Der Diensthabende las mit monotoner Stimme:Be⸗ fehl vom 3. 5. 1892. Der Zögling Krille wird wegen Zer- brechens einer Bank mit drei Stockhieben bestraft. Faltete darauf die Hände und betete:

Wir danken Gott für seine Gaben,

Die wir von ihm empfangen haben,

Und bitten unsern lieben Herrn,

Er woll' uns hinfort mehr bescher'n. Amen!

Ich glaube, an diesem Tage hat mein Vertrauen auf den Trost des Gebets einen Sprung bekommen.

Die blöde Anstaltsdressur verhilft ihm auch zum ersten Märtyrertum für den Sozialismus. In Knabenmanier ruft er, als Kameraden in der Weise, die ihnen im Unterricht ge⸗ lehrt wird, die Sozialdemokratie herunterzumachen, da zwischen: die Sozialdemokraten sind stramme Kerle! Dafür wird er vor der ganzen Klasse geohrfeigt,links und rechts, daß alle meine Gedanken durcheinanderwirbelten. Zählen konnte ich die Schläge nicht.

Heraus aus der Anstalt! Das ist schließlich die große Sehnsucht. Aber ein Fluchtversuch endet mit freiwilliger Rückkehr. Wo auch will der Knabe ohne Erfahrung und ohne Mittel hin? Von der Erziehungsanstalt geht es zur Unter- offiziersvorschule. Verschärfter Drill, gesteigerte Marter des Geistes und Gemüts. Endlich verzagt nicht nur der Schüler: auch die militärischen Erzieher werden inne, daß dieser Ton in die militärische Form nicht zu kneten ist. Krille wird ent lassen. Nun heißt es, in der Freiheit den Lebenskampf auf⸗ nehmen, nun aber gilt es auch, einen Born finden, an dem das schmachtende Gemüt sich erquicken kann. In Dresden Lohnarbeit als Ungelernter: in der Gardinenmacherei, in einer Hutfabrik, als Ausgeher im Kaufhaus. Immer ge ringer Verdienst. Eins fällt dem Burschen bald auf: daß der Feind, der ihm in der Anstalt gleichsam persönlich gegenüber steht, als Kapital in der Fabrik eine unpersönliche Form an- genommen hat; wie dort der Zögling, so wird hier der Ar- beiter geknechtet. In den Lastern der Unbedeutenden ersäufen Arbeiter ihre Menschenwürde;ich vermißte auch bei den Ar⸗ beitern den Geist der Brüderlichkeit. Aber es istim Durch- schnitt der organisierte Arbeiter weitaus der sympathischere Mensch. Die sittlich tragende Kraft der Arbeiterorgani⸗ sation, der er noch nicht angehört, kommt dem jungen Menschen langsam zum Bewußtsein. Und er merkt, von welcher Be deutung die Arbeitsweise, Lohnformen usw. sind. Die Akkordarbeit führt zu Uneinigkeit und Neid; der Alkohol dient als Stimulationsmittel bei der Akkordarbeit.

Endlich findet Krille, was seiner Sehnsucht nach geistiger . einen Halt, den Bedürfnissen des Gemüts Er füllung gibt. Das Stiftungsfest des Dresdner Sozialdemo kratischen Vereins, wohin er mitgeht, wird zum richtung⸗ gebenden Ereignis. Er hört den damals schon todkranken Genossen Eichhorn sprechen:Zuerst gingen seine Worte sinn⸗ los an meinem Ohr vorüber. Dann aber kam doch etwas in die Stimme, das mich aufhorchen machte. Es flackerte etwas [darin, wuchs und kam immer näher und wurde zuletzt zu einer sriesengroßen Flamme, die mich ganz in Helligkeit versetzte ... Alles, was der Mann sprach, machte den Eindruck des [Wahrhaftigen und ging ans Herz durch seine Schlichtheit. Da hat es ihn gepackt und läßt ihn nicht mehr los:

Beinahe religiöse Gefühle trug ich von jenem Feste heim. Da war doch ein Ausblick aus der Trostlosigkeit... Ich griff nach dem neuen Evangelium wie ein Verschmachtender nach dem Trunk. Ich mußte glauben können, um das Leben zu ertragen. Und die Millionen, die heute dem Sozialismus anhängen, sind zum geringen Teil wissenschaftlich überzeugte Sozialisten, son⸗ dern sie kommen aus grenzenloser innerer und äußerer Oede wie das Volk Israel aus der Wüste. Sie miüsssen glauben, um nicht zu verzweifeln. Sie sind Sozialisten, weil der Sozialismus ihre Sache ist, materiell und geistig. Er ist dem Arbeiter nötig wie Luft und Brot. Ich bemerkte auch bald, daß die geistig regsameren Arbeiter in der Hauptsache sozialdemokratisch dachten... Der Begriff Staat hatte für mich früher etwas mittelalterlich Rohes, das sich in Kaserne und Gefängnis ver⸗ körperte. Das ward unmerklich anders, weil ich mich selbst als Staatsbürger betrachten lernte, der, wenn auch unterdrlckt, doch

Interesse an ihm hatte, weil er ihn mit seiner Klasse zu er⸗

obern hoffte. Und das Sonderlichste war es zeigte sich erst

später daß ich, ein Hasser der unbedingten militärischen Dis⸗ ziplin, mich willig der Parteidisziplin beugte. So widersprechend

achten. Ich scheute den Namen Arbeiter nicht mehr.

