Ausgabe 
1-30 (16.6.1914)
 
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Pfaffenpartei stiftete unabhängig im Innern Mexikos Aufruhr an, und rief die Hilse des Auslands herbei. Die Republik fand ihren rechtmäßigen Verteidiger in dem Präsidenten Juarez, dem ein Gegenpräsident entgegengestellt wurde. Der Bürgerkrieg endigte im Dezember 1800 mit der Niederlage der klerikalen Hochverräter. Die gingen nun nach Europa und organisierten besonders in Paris und Rom die Vernichtung der mexikanischen Republik. Ein scham⸗ los wucherischer Anleiheschwindel, der gegen Mexiko verübt wurde, ab den Gläubigern, vornehmlich Frankreich, den Vorwand, zur N der schwindelhaften Ansprüche in derAnarchie Mexikos einzuschreiten. Napoleon III. faßte den Plan, Mexiko in einen französischen Vasallenstaat zu verwandeln. So fanden sich die klerikalen Bestrebungen auf Wiederherstellung des kirch⸗ lichen Besitzes zusammen mit den weltpolitisch⸗kapitalistischen Unternehmungen des napoleonischen Frankreichs. Mexiko wurde 1862 von französischen Truppen besetzt, der legitime Präsident Juarez unterlag der Uebermacht, und Frankreich richtete unter dem Marschall Bazaine eine Art Militärdiktatur ein. Man brauchte r Festigung der französischen Besitzergreifung einen Monarchen, er unter dem Schutz der französischen Bajonette und nach den Weisungen der frommen Kutten in Mexiko dauernd einen für Frankreich ausbeutungsfähigen Kirchenstaat machen würde.

Für diese Rolle gab sich der österreichische Ereherzog Maxi⸗ milian her. Die französischen Kreaturen und die klerikalen Par⸗ teigänger erfanden eine Nationalversammlung, die den Erzherzog

berief und fügten mit Polizeigewalt eineVolksabstimmung hin⸗ zu, die dem Habsburger die Sehnsucht des mexikanischen Volkes vorspiegelte, von seiner erhabenen Persönlichkeit monarchisch regiert zu werden. Wes Geistes Kind dieser Maximilian war, erkennt man aus seinen nach seinem Tode veröffentlichten Auf zeichnungen. Er schwärmte zum Beispiel für die spanischen Tier⸗ gefechte, von denen er schreibt:Durch den Lauf der Jahrhunderte prägte es sich immer mehr der Sitte des Volkes ein, und selbst der verderbliche Einfluß der Aufklärer, die der reißenden Wölfe im Schafspelze, dieser von Menschenliebe singenden Hyänen, konnten dieses Fest nicht ausrotten, wie es ihnen mit so vielem Altertüm- ichen gelang. Ein rechter Kaiser, um die mexikanischen Republi

kaner zu bändigen!

Das ganze französisch⸗österreichisch⸗römische Unternehmen wurde nur dadurch möglich, daß die Vereinigten Staaten zu dieser Zeit in dem Krieg gegen die Sklavenjunker der Südstaaten ver wickelt waren; und es mußte in dem Augenblick zusammenkrachen, als die Vereinigten Staaten Sieger wurden.

Bevor Maximilian und seine ehrgeizige Frau Charlotte, die Tochter Leopolds von Belgien, sich von dem Märchenschloß Miramare nach Mexiko begaben, ließen sie sich vom Papst, dem neunten Pius, den unfehlbaren Segen erteilen. Der Papst hielt eine Ansprache an dendurch die Gnade des Kaisers der Fran⸗ zosen ausersehenen Prinzen und empfahl ihmim Namen des Herrn das Glück der ihm anvertrauten katholischen Völker. Er fügte die Belehrung hinzu.die Rechte der Völler sind groß und man muß ihnen genügen: aber größer und heiliger noch sind die Rechte der Kirche. Das war eine geheime Instruktion, die Weisung, in Mexiko zunächst einmal die vom Staatgeraubten Güter der Kirche wieder zu erstatten.

1 versucht hatte, begann er in jähem Wechsel eine

schießen bedroht; das Urteil sollte binnen 24 Stunden vollzogen Hunderte von Patrioten fielen diesem Blutdekret des fanften Erzherzogs zum Opfer. Diese Gewaltherrschaft aber be⸗ deutete zugleich das Ende seiner Kaiserschaft. Frankreich erkannte, daß das mexikanische Abenteuer aussichtslos sei und Napoleon ließ . feinen Schützling im Stich. Vergebens reiste die Gattin Maxi⸗ miltans nach Paris; sie wurde kalt abgewiesen. Dann verfuchte sie im e e, denden ge n ben Sh an 2 e 8 rungen dieser Bittfahrt trieben sie in den Wahnsinn, aus dem sie nicht mehr erwachen sollte. Jn seiner hoffnungslosen Lage wollte Maximilian dem an⸗ N entsagen und Mexiko verlassen. Aber öster⸗ bestimmten den ewig schwankenden zu bleiben und um sein Glück weiterzuspielen. Man ließ ihn aus Wien wissen, daß sein Bruder es war nach der

gemaßten Thron

eichische Einslüsse und Einflüsterungen 25

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Niederlage im Kriege mit Preußen müde abdanten wolle und

