kommen. Der Unterricht zerfällt in Seminarübungen, Experimente, Diskussionen, Schulreisen, Vortragsserien von Spezia⸗ listen usw. Drei große Hauptgruppen weist der Untexrichtsplan auf: Kind, Unterricht und Erziehung! In der Gruppe„Erziehung“ 9 werden behandelt: Die sittliche Erziehung(Natur, Spiel und Sport, 5 Nahrung, Handarbeit, Aesthetisches, Koedukation, Selbsterziehung, Strafe und Belohnung, Moralstunden, Bürgerkunde, sexuelle Er— zichung u. a.); ferner noch psychische Energie, jugendliches Ver⸗ brechertum, Psychoanalnse, Geschichte und Philosophie der großen Erzieher, Eugenik, Sozlologie und Schule sowie pädagogische Tages— 25 fragen.— Als Dozenten amtieren Professoren der Universitäten Genf, Lausanne und Neuschatel, die für besondere Fragen hervor— ragende Spezialisten heranziehen.
Schon diese Andeutungen beweisen, daß die Gründer des Rousseau⸗Institutes wahrgemacht haben, was der große Pestalozzi vor über 100 Jahren forderte:„Es ist notwendig, daß der öfsent⸗ liche und allgemeine Schulwagen nicht bloß besser angezogen werden muß, er muß vielmehr umgekehrt und auf eine ganz neue Straße gebracht werden!“ In Deutschland freilich gehört eine solche Anstalt mit zu den Dingen, von denen man wohl platonisch schwärmt, die
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man aber nicht in die Wirklichkeit umsetzen darf. Das wäre ja— schrecklich!— ein völliger Umsturz der einmal gewohnten, über— 91 kommenen und daher als„göttliche“ Einrichtung estimierten
Ordnung!.
Ein Wörtchen über die deutsche Rechtschreibung. 8 In die frühere Regellosigkeit und Willkür der deutschen Rechtschreibung brachte erst die Reformationszeit eine durch den Buchdruck und die Fortschritte des Schulwesens geför— derte notdürftige Einheitlichkeit, der dann die klassische Lite— ratur des 18. Jahrhunderts, das aufblühende Zeitungswesen und die besseren Verkehrsmittel zustatten kamen, der aber anderseits die politische Zerrissenheit Deutschlands schweren Abbruch tat. Die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mühsam wenigstens teilweise errungene Einheit der Recht— chreibung wurde wieder gefährdet durch das Ansehen Jakob
getreuen) Richtung folgte. Hatte schon im 18. Jahrhundert Adelung den Grundsatz aufgestellt:„Schreibe wie du sprichst“, so wies nun der Erlanger Sprachforscher Rudolf v. Raumer .(F 1876) darauf hin, daß der Adelungsche Grundsatz allein
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keineswegs über alle Zweifel hinweghilft, weil die deutschen Buchstaben z. T. mehrdeutig sind, d. h. verschieden ausge— sprochen werden, anderseits der nämliche Laut vielfach durch verschiedene Buchstaben bezeichnet wird. Lehrreiche Beispiele hierfür findet der Besucher der Leipziger Buchge-⸗ werbe⸗Ausstellung in der Halle für Lehrmittel und Vorführungen, Abteilung Schreiben[Lautzeichen], wo z. B. eeeine Tafel alle letwa 20] möglichen Schreibweisen des Wortes„Fuchs“ wiedergibt, ohne daß die Aussprache sich ändert. Ueberzeugt, daß die Ergebnisse der gelehrten ortho— ghraphischen Forschung niemals unter einen Hut gebracht wer— den könnten, stellte Raumer deshalb die Einheit der Recht— 25 schreibung als das vor allem erstrebenswerte Ziel hin. Der
Let rer(1857) und der Verein der Berliner Gymnasial- und Re lschullehrer(1871) nene orthographische Regelbücher. Was war die Folge? Fast jede Schule, wie jede Behörde
