Ausgabe 
1-30 (19.5.1914)
 
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Leipzig den Vorschlag, anstatt des Pulvertz in Dampf verwandeltes

Wasser zu benutzen und dieses Jahr ist daher als das Geburtsjahr der 1 maschine zu betrachten. Die erste Dampsmaschine Papins war so ut, daß in einer Röhre durch ein darunter angebrachtes

1 sser zum Kochen gebracht und durch den sich entwickelnden F e schwerer eiferner Kolben gehoben wird. Alsdann wird er

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n entfernt, der Dampf kühlt sich ab und verdichtet sich zu Wasser und der Luftdruck, sowie das eigene Gewicht des Kolbens treiben diesen wieder nach unten. Ist nun an dem Kolben oben ein Seil. und diefes über eine Rolle geleitet, so kann man an dem anderen Ende des Seiles eine Last en lassen. Diese Maschine hatte noch schwere prinzipielle Mängel. So hätte die Ab⸗ kühlung des Dampfes durch Wasser beschleunigt werden müssen: auch wäre es praktischer gewesen, die Feuerungsquelle getrennt von der Maschine anzulegen, um so das Wegtragen des Ofens zu ver⸗ meiden. Tatsächlich war die Erfindung auch praktisch unbrauchbar und so ließ Papin sie zunächst liegen, um dann 15 Jahre später, als er von der Dampfmaschine des Engländers Severy hörte, auf der von diesem gefundenen Grundlage sich weiter mit dem Problem zu beschäftigen. Er baute jetzt eine Maschine, in der der Dampf Wasser aus einem Gefäß verdrängte, das dann irgendwo Arbeit leistete. Berdichtete sich der Dampf wieder, so mußte neues Wasser aus der Erde oder einer fonstigen Wasserquelle gezogen werden. Obwohl dieses Prinzip an sich unrationeller als das oben beschriebene war, da durch die Berührung des Dampfes mit dem Wasser der größte Teil der Wärme ungenützt verloren ging, so gelang es Papin. doch, mit einer von ihm gebauten Maschine ein Boot auf der Fulda zu treiben, das also den ersten Fall einer praktischen Verwertung der Dampfkraft darstellt.

Infolge von Mißhelligkeiten wollte Papin Deutschland ver⸗ lassen und nach Englang zurückkehren, wo er sich von seiner Er⸗ findung große Ehren und Reichtümer versprach. Er fuhr deshalb mit seinem Boot die Weser hinunter bis nach Bremen und hier er⸗ eilte ihn das tragische Geschick, daß sein Boot von den eifersüchtigen Schiffern, die glaubten, daß seine Erfindung ihnen das Brot nehmen könnte, zerstört wurde. Ein Akt von wahrhaft symbolischer Bedeu⸗ tung: ein paar armselige Schiffersknechte, die glauben, durch eine Tat der Roheit den Slegeslauf einer Erfindung aufzuhalten, die wie keine andere innerhalb der letzten 500 Jahre das Antlitz der Erde, unsere ganzen gefellschaftlichen und wirtschaftlichen Zustände umgestalten sollte.

Elend und gebrochen kam Papin wieder nach London, wo er vergeblich die Unterstützung der Königlichen Gesellschaft für neue Erfindungen zu erhalten versuchte. 1713 verläßt er die Stadt zum dritten Male und begibt sich nach Holland. Das letzte Lebenszeichen, das wir von ihm haben, ist ein Brief von Leibnitz aus dem Jahre 1714, in dem der Philofoph sein Bedauern über das Verschwinden desgelehrten französischen Mathematikers und Maschinisten aus⸗ spricht, zugleich mit der Hoffnung, daß man bald etwas von ihm

ören möchte. Diese Hoffnung ist nicht in Erfüllung gegangen.

