Ausgabe 
1-30 (3.6.1914)
 
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konnte Ley die Dicke einiger Hagelwolken messen; die imterfläche war etwa 1000 Meter über der Erde und die senk rechte Mächtigkeit betrug 7600 Meter. Aber selbst diese Dicke wurde im Sommer 1872 durch zahlreiche Gewitterwolken er heblich übertroffen, am 3. September 1867 und 4. August 1878 betrug deren Mächtigkeit 9700 Meter. Die Mehrzahl dieser Wolkenmassen von enormer Dicke lieferten schweren Hagel, doch einige derselben auch nur Regen. Messungen der Wolkenhöhen in den Tropen, meint Ley, würden noch erstaun lichere Ergebnisse liefern. Die Gipfel oder höchsten Schichten der Regenwolken erreichen im Winter wie im Sommer die Cirrusregion, doch liegt diese im Sommer viel höher. Die Scheitel der enorm mächtigen Gewitterwolken, die eben ge nannt wurden, kann man selbst die Cirren durchbrechen und deren Niveau um einige tausend Fuß überschreiten sehen. Hi. W. Clayden hat sich bemüht, die Dicke der Regen- wolken nach einer einfachen Methode zu bestimmen und die Abhängigkeit des Charakters der Niederschläge von der Dicke der Wolken festzustellen. Er kam zu dem örgebnis, daß die Größe der Regentropfen und die Intensität der Niederschläge von der Dicke der Regenwolken abhängt. Wolken, deren Mächtigkeit geringer als 600 Meter ist, liefern selten Nieder schläge, oder ihr Regen ist sehr leicht. Bei einer Dicke von 600 bis 1200 Meter ist die Größe der Tropfen mäßig. Wenn die Dicke größer wird, wächst auch die Größe der Tropfen und gleichzeitig wird ihre Temperatur niedriger, bis sie Hagel fallen lassen kann wenn die Dicke 1800 Meter überschreitet und bis 3100 Meter erreicht. Wolken von so großer Mächtigkeit können sich natürlich nur in aufsteigenden Luftmassen bilden, sei es in den großen atmosphärischen Wirbeln oder bei lokalen Störungen des Gleichgewichts, wie bei den meisten Sommergewittern. 9 Die Dicke der Wolken ist also, wie wir hieraus ersehen, beschränkt. Das ist an sich ja selbstverständlich, denn die für die Witterung wichtigen Luftschichten beschränken sich auf die zehn untersten Kilometer, reichen jedenfalls über zehn oder 15 Kilometer nicht hinauf. Größere Mächtigkeit werden wir daher bei den Wolken nie feststellen. Wolkenschichten von 10 Kilometer Dicke sind jedenfalls schon die dicksten und kom⸗ men selten vor.

Der Sport, ein Jungbrunnen? 3 Von Anton Fendrich. Die Menschen glauben eher an Hexerei und Zauber als an die natürlichen Wunder der Erde: und doch gibt es Hunderte von wirk 5 ichen Jungbrunnen. Nur ist es nicht so einfach, wie auf dem Bild des alten Martin Behaim, wo die gichtigen Männlein und wacke ligen Weiblein links in das große Badebecken hineinsteigen und rechts als unternehmungslustige Gesellen und flügge Fräulein vieder herauskommen. So rasch und so gründlich geht es nicht. Über daß es aus den tiessten körperlichen, geistigen und seelischen Erniedrigungen heraus immer wieder eine Erneuerungsmöglikeit und einen Aufschwung gibt, immer wieder ein Neuerblühen und ederaufstehen, das macht das große Glück jener Erdenbewohner welche als geborene und gelernte Optimisten den Glauben an Unbesiegbarkeit der tiefsten Quellen aller Kraft wie ein einsaches usgeheimnis mit sich tragen. Für sie wird es auch nach dem esten Winter Frühling, wenn sie nur über den eisigen Feldern der die allererste Lerche jubeln hören; nach dem schwersten nkenlager gibt es für sie immer wieder ein Auferstehen; und einmalige Irrtum, wo auch sie sich nicht mehr erheben, ver⸗ chwindet für sie vor den Hunderten von Malen, wo sie recht hatten über allem Kleinglauben. Der Rhythmus des Ab und Auf, ich das tiefste Wellental wieder zur sonnenbestrahlten Schaum⸗ wird, der hält die ganze Schöpfung im innigsten Gegentakt mmen.

So ist der Optimismus der schönste und am leichtesten erreich⸗ e Jungbrunnen ber Welt, und seine Hauptweisheit besteht in Glauben, daß das ganze Universum aufJa eingestellt ist. Nein und Irrtum und Fehle scheint, kann ein Weg Borwärts und Aufwärts werden, wenn man in der verdäch⸗ tung nur mutig und gelassen geht bis zum Augenblick, wo den großen Bogen macht, was oft viel früher eintritt,

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Dunkel voll von heimlichem Leuchten und es ist ein schönes Symbol, daß die ungesehene und stärkste Strahlenkraft der Schöpfung, das Radium, in Pechüberresten entdeckt wurde.

Solch ein Jungbrunnen ist auch der Sport!