graphie“ zurecht. Da griff 1876 endlich die preußische Re— gierung ein: sie berief eine Konferenz nach Berlin„zur Her— stellung größerer Einigung in der deutschen Rechtschreibung“. Ergebnis dieser Konferenz und der sich anschließenden gründ— lichen Beratungen war der viel berufene Erlaß des Ministers Puttkamer(Kultusminister 1879—81) vom 21. Januar 1880 „über die vereinfachte deutsche Rechtschreibung in den preußi— schen Schulen“ und das durch ihn in gallen preußischen Schulen eingeführte amtliche Regelbuch. Bayern hatte für seine Schulen schon 1879 ein von dem preußischen nur wenig ab— weichendes Regelbuch eingeführt. Die andern deutschen Staaten lehnten sich in der Neuregelung der Frage entweder an Preußen oder an Bayern an. Die weiteren Fortschritte auf dem Wege der Vereinheitlichung der deutschen Rechtschrei— bung knüpfen sich an den Namen des Hersfelder Gymnasial⸗ direktors Konrad Duden(1 1911), der im Auftrage des Bibliographischen Instituts in Leipzig als notwendige Er— gänzung zu den dürftigen amtlichen Regelbüchern 1881 sein „Vollständiges orthographisches Wörterbuch“ für den Schul— gebrauch und einen„Orthographischen Wegweiser“ für das praktische Leben herausgab. Die im Verhältnis zum Ganzen geringfügig zu nennenden Neuerungen der(zu Unrecht so genannten)„Puttkamerschen“ Orthographie riefen anfangs eine starke Opposition hervor, an der sich(leider) auch der erste Reichskanzler Fürst Bismarck selbst beteiligte. Hier- durch wurde der auf die Dauer unerträgliche Uebelstand her— beigeführt, daß die jungen Leute die Rechtschreibung, die sie in der Schule hatten lernen müssen, nicht anwenden durften, wenn sie in den Staatsdienst traten. Auch ein großer Teil der Tagespresse verhielt sich anfangs ablehnend gegen die„Puttkamerei“. Aber die ungeheure Macht der Schule und des Buchdrucks(3. B. wurde Meyers Konver— sationslexikon schon seit der 4. Auflage[1885] nach Duden gedruckt), im Verein mit der großen Verbreitung, die Dudens Wörterbücher in ganz Deutschland fanden, ließ den Wider— spruch allmählich verstummen, und die neue Rechtschreibung wurde der jüngeren Generation je länger je mehr die allein geläufige. Eine weiter fortschreitende Vereinheitlichung be— deuten dann die Beschlüsse der von den Regierungen Deutsch— lands, Oesterreichs und der Schweiz einberufenen Berliner orthographischen Konferenzen von 1901rund 1904, vor allem aber die bald auch für die Reichs behörden maßgebend ge— wordenen Anordnungen des preußischen Kultusministers Studt von 1903, durch die in der Vereinfachung und Verein— heitlichung der neuen Orthographie wichtige, aber immer maßvolle Schritte nach vorwärts getan wurden. Mit großer
Freude zu begrüßen waren auch die Verhandlungen der Ver—
treter der Buchdruckervereine Deutschlands, Oesterreichs und
der Schweiz im Juni 1902 in Konstanz, deren Ergebnis der
in der Folge weit verbreitete sogenannte Buchdrucker-Duden war(„Rechtschreibung der Buchdruckereien deutscher Sprache“,
Leipzig 1903, Verlag des Bibliographischen Instituts). Daß
wir uns jetzt, so weit die deutsche Zunge klingt, einer leid—
lichen Einheit in der deutschen Rechtschreibung erfreuen, ist
also wesentlich mit der rastlosen Arbeit eines Konrad Duden
zu verdanken. Sein Lebenswerk, das Orthographische Wörter
buch, jetzt verschmolzen mit der 2. Auflage des„Buchdrucker—
Duden“, erscheint demnächst in 8. Auflage(vollständig neu
bearbeitet von Dr. Ernst Wülfing, F 1913, und von Dudens
langjährigem Mitarbeiter Dr. Alfred C. Schmidt). Freuen
wir uns der auf diesem Gebiete endlich errungenen Einheit!
Alle Sonderwünsche zu befriedigen, ist auch hier nicht möglich.
Meuscheublut, Tierblut, Pflauzeublut.
Daß Blut mehr ist, als nur ein seltsamer roter Saft, das ist eine Schulweisheit unserer Tage, die schließlich jedem halbwegs gebildeten Menschen geläufig ist. Aber was uns eigentlich so ein winziger quellender Tropfen lehren kann, was er dem Eingeweihten alles zu erzählen vermag, das ist den meisten verschwommenes Traumland, in das sie nicht mit offenen Augen hineinzuschauen wagen.
Das Mikroskop hat uns einen Blick tun lassen in das wunder⸗
bar feine Getriebe unseres Körpers, es hat die roten Säfte, die
durch die Adern von Mensch und Tier pulseu, aufgelöst in gar mannigfaltige, nach Art und Einzelwesen verschiedene winzige Be⸗ standteilchen und Flüssigkeiten. Vor allem die tausend und aber⸗