So wird dem Jüngling, der am Leben verzweifelte, der Sozialismus zum festen Stab, daran er die Lebenswanderung getrost fortsetzen, zum sichern Grund, auf dem er sich froh tummeln kann. Der junge Genosse lebt und webt in der

für die Partei, besucht den Debattierklub, wird selbst zum Reden getrieben, erlebt die kleinen Abenteuer bei der Flug⸗ blattagitation, die für den Anfänger so viel bedeuten; sein

arbeit zieht ihn nicht mehr herab, denn das Ideal, dem er zu⸗ strebt, gibt dem Geiste Schwingen und hebt das Gemüt über die Niederungen des grauen Alltags. Bald kann Krille als ein Gebender vortreten: seine ersten sozialen Gedichte er scheinen in der Sächsischen Arbeiterzeitung. Freilich sind die äußern Bedingungen der Arbeiterbewegung beengt, und an den Geistesflug heftet sich Erdenschwere: der junge Genosse muß im einzelnen manches hinnehmen, was ihm nicht gefällt. Aber das ist doch der bleibende Eindruck: der Sozialismus ist das große Ereignis im Leben des Arbeiters, die sozia⸗ listische Bewegung hebt ihn aus der Versinkung in geistiges Elend; der Sozialismus zeigt ihm ein hohes Ziel und weist ihm den Weg, er weckt im Arbeiter das Menschenbewußtsein: Wie könnte ein denkender Mensch sonst vierzig Jahre ein

wenn ihn nicht der Glaube an die Arbeiterbewegung und die Befreiung seines Standes trügen! f Für den Sozialismus streiten, das heißt Leben! Seine Heilskraft hat sich an Krille erprobt, und Krille bezeugt es von den tausenden Namenlosen. Nichts läßt sich dem Ein⸗ fluß gleichstellen, den der Sozialismus auf die Millionen Proletarier ausübt. Auch dort, wo eine christliche oder natio- nale Arbeiterbewegung für die Arbeiter etwas bedeutet, hat sie die Bedeutung durch die in sie eingeschlossenensozialisti⸗ schen Ideen und Gedankengänge. Der Sozialismus ist der Sauerteig, der alles durchdringt und umwandelt. Er gab den getretenen Millionen eine neue Welt an Empfindungen und Gedanken, er pflanzte ihnen Hoffnung und Kampfesmut ein. Er erneut die Menschheit!(Rh. Ztg.)

Maximilian von Mexiko. Ein klerikales Blutspiel.

Zum 50jährigen Jubiläum seines Regierungsantritts.

Wenn heute Amerika in seiner ganzen ungeheuren Ausdehnung vom Norden zum Süden, von Osten zum Westen, keinen einzigen Monarchen mehr angestammt findet, so haben zu diesem Erfolg die mexikanischen Exeignisse vor einem halben Jahrhundert wesentlich mitgewirkt; und die Gestalt des patriotischen Republikaners, des indianischen Präsidenten Benito Juarez erhebt sich gerecht über dem phantastisch haltlosen Schwärmer Mittelalterlichkeit, dem österreichischen Erzherzog Maximilian, * ch geschichtliche d positi Re

nteuer nach geschichtlichem und positivem büßte. Es ist das Schicksal der mexikanischen Kaiser, ihrem Leben und Regieren gewaltsam ein Ende gesetzt wird. Aber das Los des letzten Aztekenkaisers, der sein Valerland und dessen große Kultur heldenmütig gegen die spanischen Räuber verteidigte und nach der greuelvollen Eroberung von Tenochtitlan 1521 von Cortez gehenkt wurde, ist in seiner Schuldlosigkeit 12 schütternd, während der Habsburger, der sich. klerikale Ränke und die kapitalistisch⸗weltpolitische Intrigen des dritten N oleon zum ÜUfurpator Mexikos drängen ließ, sein Geschick sich selbst be⸗ reitet hat. Die Episode Kaiser Maximilians von Mexiko hat

klerikaler dem

cht mit dem Tode

posse des preußischen Gardeoffiziers unserer Tage. sie in ein paar Hauptzligen ins Gedächtnis zurückgerufen werden. Mexiko hat die dreihundertjährige fluchwürdige, Herrse Spaniens in einer Reihe von Rebellionen, die von 1810 bis dauerten, abgeschüttelt. Der 8 eines ee 1822 1 4 4 W 5 war Mexiko eine rativrepu mit einer der bildeten Versassung. Die Republik wurde dauernd von Bürger⸗ kriegen zerrissen. In den 5Her Jahren des vorigen Ja fiel die Entscheidung zwischen der klerikalen Herrschaft und den Liberalen. 1857 wurden die unermeßlichen Güter der toten Hand säkularistert ihr Wert mochte eine Milliarde erreichen

unterhalten. In dieser Maßnahme der liberalen P

es vielleicht manchem klingen mag, die sozialistische Weltanschau⸗ ung söhnte inch bis zu einem gewissen Grade mit der proletari⸗

Heider and zen Vela dbrer dusenmengg affen wei

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schen Existenz aus und lehrte mich die gewöhnliche Handarbeit

sozialisten Ideenwelt, er widmet sich eifrig der Kleinarbeit

Leben hat Inhalt gewonnen, die elende schlecht bezahlte Lohn⸗

Dasein ertragen, das sich in der gröbsten Notdurft exschöpft, f

sich rauh, kraftvoll,

alsers Franz Joseph, der sein unbesonnen ehrgeiziges 1 3

kwürdige Aehnlichkeit mit der blutig⸗gefährlichen Moret⸗ manch merkwürdige Aehnlichk' b a N

5 4. ständi Kaisern- b e 8 nion nachge⸗

: aus dem Zinsenertrag der verkauften Ländereien g d 8

Ausgangspunkt des Kasserdramas. Die schwarze Internat ale trauerte solidarisch überall um den Sturz ihrer mexikanischen 5

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