Damit aber ja nichts fehle, so haben, wie überall, wo es auf⸗ wärts gehen will, auch richtig ein paarTeufel dabei ihre Hände im Spiel. Das scheint in der Natur aller Entwicklung begründet zu liegen, daß es dem Guten möglichst sauer gemacht wird, sich durchzusetzen. So fehlt es denn auch im Sport selbst nicht an Tendenzen, die die frischen Aepfel im Garten des Sports von innen heraus anfressen und aushöhlen wollen. Der Kilometerhunger, die Rekordjägerei und die Publikationssucht; die purpurroten Köpfe der Damen, denen auf dem Tennisplatz soeben ein gutplacierter backhander vorbeigelungen ist, das schadenfrohe Zucken um die Mundwinkel, wenn der Partnerin fünf Minuten später dasselbe passiert; die edle Entrüstung eines vermeintlichen Siegers, der um einer sehr zweifelhaften Zehntelsekunde willen Protest wegen seiner Placierung einreicht; alles das und vieles andere, von dem noch in späteren Kapiteln die Rede sein wird, das sind dieTeufel, an denen auch im Sport kein Mangel ist.

Was wir dem jungen Sport wirklich zu danken haben, das ist, daß er uns nach Jahrzehnten der geistigen und körperlichen Ver⸗ staubung hinauslockte auf Wiesen und Matten, auf Flüsse und Seen, in Berge und Wälder, in die Eiswirrnisse der Gletscher und auf die samtenen Weiten der Schneefelder. Wir wollen es ihm danken, daß er uns nach den großen technischen Entdeckungen der letzten Jahr⸗ zehnte zu den eisernen Wundertieren der Schnelligkeit, die nun über die Erde, unter den Meereswellen und in der Luft dahinsausen, das größte Wunder der Schöpfung wieder hat entdecken lassen, den Menschenkörper mit seinen Tausenden immer noch nicht zum Patent angemeldeten märchenhaft fein und sicher arbeitenden Appa⸗ raten des Herzens, des Gehirns, der Muskeln und der Blutbahnen.

Nun gilt es, gleich das eine laut und deutlich zu sagen: Der Sport wird immer nur das sein, was der Mensch daraus macht. Wir stehen aber in Gefahr, den Sport durch übertriebene Agitation und Organisation und durch eine Ueberschätzung seiner Bedeutung zu entseelen und ihn so anstatt zu einer Ausruhe von der Hast und Hetze der Berufsarbeit zu einem System eines neuen Wettbewerbs zu machen, das in seinen materiellen wie geistigen Folgen von unab sehbarem, kulturellen Schaden sein könnte. Daß man an einem forcierten Sportsbetrieb zugrunde gehen muß, das haben nicht nur zahllose Sportsfanatiker, die Leute mit dem starken Biceps und dem schwachen Herzen und die zahllosen, vom Militärdienst zurückge⸗ wiesenen Berufsrennfahrer bewiesen, sondern auch ganze Völker. Der Untergang Griechenlands fiel in die Zeit der seinsten Sophisten und besten Ringkämpfer, also der Gehirn- und Muskelathleten. Das nüchterne, sachliche Rom, das dem Sport kühler gegenüberstand, erhielt sich Jahrhunderte lang als Weltmacht. Der unbefangenste Schreiber der griechischen Geschichte, Thukydides, hat den Fall Griechenlands ganz unverblümt als die Folge der Ehr⸗ und Prunk⸗ sucht bezeichnet, die sich nicht zum wenigsten in den zahllosen Wett⸗ spielen breit machte, zu denen schließlich das ganze öffentliche Leben Griechenlands wurde. Es wäre überhaupt an der Zeit, uns von der großen griechischen Hypnose frei zu machen, die etwas nach dem vergilbten Vergangenheitsenthusiasmus riecht, wie er sich bei manchen Lehrern an humanistischen Gymnasien so häufig findet. Jeder Primaner weiß, daß die griechische Glanzzeit eine bedenklich kurze Periode umfaßte, und in ihrer ganzen schaustellerischen Art, an einen stark überspannten Bogen erinnert. Wenn einer der ersten griechischen Philosophen sagen konnte, daß auch die Tugendein Feld sei, um darin zu übertreffen, und das höchste Ansehen in der menschlichen Gesellschaft zu erringen, so erinnern wir uns mit Genugtuung daran, daß viele unserer deutschen Philosophen die Tugend als etwas bezeichnet haben, das nur um seiner selbst willen getan werden dürfe, und ihren Lohn in sich selbst trage. Wenn unkritische Sportsenthusiasten fast mit einer Träne der Rührung im Auge immer wieder darauf hinweisen, daß die Griechen selbst zur Zeit des Einbruchs der Perser die olympischen Spiele nicht fallen ließen, so scheint es uns. daß gerade dieser Umstand ein Zeichen der völligen Befangenheit und hilflosen Verstrickung der Griechen im Rummel ihrer nationalen Festspiele war, die bis zu einer Ge⸗ fährdung der wirklichen nationalen Interessen ging.

Es wäre sicherlich kein Unglück, wann man überhaupt einmal damit aufhörte, die Berechtigung oder Zweckmäßigkeit des Sports aus der Geschichte zu begründen. Damit ist ebenso wenig bewiesen,

glaubt, hossen zu dürfen. Die Welt ist in all ihrem wie e

wie mit der so beliebten und nachgerade langweiligen Methode, für