Ausgabe 
1-30 (26.5.1914)
 
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des Dräpias(Seite 123), als zwei zusammengehörige ökono- mische Kategorien, verlassen den Arbeitsmarkt und gehen miteinander heim in die Werkstatt:Der ehemalige Geld⸗ besitzer schreitet voran, als Kapitalist, der Arbeitskraftbesitzer folgt ihm nach als sein Arbeiter; der eine bedeutungsvoll schmunzelnd und geschäftseifrig, der andere scheu, widerstreb⸗ sam, wie einer, der seine eigene Haut zu Markte getragen und nichts anderes zu erwarten hat als die Gerberei!

Von dieser Stelle ab schwinden die ernsten Schwierig- keiten der Lektüre. Der Gewerkschafter erschrecke nicht vor der geheimnisvoll drohenden Ueberschrift:Dritter Abschnitt. Die Produktion des absoluten Mehrwerts. Fünftes Kapitel. Arbeitsprozeß und Verwertungsprozeß. Sie sind für den Gelehrten und Systematiker. Er merkt sich nur eines: Ge⸗ schildert wird nun der Arbeitsprozeß, den er ja selbst Tag für Tag, neun, zehn und mehr Stunden mitmacht, den er also wohl verstehen muß.

Neue Forschungen aus der Himmelskunde.

Neue Trennungen in den Saturnsringen DieHöhlen in der Milchstraße als dunkle Nebelwolken und als Sternleeren Das Flächenhafte des astronomischen Sehens Kann man unendlich weit sehen oder begrenzt eine Stosserfüllung den Weltraum unsern Aus- blick Zur griechischen Erde zurück, die weniger bebt Noch elwas

von der Sonne.

Während des ganzen Winters bis jetzt haben wir uns des schönen Anblicks des Planeten Saturn erfreuen können, der im Fernrohre einen wahrhaft überraschenden Eindruck macht. Man sieht ja nicht bloß die übliche Kugel im dunklen Raume schweben, sondern, diese ist von einem Ringe umgeben, der wie der gerade Rand eines Strohhutes um den Aequator des Planeten liegt. Wir wissen auch, daß diese Ringerscheinung durch zahlreiche Einzelkörper⸗ chen erzeugt wird, die durch ihre Unzahl den Eindruck gleichmäßigen Leuchtens hervorbringen. Es ist ferner bekannt, daß in dem Ringe seine dunkle ringsumlaufende Linsen vorhanden sind, die also an⸗ scheinend von solchen Körperchen frei sind; man nennt sieTrennun⸗ gen. Die gröbste dieser Teilungen heißt die Cassinische; man sieht sie bereits in jedem 3 zölligen Fernrohre. Der innere Ring ist weißer, als der äußere, mehr goldig aussehend. Auf dem Außen⸗ ring erkennt man in größeren Rohren noch eine seine nicht so scharse Trennung, die Enckesche, während sich an den inneren Ring nach innen zu der seine Flor- oder Kreppring ansetzt. Man vermutet nun seit langem, daß noch weitere Trennungen in dom Ringe vorhanden sind, und M. Maggini auf der Sternwarte in Arcetri hat tatsächlich in dem glänzenden Ringe nahe bei der Cassinischen Teilung, etwa um die doppelte Breite derselben gegen den Planeten hin, eine neue gefunden. Er sah sie schon mit einem Fernrohr, dessen Objektiv 10,8 Zentimeter Durchmesser besaß. Auch in dem zwischen ber Encke⸗ schen und der Cassinischen Trennung liegenden Ringe ist dicht neben der Enckeschen eine weitere Trennung vorhanden. Diese Trennun⸗ gen stehen im engsten Zusammenhange zu den Abständen der zehn einzelnen Monde von dem Planeten. Sie sind durch die An⸗ ziehungswirkungen derselben bedingt.

Besonderer Aufmerksamkeit der Astronomen erfreuen sich neuer dings die merkwürdigen dunklen Stellen, die in der Milchstraße wie schwarze Höhlen gerade in recht hellen Partien austreten. In den größeren pokulären Büchern findet man jetzt vielfach Wieder⸗ gaben schöner Himmelsphotographien aus der Milchstraße und auch solche, die diese Erscheinung deutlich zeigen. Man hat daher Ge⸗ legenheit, diese Objekte selbst in Muße zu studieren. Was sie nun eigentlich sind, darüber ist man sich so wenig einig wie selten. Einige fassen sie als wirkliche Höhlen in den Sternzügen der Milchstraße auf, andere als dunkle nichtleuchtende Massen, die der Milchstraße in dem betreffenden Planeten vorgelagert sind und so die hellen Sterne verdecken, die dahinter ebenso vorhanden sind, wie sonst überall. ö. Knox Shaw betrachtet die dunklen Stellen als aus heißen leuchtenden Nebeln ausströmende kalte Gase, die das Licht der dahinter liegenden Sterne und Nebel verschlucken und diese unsichtbar machen. Er führt als Beleg dafür den Umstand an, daß innerhalb dieser dunklen Stellen erscheinende Sterne vielfach als in ihrer Helligkeit veränder⸗ lich erkannt sind. Seine Anschauung soll aber nicht die einzig mög⸗ liche Erklärung für die Existenz der dunklen Stellen sein. Für ein⸗ zelne dunkle Stellen, besonders für die kleinen, scharf begrenzten und

nicht in unmittelbarer Nähe von Nebeln stehenden, hält Shaw dle Erklärung als Oeffnungen, durch die wir in den dunklen Raum blicken, für möglich.

