lern kriechen, wird weder geschüttelt noch der Hitze unterworfen,
alles vollzieht sich in Ruhe und unter den thermometrischen Be— dingungen der umgebenden Luft; trotzdem wird in wenigen Tagen das von dem Gewürm bearbeitete Eiweiß flüssig wie Wasser. Dieses Ergebnis ist staunenerregend, wenn man die Geringfügigkeit der Mittel erwägt. Kein anderes Pepsin kann neben dem der Larve be⸗ stehen. Ich besitze ein Fläschchen mit Pepsin, das aus der Pharmazie⸗ schule von Montpellier stammt. Mit dieser nach den Regeln der Wissenschaft hergestellten Droge bepudere ich reichlich Stücke von ge⸗ kochtem Eiweiß, wie ich sonst die Eier der Schmeißfliege darauf⸗ schütte. Der Versuch wird genau so ausgeführt, wie bei der Röhre mit den Fliegenlarven. Das Ergebnis ist aber durchaus nicht das von mir exwartete. Das Eiweiß wird nicht flüssig, sondern nur an der Oberfläche feucht. Zu gleichen Versuchen benutztes Fleisch lasse ich von den Larven,
die aus den daraufgeschütteten Eiern der Schmeißfliege geschlüpft sind, nach ihrem Belieben bearbeiten. Das Muskelfleisch wird zu einem fließenden Brei von rotbrauner Farbe. Leber, Lunge, Milz werden mehr angegriffen, ohne jedoch den Zustand einer halbflüssigen Marmelade zu überschreiten, die sich sehr leicht in Wasser verrühren läßt und sich darin sogar aufzulösen scheint. Anderseits erleiden die fetten Stoffe: Ochsenfett, frischer Speck, Butter keine wahrnehmbare Veränderung. Noch mehr: die Larven gehen darauf schnell zugrunde und sind unfähig, auch nur ein wenig zu wachsen. Derartige Nahrungsmittel sagen ihnen nicht zu; aus welchen Gründen wohl nicht? Augenscheinlich, weil sie sich durch das von den Larven ab⸗ gegebene Reagens nicht flüssig machen lassen. Aber auch das ge⸗ wöhnliche Pepsin greift die fetten Stoffe nicht an. Dieses merkwürdige Zusammentreffen der Eigenschaften: positiv gegenüber den Eiweißstoffen, negativ gegenüber fetten Stoffen, be⸗ stätigt die Aehnlichkeit und vielleicht sogar die Gleichartigkeit des Auflösungsmittels, das die Larven von sich geben, und des von den höheren Tieren stammenden Pepsins.
Aus unserer Sammelmappe.
Natur, Halbmonatsschrift für alle Natur⸗ freunde, Organ der Deutschen und österreichischen Natur- wissenschaftlichen Gesellschaft. Herausgeber Professor Dr. Ba st. Schmid und Dr. Curt Thesing. Heft 6—0. Jährlich 24 Hefte mit vielen Abbildungen und 5 reich illustrierte Bücher zum Preise von 6.— Mk. Deutsche Naturwissenschaftliche Gesellschaft, Geschäftsstelle Theod. Thomas Verlag, Leipzig.
Wiederholt bereits hatten wir Gelegenheit nehmen können, un— sere Leser auf die so unübertreffliche Zeitschrift hinzuweisen. In neuester Zeit hat sie wieder dadurch einen bedeutenden Schritt vor⸗ wärts getan, daß sie als Mitherausgeber Professor Dr. Bastian Schmid aus Zwickau verpflichtete, welcher in den weitesten Kreisen durch seine Tätigkeit bekannt ist. Der innere Ausbau der Hefte wird durch diese Aenderung auf das Günstigste beeinflußt, sodaß wir mehr denn je unseren Lesern empfehlen können, ihr Interesse dem Unter⸗ nehmen zuzuwenden. Eine Anzahl neuer bereits durch ihre frühere Wirksamkeit bekannter Mitarbeiter sind so für die Zeitschrift ge⸗ wonnen worden. Wir möchten nur an Franz Rusch erinnern, dessen gemeinverständliche Darstellungen astronomischer Fragen die weiteste Beachtung gefunden haben. Seine Artikel in der Natur,„Die Milch⸗ straße“ und„Was wir vom Monde wissen“ sind geradezu Muster volkstümlicher Schilderung, welche noch dadurch besonders interessant gestaltet sind, daß der Verfasser ihnen eine Anzahl prächtiger und anschaulicher, zum großen Teil selbst entworfener Bilder beigegeben hat. Ganz hervorragend ist auch der mit 16 hübschen Mikrophoto⸗ grammen geschmückte Artikel von E. Reukauf„Der Wasserbär“, welcher das seltsame, possierliche Geschöpfchen in launiger Weise be⸗ handelt. Ausgezeichnet, schon durch das eigenartige Bildermaterial, ist auch der Artikel von Dr. H. Völker„Die Anpassungstypen der Meereskriechtiere unter besonderer Berücksichtigung fossiler Formen.“ Völker hat sich ganz eingehend mit den Skelettfunden beschäftigt, welche er ganz unvoreingenommen durch die Arbeit anderer Forscher studierte. Er kommt auf diese Weise zu Rekonstruktionsergebnissen, welche von der üblichen Form bedeutend abweichen, aber alle Wahr⸗ scheinlichkeit für sich haben. Ein Kapitel, Gedankenfabrik nennt Dr. A. Lipschütz seinen lesenswerten Beitrag„Wie unsere Nerven ent⸗ stehen“, in welchem er die neuesten Forschungsergebnisse über das Wachstum der Nervenfasern mitteilt. Diesen Beitrag finden unsere Leser in Heft 9 der Zeitschrift, welches auch in jeder anderen Weise als Muster hingestellt werden kann. Es ist in ihm nicht ein Artikel, nicht eine Notiz enthalten, welche nicht das vollste Interesse finden würde. Geradezu Aufsehen würde der Beitrag von Prof. Günther „Eingeweidewürmer fleischfressender Pflanzen“ finden, welcher auf
