waltige Hitze ausnutzen, so ist das ein doppelter Vorteil. Ein Hoch⸗ ofenwerk hat den Versuch gemacht, durch Einleiten der glühenden Schlacke in das Wasser eines Kessels billig Dampf zu erzeugen. Man leitete glühende Hochosenschlacken unmittelbar in das Wasser des Kessels. Damit sich dabei keine Säuren bilden, die den Kessel und bie Maschinen anfressen, geschieht das unter Luftabschluß. Drei Minuten nach Eintreten des Schlackenstromes setzt die Dampfbildung ein. Der Versuch hat vorzügliche Resultate ergeben; der Dampf ist völlig säurefrei und es steht zu hoffen, daß die Abwärmen der Hoch⸗ ofenprozesse eine weitere Verwendung finden.
Erfreulich für den Techniker ist auch, wenn die Natur selbst Billige oder gar nichts kostende Energieschätze hergibt. So hat man sich in neuerer Zeit viel der Verwendung von Naturgas zuge⸗ wandt, von dem an manchen Stellen der Erde reichliche Quellen fließen. Die Canadian Western Natural Gas⸗Co. hat im Jahre 1913 täglich bis zu 740 000 Kubikmeter Naturgas geliefert und kann noch weit mehr liefern, da der Druck auf dem Grunde des Vohr⸗ loches bis auf den heutigen Tag nicht nachgelassen hat und immer noch 42 Atmosphären beträgt. Bisher ist eine Rohrleitung bis Calvary vorhanden, die nicht weniger als 288 Kilometer lang ist. Das zeigt an, wie lohnend die Gewinnung sein muß. Man baut noch eine zweite, die eine ganze Reihe Städte mit Gas versorgen soll. Den bisher vorhandenen 18 Bohrlöchern kann man täglich bis zu 5 Millionen Kubikmeter Gas abzapfen.
Die Naturgasquellen pflegen mehr zu liefern, als man in den meist nicht allzu kultivierten Qnellengebieten verbrauchen kann. Man ist deshalb auf die ingeniöse Idee verfallen, das Erdgas zu verflüssigen und zum Betriebe von Explosionsmotoren zu verwenden. Die Versuche, die nach einem Verfahren angestellt wur⸗ den, das Albert M. Schenk in Wheeling, Virginia, geschützt worden ist, sollen von bestem Erfolge gekrönt worden sein. Der Preis des verflüssigten Erdgases soll auf die Hälfte des Petroleumpreises sest⸗ gesetzt werden lönnen.
Kleine Erdarbeiten, namentlich, wenn sie vielfach in derselben Weise wiederkehren, werden in Amerika mit großem Erfolge und wachsender Ausdehnung mit Hilfe von Dynamit bewerkstelligt. In einem Falle lag z. B. die Aufgabe vor, im Winter eine oberirdische Telegraphenleitung schnell herzustellen. Der Boden war etwa einen Meter tief gefroren, so daß die Arbeit mit der Spitzhacke allein außerordentlich zeitraubend gewesen wäre. Man hat in diesem
lle zur Herstellung der Löcher für die Leitungsmasten zum
unamit gegriffen. Damit hat man zwei Vorteile zugleich er⸗ 1 1 einmal geht die Arbeit sehr viel schneller, dann aber stellt ie sich um 15 bis 20 Prozent billiger als reine Handarbeit. Man geht dabei in der Weise vor, daß ein 75 Zentimeter tiefes Loch mit Hacke und Spaten ausgehoben, sodann ein 75 Zentimeter tiefes Bohrloch hergestellt wird, in das man die Dynamitpatrone hinab⸗ führt und sie entzündet. Die Explosion reißt ein 1½ Meter tiefes Loch, das im Durchmesser mit dem zuerst von Hand aufgeworfenen übereinstimmt und sich zum Einsetzen der Maste vorzüglich eignete. In derselben Weise benutzt man Dynamit zum Aussprengen von Löchern für das Einsetzen von Bäumen. Man hat dabei zugleich den Vorteil, daß das umliegende Erdreich aufgelockert wird und den sich ausbreitenden Würzelchen und der Feuchtigkeit gutes Eindringen ermöglicht.