daß Maximilian die österreichische Kaiserkrone zufallen wllrde. Diese Aussicht dürfte er nicht zerstören dadurch, daß er feige seine mexikanische Herrschaft im Stiche ließe. Es ist nicht ganz un⸗ glaubhaft, wenn man diese österreichischen Einwirkungen als eine Intrige der klerikalen Partei in Oesterreich gedeutet hat, die eine Rückkehr desliberalen Erzherzogs verhindern wollte. Maximilian blieb und war nach dem Abzug der französischen Truppen den siegreich vordringenden Republikanern in die Hände gegeben. Im März 1867 endigte die französische Besetzung Mexikos. Maximilian zog sich schließlich mit seinen Getreuen nach Queretaro zurück, das am Morgen des 15. Mai von den Republikanern ge nommen wurde; es heißt, daß Verrat im Spiele gewesen sei. Juarez, der nun wieder die Präsidentschaft übernahm, wollte Milde walten lassen. Aber er konnte gegen die furchtbare erbitterte Stimmung, die jenes Blutdekret erregt hatte, nicht durchdringen. Das kriegsgerichtliche Verfahren wurde eingeleitet. Die Anklage richtete sich gegen Ferdinand Maximilian von Habsburg und die sogenannten Generale Miramon und Mejia. Die Anklage wird dahin zusamengefaßt: Nachdem Mexiko die Unglücksfälle eines 50⸗ jährigen Bürgerkrieges erlitten und das Volk jene korrupten Klassen unterdrückt und besiegt hatte, welche, um ihren eigenen Interessen zu dienen, alle nationalen Interessen der Republik auf⸗ opferten, beriefen die verworfensten Reste der besiegten Klassen, den Fremden in der Hoffnung, durch seine Hilfe ihre Rachegelüste zu befriedigen. Sie beuteten den Ehrgeiz und die Unkenntnis eines fremden Monarchen aus, und vor der Republik erschienen in verbrecherischer Verbindung die Intervention des Auslandes und

der Verrat. Der Präsident Juarez

Das Gericht fällte das Todesurteil. bestätigte es. Innerhalb vierundzwanzig Stunden, am 19. Juni

1867, wurden Maximilian und die beiden Generäle erschossen.

Der Aufbau des Gehirus.

Von Dr. A. Lanick.

Die Gehirnanatomie begnügte sich bis vor nicht allzu langer Zeit damit, die Größe und Furchung des Gehirns zu messen, auf den inneren Aufbau, auf die mikroskopische Unter suchung legte sie kein großes Gewicht. Nachdem jetzt aber festgestellt ist, daß weder Größe noch Furchung des Gehirns Schlüsse auf die Geistesentwicklung zuläßt, ist das anders geworden. Die einzelnen Gehirnabschnitte unterscheiden sich in dem mikroskopischen Aufbau ihrer Zellfasern ganz auffällig von einander. Ebenso ist die Größe der einzelnen Bezirke bei den verschiedenen Tierarten verschieden. Wir wissen, daß jeder Sinn einen besonderen Sitz hat, der Gesichtssinn einen anderen als der Geruchssinn, der Geschmack einen anderen als das Gehör oder das Gefühl. Der Umfang, den diese verschie denen Abteilungen einnahmen, ist nun ganz verschieden je nach der geistigen Entwicklung des betreffenden Wesens. Nach Brodmanns Untersuchungen an Säugetiergehirnen gibt es Gehirnbezirke, die bei allen Säugetieren vorkommen, andere wieder, die nur bei einer gewissen Gruppe angetroffen werden.

Die Lage, die Form und der Umfang jedes Einzelfelds lassen wertvolle Vergleiche zwischen den einzelnen Tiergruppen zu. Das Sehfeld z. B. gehört zu denen, die bei allen Säuge⸗ tieren angetroffen werden. Der Flächeninhalt des Sehfeldes erreicht bei den Seehunden 4536 Quadratmillimeter, beim Igel aber nur 23 Quadratmillimeter. Neben dem Seehund steht auch der Mandrill mit 3537 Quadratmillimeter Sehfeld⸗ fläche noch vor dem Menschen, der im Durchschnitt nur 3321 Quadratmillimeter erreicht. Ganz anders aber wird das Bild, wenn man das Sehfeld im Verhältnis zum Gesamt⸗ gehirn betrachtet. Dabei ergibt sich für das Sehfeld des Men- schen, 2,8 Prozent, des Schimpansen 8,1 Prozent, des See⸗ hundes aber schon 14,5 Prozent. Man erkennt sofort, daß diese Verhältniszahlen auf einen charakteristischen Unterschied hinweisen. Beim Menschen ist das Sehfeld eben nur mit noch nicht 3 Prozent am Gesamtgehirn vertreten, weil andere Gehirnteile bei ihm stärker entwickelt sind, die bei den Tieren zurückgeblieben sind oder ganz fehlen.

Wenn einmal die einzelnen Gehirnfelder in ihrer Ge samtbegrenzung genau erforscht sind, dann wird man wahr⸗ scheinlich in den Zahlen, die die Beteiligung eines Feldes am Gesamtgehirn und sein Verhältnis zu den entsprechenden Feldern bei andern Tieren festlegen, einen Maßstab haben, die geistige Entwicklung des betreffenden Tieres zu bestim⸗ men. Natürlich sind die Beziehungen mit diesen Angaben noch längst nicht erschöpft, auch die Form des Sehfeldes wird, be⸗ sonders bei nahe verwandten Arten, eine große Rolle bei der Unterscheidung spielen. Beim menschlichen Gehirn nimmt