8 in ist offenbar in Holland bald darauf ungekannt und ungeehrt

ö 3 so daß wir heute nicht einmal wissen, wo seine Gebeine ruhen. Seine Erfindung wurde im Jahre 1769 durch den Engländer James Watt in wirklich praktisch brauchbarer Form ausgebaut, um von da ab ihren Siegeslauf um die Erde anzutreten. Schwerlich hat wohl der unglückliche Marburger Professor geahnt, welche unge⸗ heuren Entwicklungsmöglichkeiten seiner bescheidenen Erfindung inne wohnten.

Die Ermüdung bei der Arbeit.

Die Schwierigkeit der Feststellung der Ermüdung bei der Arbeit liegt nach Prof. Roth in Potsdam vor allem darin,

daß diese je nach der Art der Arbeit und der Arbeitsdauer

für jeden Berufszweig anders gelagert ist, und daß speziell für die Frage der Ermüdung neben den beruflichen auch wirt schaftliche soziale und persönliche Momente von großer Be deutung sind. Für die Leistungen einer bestimmten Arbeits- energie ist vor allem der Grad der Entwicklung der bei der

Arbeit in Anspruch genommenen Organe, der Muskeln und

Nerven ausschlaggebend. Ermüdung ist die natürliche Folge körperlicher oder geistiger Arbeit. Uebermüdung die Folge einer innerhalb der Norm nicht wieder ausgeglichenen Er müdung; je mehr die Ermüdung zur Uebermüdung führt, um so leichter entwickelt sich sog. reizbare Schwäche. Bei den

Arbeitern spielt die Art der Muskelarbeit eine große Rolle, bob einzelne Muskeln übermäßig angestrengt werden, ob die Körperhaltung eine freie oder gezwungene ist und nament⸗ lliüch, ob die Bauch- und Brustatmung bei der Arbeit behindert

Hund dadurch der Abfluß des Blutes aus den Blutadern er schwert wird. Infolge der körperlichen Anstrengungen kommt es zur Bildung von Ermüdungsstoffen in den Muskeln. Mit der Bildung der Ermüdungsstoffe in den arbeitenden Mus-

keln geht der Verbrauch des Körpergewebes, speziell der

arbeitenden Muskeln und des Fettes, Hand in Hand. Von

einmal die Ernährung und dann die Ruhe. Symptome der Ermüdung sind Vertiefung der Atemzüge, Beschleunigung des Pulses, Ansteigen der Körperwärme und Abnahme der Arbeitsleistung. Jede körperliche Arbeit macht, wenn sie ein gewisses Maß übersteigt, für geistige Arbeit unfähig; die sinnliche Wahrnehmung wird dann langsamer und ungenauer; dementsprechend wird die Unterscheidung für jegliche Art von Wahrnehmung unsicher und fehlerhaft. Wird die Ermüdung durch Ruhe und Ernährung nicht wieder ausgeglichen, so kommt es in den besonders in Anspruch genommenen Or ganen zu Entzündungen, z. B. Sehnenscheidenentzündungen, Schiefhals, Plattfüße, Krampfadern; Schädigungen der Augen durch Uebermüdung sind die Nachtblindheit, das Augen- zittern der Bergleute. In den Nerven treten infolge der örtlichen Uebermüdung Nervenschmerzen und Krämpfe auf. Am Herzen zeigen sich Veränderungen in Form von Er⸗ weiterung, auch die Arterienverkalkung ist als eine Ueber⸗ müdungserscheinung aufzufassen. Für die Beseitigung der Ermüdung kommt ausreichende Erholung und Ernährung in Frage. Während kürzere Wege zur Arbeitsstätte bei Sitz arbeitern infolge der dadurch bewirkten Ventilation der Lungen als gesundheitlich günstig wirkend zu erachten sind, machen sich die schädlichen Wirkungen weiter Wege, besonders bei schlechter Witterung, bemerklich. Es muß daran festge⸗ halten werden, daß eine entsprechende Ruhezeit in der Mitte, des Tages ein wichtiges Moment für die Erleichterung der Arbeit und die Schonung der Kräfte darstellt. Gezwungene Körperhaltung und einseitige Inanspruchnahme einzelner Muskeln begünstigen den vorzeitigen Eintritt der Ermüdung, desgleichen anhaltende heftige Geräusche und Erschütterungen, frühzeitige Schweißabsonderung durch hohe Wärmegrade, narkotische Mittel und Alkohol. Je mehr die körperliche Ar⸗ beit gleichzeitig geistig anstrengend ist, rungen sie an die Verantwortlichkeit und Aufmerksamkeit der Arbeiter stellt, um so früher tritt die Ermüdung ein. In vorbeugender Hinsicht ergibt sich die Forderung, daß die Ar. beitsintensität im Interesse der Gesundheit der Arbeiter ein gewisses Maß nicht übersteigen darf.