Der Lichthunger, der unsere Zeit auszeichnet, findet immer neue Nahrung. Jahrhundertelang hat die Beleuchtungstechnik ge⸗ schlafen und blieb auf demselben Standpunkte stehen; nun aber, wo man meinen sollte, wir wären gesättigt und hätten des Neuen genug, überstürzen sich die Erfindungen. Der Bogenlampe folgte die hoch⸗ wertige Metallfadenlampe, die Quecksilber- und die Quarzlampe, dem Gasglühlicht die Preßgasbeleuchtung. Jetzt kommt Dr. H. Greinacher wieder mit einer Neuheit, die er die Kathodenglühlampe nennt. Bei elektrischen Entladungen im luftverdünnten Raume, die 9 zwei Polen, der Anode und der Kathode erfolgen, erhitzt
ch die Anode nur sehr schwach, die Kathode dagegen sehr stark, denn ie wird durch die elektrischen Entladungen zerstört, von ihr werden immerwährend kleine Teilchen abgerissen und fortgeschleudert, die wir in den Kathodenstrahlen wiederfinden. Greinacher fand nun, daß der Glühstift der Nernstlampe der Zerstäubung nicht oder nur sehr wenig ausgesetzt war, und fand ihn daher geeignet, seine Lampe auszuführen, die auf der starken Erhitzung der Kathode beruht. Seine Probelampe besteht aus einer Glaskugel von 14 Zentimeter Durchmesser mit zwei einander gegenüberliegenden Ansatzröhren, in denen je eine in den Kugelraum hineinragende dickwandige Röhre aus Quarz angeordnet ist. Am kugeligen Ende der 2 Millimeter weiten Bohrung dieser Quarzröhrchen sind die Nernststifte besestigt, von denen Anschlußdrähte nach den Einschmelzstellen am äußeren Ende der Ansatzröhren führen. Die Ansatzdrähte sind eingekittet, die Nernststifte sind nur wenig in die Quarzröhren eingelassen, so daß die elektrischen Entladungen von den Stiften ausgehen müssen. Die geeignete Luftleere(einige Millimeter Quecksilber) läßt bei einer Wechselstromspannung von 1000 Volt vom Grunde der Stifte eine blaue Glimmentladung ausgehen, die rasch bis zur Spitze fort⸗ schreitet. Die Glimmentladung erwärmt die Stifte und macht sie leitend, so daß die Stromstärke anwächst und die Stifte in wenigen Sekunden zur hellen Weißalut erhitzt. Die erste Lampe verbrauchte 90 Watt und ergab dabei 50 Kerzen. Soll die neue Lampe mit den vorhandenen Metallfadenlampen konkurrieren können, so muß sich einmal die Spannung wesentlich herabsetzen, sodann aber auch der Verbrauch auch über die Hälfte vermindern lassen. Die Herab⸗ setzung der Spannung hofft man durch geeignete Gasflüllungen— twa mit Helium— durchzuführen und auf das zweite dürfen wir bel dem rastlosen Fortschresten der Technik auch hoffen.
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Aus unserer Sammelmappe.
Symbiose in Getreidekörnern. Zu den wichtigsten in den Ge treidelörnern vorhandenen Stoffen zählt das Aleuron, ein Eiwelß⸗ stoff, der viel zum Nährwert des Getreides beiträgt und in Form von kleinen Körnchen, den Aleuronzellen, auftritt. Nun machte kürz: lich ein Forscher(Peklo) eine interessante Beobachtung. Er enk⸗ ö deckte nämlich in der noch unreifen Kornfrucht ein feines Pilz⸗ geflecht, dem die Aleurenzellen fest aufsaßen, und zwar ganz wie bei der echten Symbjose, d. h. der dauernden Vereinigung zweier ver⸗ schiedener Organismen mit dem Zwecke des gegenseitigen Vorteiles. Da diese Beobachtung den Forscher zu der Annahme berechtigt, daß auch die Stärke im Getreidekorn durch die Tätigkeit diefes Pilzes gebildet wird, so haben wir hier, falls auch die weiteren Unter⸗ suchungen von Erfolg begleitet sind, zweifellos eine der interessan⸗ testen Entdeckungen der modernen Botanik vor uns. 5
Die Stiftungen der Milliardäre im Lichte der Wahrheit. Dieses Thema findet in einem vor einem Jahre erschienenen Buche von Professor Wilhelm Ostwald„Der energetische Imperativ“ eine höchst beachtenswerte Beleuchtung. Die Mitteilung entstand ge⸗ legentlich eines Festvortrages, den Ostwald im Jahre 1910 vor den Jenenser Studenten zur Vorfeier der Einweihung des Ernst Abbe⸗-Denkmals hielt, in dem er„Abbe als Führer“ schilderte und die hochherzige Stiftung dieses Mannes und seine Lebensführung N der amerikanischen Kapitalprotzen gegenüberstellte.