interessant gestaltete Erklärung. Was an diesem Hefte noch beson ders zu begrüßen ist, ist der Umstand, daß die Gesellschaft jetzt wieder zu der alten Einrichtung zurückkehrt, den Heften hin und wieder farbige Tafeln beizugeben. Hier haben wir in 8 naturgetreu illu- strierten und von Künstlerhand entworfenen Bildern, zu welchen Dr. Hoffmann in Gießen einen trefflichen erklärenden Text geschrie⸗ ben hat, den„Entwicklungsgang oder Embryologie des Haushuhnes“ von dem befruchketen Ei bis zur vollständigen Entwicklung des Hühn⸗ chens vor Augen. Die Tafel ist mit solcher Naturtreue ausgeführt, wie man sie wohl kaum in schwer zugänglichen Fachwerken finden dürfte. Die Gesellschaft hat dierdurch wieder gezeigt, daß sie gewillt ist, ihren Mitgliedern(jeder Abonnent der Natur wird ohne Weite⸗ res Mitglied der Gesellschaft) immer neues und wertvolles zu bieten. Wiederholt empfehlen wir daher unseren Lesern, sich ihr anzu⸗ schließen, da die vielen Vergünstigungen, welche sie bietet, in gar keinem Verhältnis zu dem geringen Beitrage von 6.— Mk. jährlich steht. Mit Heft 8 der Natur gelangte die 2. Buchbeilage Eckardt, Prak⸗ tischer Vogelschutz zur Ausgabe, auf welche wir in einer besonderen Besprechung hinweisen wollen. Wenn wir für unsere Leser noch einen Rat abgeben dürfen, so ist er der, daß sie bei der nächsten Buchhandlung oder der Geschäftsstelle der D. N. G. ihre Mitgliedschaft anmelden. 4 Die Photographie mit unsichtbaren Strahlen. Das weiße Licht ist bekanntlich aus roten, blauen, gelben und violetten Strahlen zu⸗ sammengesetzt, von denen jede durch einen bestimmten Lichtfilter isoliert werden kann. Ein roter Filter wird nur rote Strahlen durchlassen und die anderen verschlucken, ein blauer nur blaue usw. Die meisten weißen Lichtquellen senden aber auch noch andere, für das Auge unsichtbare Strahlen aus, die ultraroten, die wir wegen der zu geringen und die ultravioletten Strahlen, die wir wegen der zu großen Schwingungszahl nicht wahrnehmen können. Man kann a auch diese Strahlen durch geeignete Filter isolieren. Wood hat ge⸗ zeigt, daß man z. B. durch ein dünnes Silberplättchen alle Licht⸗ strahlen mit Ausnahme der ultravioletten absorbieren kann. Der Cosmos bringt im Anschluß daran eine Darstellung, wie man mit ultravioletten, also für unser Auge unsichtbaren Strahlen, 2 photographieren kann. Zur Absperrung aller anderen Strahlen mit Ausnahme der ultravioletten brauchte man nur das Objektiv mit einem Silberplättchen, wie es die Apotheker zur Einwicklung der Pillen benutzen, zu überziehen. Aber leider würden wir dann gar keine Aufnahme bekommen, da nämlich das Glas des Objektivs die Eigenschaft hat, gerade die ultravioletten Strahlen zu ver⸗ schlucken. Wir müßten also Objektive aus Quarz oder Bergkrystall verwenden, die zwar für die genannten Strahlen durchlässig sind, aber die unangenehme Eigenschaft haben, sehr teuer zu sein. Nun kann man aber, wie viele garnicht wissen, auch ohne Objektiv, nur durch ein Loch photographieren. Dieses Loch muß freilich sehr klein sein. Man nimmt also das Objektiv heraus und ersetzt es durch. ein Stück geschwärzte Pappe, in die man mit einer glühenden Nadel ein ganz feines Loch von 0,3 Millimeter Durchmesser bohrt. Durch ein solches Loch kann man, allerdings mit einer um ein Viel⸗ 5 faches längeren Exposition, sehr schöne, randscharse und absolut un⸗ verzerrte Bilder erzeugen. 5 9 Klebt man nun mit Gummi karabicum auf dieses Loch ein feines Blättchen Silber, so werden also nur die ultravioletten Strahlen durchgelassen, die bei einer 200 bis 300 mal so langen Belichtungs⸗ 5 zeit als der gewöhnlichen uns jetzt ein photographisches Abbild auf die Platte werfen. Sonderbar genug sieht dieses Abbild freilich aus. Zunächst sind nur diejenigen Farben wirksam, die blau ent⸗ halten, also blau, grün und violett. Alle anderen Farben— gelb, orange, rot, wirken schwarz. Objekte, die sich hinter Glas befinden, 5 also ein Gemälde unter Glas, Augen hinter einer Brille, erschei en gleichfalls nur als schwarzes Loch auf dem Bilde, da ja das Gla die ultravioletten Strahlen verschluckt hat. Eine mit Zinkweiß ein weißes Blatt Papier geschriebene Schrift, die man mit bloß Auge nicht wahrnimmt, wird sichtbar, als wäre sie mit schwarzer Tinte geschrieben. Auf diese Art gemachte Mondaufnahmen haben
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Grund eigener Forschungen in den Tropen entstanden ist. So un⸗ wahrscheinlich den Titel klingen mag, sindet er doch seine vollste und
übrigens Flecken und Streifen ergeben, die man vorher noch n. wahrgenommen hatte. 2 e