Auch Prosessor Barnard, der Gelegenheit hat, mit den besten und größten Instrumenten zu beobachten, die es gibt, also mit den 3 großen Refraktoren des Lick- und des Nerkes-Observatoriums, lenkt von neuem die Ausmerksamkeit auf diese Erscheinungen. Er meint, daß die dunklen Oeffnungen, sich viel leichter als dunkle das Licht des Himmelsgrundes abhaltende Massen auffassen lassen, denn als Oeffnungen, durch die wir in die Leere blickten. Einen dunklen Fleck in einer der Sternwolken im Schützen beobachtete Barnard mit dem größten Fernrohr, dem Nerkes-Refraktor. Die nachfolgende begrenzte Seite des Fleckes, die in der Photographie ganz dunkel erscheint, schlen ihm sehr schwach leuchtend und erweckte überzeugend den Ein⸗ druck; daß hier wirklich ein mehr oder weniger dunkler Körper vor⸗ handen sei. In der Mitte des dunklen Fleckes stehen mehrere iso⸗ lierte Sternchen, von denen man also annehmen muß, daß sie vor dem dunklen Körper und mithin auch vor dem hellen Hintergrunde des Himmels als den wir den sternenerfüllten Weltraum bezeichnen stehen.

Es wäre leicht, das Problem zu lösen, wenn wir auf irgend eine Weise raumlich(stereoskopisch) im Weltraum sehen könnten. Das ist aber zu gleicher Zeit nicht möglich. Weun wir beobachten; sehen wir alles platt. Schon in viel geringerer Entfernung, als in Sternweiten, lönnen wir nicht mehr räumlich sehen, selbst mit unsern besten Hilfsmitteln nicht. Die Sonne erscheint uns immer als flache Scheibe, nie als Kugelkörper, allein der Mond zeigt sich in Fern⸗ rohren als plastischer Körper. Wollen wir daher Probleme, wie die erörterten zur Entscheldung bringen, so müssen wir immer zu physi⸗ kalischen und astronomischen Kunstgrifsen unsere Zuflucht nehmen und auf mühsame und komplizierte Weise hinter die einfachen Dinge zu kommen versuchen. 5

Mit den eben erörterten Fragen hängt noch eine andere eng zusammen, nämlich die, ob der Weltraum leer oder mit Stoffen an⸗ gefüllt ist, die das Licht ferner Sterne verschlucken, oder doch so stark schwächen, daß man sie nicht mehr sehen kann. Wäre der Weltraum mit einem Mittel erfüllt, der das Sternenlicht auslöschte, so wäre unsere Blickweite im Weltraum begrenzt; sie hörte auf, wo die Sterne so weit von uns entfernt sind, daß ihr Licht durch die dazwi⸗ schen liegenden feinen Stoffe ausgelöscht wird. Für die Wissenschaft ist es natürlich von höchster Bedeutung zu entscheiden, ob wir be⸗ grenzten Blick haben oder ob wir ungehindert bis zu den fernsten Sternen und Körpern blicken können. Auch zur Eutscheidung dieser Frage müssen wir komplizierte Forschungen austellen. Der hervor⸗ ragende Astronom Kapteyn schlägt zur Entscheidung dieser Frage vor, das Licht von Sternen physikalisch genau zu verfolgen(spektral⸗ analytisch, photometrisch und sonstwie), die in derselben Höhe über dem Horizont stehen, ungefähr gleiche Helligkeit haben, der Art ihres Lichtes nach gleich oder nahe verwandt sind(denselben Spektraltypus besitzen) ufw. W. S. Adams hat das versucht und Andeutungen da⸗ für gefunden, daß der Weltraum dem Lichte keinen ganz ungehln⸗ derten Durchgang gestatte. Leider aber köunen dlese Messungen nicht alle Zweisel daran beheben, daß die Ursachen für die erwähn⸗ 5 ten Andeutungen nicht doch anderer Art sind. So wird diese Frage, wie auch viele andere noch lange unentschieden bleiben.

Eine Frage, die zwar nicht astronomischer Art ist, die aber auf der Athener Sternwarte zur Entscheidung gelangt ist, betrifft die Häufigkeit der Erdbeben in Griechenland. Es hat sich aus den Aufzeichnungen der Erdbebenregistrirapparate des Athener Observatoriums ergeben, daß die Häufigkeit der griechischen Erdbeben seit den neunziger Jahren eine starke Abnahme erlitten hat. Auch hier scheint, wie so vielfach in der Natur, ein periodisches Auf und Ab vorzuliegen. Eine jährliche Bebenperlode gibt es in Griechenland jedenfalls. Im Frühjahr zeigt sich nämlich eine größere Erdbebenhäufigkeit, eine solche geringster Veben-Tätigkeit dagegen im Winter.

Auch bei der Sonne, die jetzt anscheinend eine neue Periode größerer Tätigkeit zu entwickeln beginnt, da sich wieder Flecke in größerer Zahl zu zeigen beginnen, läßt sich eine Periodizität, der Protuberanzen, der Hervorragungen, die wie vulkanische Ausbrüche erscheinen, seststellen. Die Arbeiten sind noch zu sehr im Flusse, als daß jetzt zweckmäßig darüber zu berichten wäre. W N