r sagte:
„Wir leben in einer Zeit, wo wissenschaftliche und andere Stif⸗ tungen von allen Seiten und in Beträgen von vielen Millionen ge⸗ macht werden. Insbesondere aus Amerika erfahren wir täglich von derartigen Stiftungen, welche immer wieder von neuem darauf hinweisen, daß die amerikanischen Großkapitalisten ein gewisses Be⸗ dürfnis empfinden, wenigstens einen kleinen Teil ihres Vermögens für hochstehende und edle Zwecke zu verwenden. Aber als ich diese Verhältnisse seinerzeit an Ort und Stelle eingehender zu studieren in der Lage war, überzeugte ich mich, daß sie in der Nähe wesentlich geringwertiger aussehen, als sie von ferne ohne genaue Kenntnis der tatsächlichen Verhältnisse erscheinen. Um nämlich die vorhan⸗ denen Umstände richtig beurteilen zu können, muß man sich dessen erinnern, daß es in Amerika weder Titel noch Orden noch irgend⸗ welche andere allgemein anerkannte Formen gesellschaftlicher Aus⸗ zeichnung gibt. Somit sind diejenigen, die nach solcher Auszeichnung streben, dazu genötigt, sich eigne Wege für diefen Weg zu bahnen, und unter diesen Wegen sind die Stiftungen zu humanitären und wissenschaftlichen Zwecken die belieblesten, weil sie am besten bekannt und anerkannt werden. Aber die Schilderungen derjenigen von meinen Kollegen, welche in der Lage waren, b Stiftungen zu aktivieren, haben mir dann gezeigt, wie wenig stehend in vielen aa die Gedanken waren, von denen die Stifter geleitet wurden. Sehr oft kam es ihnen nur darauf an, eine möglichst protzig aus⸗ sehende, tunlichst aus Marmor gebaute Fassade 1 erlangen, auf welcher in großen goldenen Lettern ihr Name angebracht war. Was hinter der Fassade gebaut wurde, und insbesondere in welche Maße für die ünscheinbaren, aber umso kostspieligeren wissenschaft⸗ lichen Bedürfnisse der Anstalten gesorgt war, kam ihnen erst in dritter Linie wichtig vor, und meine Kollegen erzählten von heftigen und anstrengenden Kämpfen, die sie durchzumachen gehabt Ric um für den eigentlichen Zweck derartiger Stiftungen 71 leidlichen Anteil des Stiftungskapitals zu retten. Wenn man eine an⸗ schauliche Vorstellung von diesem durchschnittlichen Geiste des ameri⸗ lanischen Stifters machen will, so braucht man sich z. B. nur die berühmte Lick⸗Sternwarte in Kalifornien anzusehen, wo ein reicher Zuckerhändler oder Börsenmann ein Fernrohr gestiftet hat, welches damals und lange hernach das größte in der Welt war. Er hat sich dann unter dem Hauptteile des Trägers dieses Fernrohres begraben und mit deutlichen Lettern auf einer metallenen Platte dafür fsorgen lassen, daß alle Besucher, welche zahlreich auf diese Sternwarte zu kommen pflegen(sie ist so etwas wie ein nationales Aal a auch
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genau erfahren, daß gerade er jene Stiftung vollbracht habe. er hat sich offenbar vorgestellt, daß es ihm auch im Tode angenehm sein würde, so die Anerkennung seiner Landsleute dauernd einzu⸗ heimsen und sich von der Erreichung des Resultats zu überzeugen, für welches er die betreffenden Geldsummen geopfert hatte.“ 2
Ueber die Weltproduktion in Büchern bringt die französische Zeitschrift Cosmos eine interessante Uebersicht. In den ersten primitiven Zeiten der Buchdruckerkunst, die wir von 1436 bis 1500 a rechnen, wurden schätzungsweise etwa 30 000 Blücher gedruckt, von denen 20 000 auf Deutschland, 6650 auf Italien, 2050 auf Holland und 1125 auf Frankreich entfielen. Seitdem hat sich die Bücher⸗ produktion in folgender Weise gesteigert: 1500—1600 287000, 16000 bis 1700 972 000, 1700-1800 1 636 000, 18001900 6 119 000, 1900-1908 1395 000. Die durchschnittliche Jahresproduktion an Büchern betrug im 16. Jahrhundert 2500 Werke, im 17. Jahrhundert 10 000, im 18. Jahrhundert 16000, im 19. Jahrhundert 50 000 und im 20. Jahrhundert 174000 Werke. Die Bücherflut ist also unau 2 hörlich, und zwar im unheimlichen Tempo gewachsen. Man weiß nicht, worüber man mehr staunen soll: daß es so viel Menschen gibt, die Bücher schreiben und Gegenstände, über die geschrieben werden kann oder darüber, daß diese Bücher alle einen Verleger und, was noch mehr sagen will, alle ihre Leser finden. Um zu der tatsächlick hergestellten Zahl von Einzelexemplaren zu kommen, müßte man d obengenannten Jissern noch mit der Höhe der einzelnen Aufla multiplizieren. Wir würden dann zu einer 5—10 000 mal so gro
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Zisser gelangen und begreifen, daß man jedenfalls mit einem ge⸗ wiffen Rechte unser Zestalter das paplerne genannt bat,