Das Pepsin der Insekten.

kos. Um Leuten mit schwachem Magen die Verdauung zu er⸗ leichtern, schaben die Versertiger pharmazeutischer Erzeugnisse sorg⸗ fältig gereinigte Schweine⸗, Lämmer⸗ oder Kälbermagen auf der inneren Seite mit einem Knochenmesser und erhalten so(nach Ver⸗ mengung dieses Schleimes mit gewissen Zutaten und späterem Filtrieren und Trocknen) Pepsin. Es ist dies eine von den Lab⸗ drüsen der Magenschleimhaut abgesonderte, ferment⸗(d. h. gärungs⸗ oder fäulnis⸗) artig wirkende Substanz, welche die Eigenschaft be⸗ sitzt, eiweißartige Körper, insbesondere das Muskelfleisch, aufzu⸗ lösen. Wenn die Pepsinfabrikanten den Magen der Brummexlarve abschaben könnten, so schreibt der bekannte französische Insekten⸗ forscher J. H. Fabre, würden sie ein Erzeugnis von viel hervor⸗ ragenderer Beschaffenheit erhalten, denn jener Wurm besitzt seine eigene Sorte Pepsin von ganz einziger Wirksamkeit.

Zum Beweis teilt Fabre einige Versuche mit, die er ausgeführt hat.Ich zerschneide in siedendem Wasser gekochtes Eiweiß ir Würfelchen, die ich in ein kleines Probierglas fülle. Auf ihre Ober⸗ fläche streue ich Eier der Schmeißfliege. Ein ähnliches Glas empfängt das Weiße eines gekochten Eies, jedoch nicht mit Fliegeneiern besetzt. Beide Gefäße, mit einem Wattefropf verschlossen, bleiben dann in einem dunklen Winkel stehen.

Nach einigen Tagen enthält die Röhre, in der das neugeborene Gewürm wimmelt, eine klare, wie Wasser durchsichtige Flüssigkeit; wenn ich es umstülpte, würde nichts darinbleiben. Alles Eiweiß ist

verschwunden, flüssig geworden. Was die Larven betrifft, die schon

ein bißchen gewachsen sinb, so scheinen sie sich sehr unbehaglich m fühlen. Die meisten vermögen ohne Unterstützung nicht die atem⸗ bare Luft zu erreichen, sie tauchen in die von ihnen hergestellte Brühe unter und ertrinken darin. Einige, die kräftiger sind, schlängeln sich längs des Glases bis zu dem Wattefropf hin und bringen es fertig. sich hindurchzuarbeiten. Ihre hakenbewehrte Leibesspitze ist der Nagel, der durch die faserige Masse dringt. In der Röhre ohne Larven, die, neben der anderen stehend, den gleichen atmosphärischen Einwirkungen ausgesetzt ist, geht nichts Bemerkenswertes vor. Die aus diesem einfachen Versuch zu ziehende Folgerung liegt klar u⸗ tage; die Einwirkung der Brummerlarve verwandelt gekochtes Ei⸗ weiß in Flüssigkeit.

Man bewertet das pharmazeutische Pepsin nach der Quantität des gekochten Eiweißes, die ein Gramm dieses Pulvers flilssig machen

von 60 Grad ausgesetzt und außerdem häufig geschüttelt

kann. Die Mischung muß in einem Trockenofen einer N Meine Zubereitung. in der die Larven der Schmeißfliege aus den

brößter Wichtigkeit für die arbeitenden Muskeln ist daher

je höhere Anforde-