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den Stand der heutigen Produktion vor Augen führen. Das dort
rgestellte Papier wird in der angrenzenden Zeitungsdruckerei, auf rei fausenden Rotationsmaschinen größten Typs sofort verbraucht. Rund herum liegt die Ausstellung der Tagespresse mit einer ge⸗ schichtlichen Darstellung des Zeitungs⸗ und Nachrichtenwesens. In dieser Abteilung ist auch die sozialdemokratische Partei mit ihrer Presse und ihrer Buchliteratur vertreten. Der Nachrichtenüber⸗ mittelung sind vier umfangreiche Sonderausstellungen vorgelagert: die Thurn und Taxissche Post zeigt die Entwicklung des ältesten Post⸗ wesens, woran sich das Reichspostmuseum schließt. Ferner wird die photographische Berichterstattung durch fernphotographische Apparate und die drahtlose Telegraphie durch eine betriebsmäßige Station vertreten sein.
Nicht minder große Beachtung verdient der„Tempel der Fach⸗ presse“ und die Ausstellung für Stenographie. Die Fachpresse wird unächst in ihrem historischen Werdegang vorgeführt und in zweiter
inie im Rahmen ihrer wirtschaftlichen Bedeutung. Im„Tempel der Fachpresse“ figuriert auch die Generalkommission der Gewerk⸗ schaften Deutschlands als Ausstellerin der gesamten Presse der ihr angeschlossenen Gewerkschaften. Neben den jeweiligen neuesten Nummern der Gewerkschaftsblätter wird namentlich geschichtliches Material über die Gewerkschaftsbewegung zu finden sein.
Besonderes Interesse beansprucht die„Straße der Nationen“, so genannt, weil hier die fremden Staaten ihre Ausstellungspaläste errichteten. Diese Straße erstreckt sich von der„Halle der Kultur“ bis zum gegenüberliegenden mehrstöckigen Verwaltungsgebäude. Zur Rechten erheben sich die Staatsgebäude Italiens und Frankreichs, zwei ganz in weiß gehaltene und im Renaissancestil aufgeführte stattliche Gebäude. Zwischen biesen beiden steht etwas eingerückt die internationale Sonderausstellung„Der Kaufmann“. In ihr wird gezeigt, wie zugleich mit der immer wachsenden Bedeutung des Handels von den vergangenen Zeiten bis zur Gegenwart das kaufmännische Bildungswesen sich von den primittosten Ansängen bis zu seiner heutigen Reichhaltigkeit und Bedeutung entwickelt hat. Auf der linken Seite der Straße der Nationen erblickt man den Esperantopavillon und daneben finden die Häuser der japanischen Holzschneider ihren Platz. Ein besonders charakteristisches Gepräge nationaler Bauart trägt das Staatsgebäude. Englands, ein im Tudorstil aufgeführter und von einem zinnengekrönten Turm über- ragter Bau. Neben England erhebt sich das russische Staatsgebäude, ein genaues Abbilb des Moskauer Kreml. Hinter dem englischen Gebäude liegt der zierliche Pavillon der Sonderausstellung„Die Reklamemarke“. Auf der gegenüberliegenden Seite stehen das öster⸗ reichische Staatsgebäude und der Pavillon des sächsischen Staates, der die Ausstellungen der Leipziger Buchgewerbe⸗Hochschule und des Börsenvereins der beutschen Buchhändler beherbergt. Im Hinter⸗ grunde erblickt man die Sonderausstellung„Deutschland im Bild“.
Den geistigen Mittelpunkt der ganzen Ausstellung bildet die „Halle der Kultur“. Sie steht unter Leitung des bekannten Leipziger Kulturhistorikers Professor Dr. Lamprecht, der von den bedeutenden Gelehrten unterstützt wird. In dieser Kulturhalle wird unter Berücksichtigung aller Völker und Zeiten gezeigt, wie Buchgewerbe und Graphik mit ihren Vorläusern seit Jahrtausenden sich entwickelt baben und wie sich in ihnen die verschiedenen Kulturstufen der Menschheit wiederspiegeln. In zwei großen Anbauten der Halle werden ferner zwei der bedeutendsten Gruppen der Ausstellung, graphische Kunst und Photographie zur Schau gestellt.
Der jenseits der Hauptbrücke liegende große Vergnügungspark kommt dem Bedürfnis nach Erholung und Ablenkung nur im be⸗ dingten Maße entgegen, denn auch hier gibt es mancherlei zu schauen. Die im„Akademischen Viertel“ gelegene Sonderausstellung„Der Student“ flihrt das gesamte Studentenwesen unter besonderer Berück⸗ sichtigung des studentischen Einflusses auf das Bildungswesen vor Augen. Außerdem wird hier der einschlägigen Industrie Gelegen— heit zur Ausstellung ihrer Erzeugnisse geboten. Durch einen wuchtigen Torturm gelangt man auf einen geräumigen Kneiphof mit überraschend naturwahren Nachbildungen der schönsten Teile des Heidelberger Schlosses. Ein modernes Verbindungshaus und ein großer Platz zu szenischen Darstellungen sind ebenfalls vorhanden. Den Fachleuten aus den graphischen Gewerben bietet das geräumige „Zunfthaus“ eine behagliche und anheimelnde Stätte. Mit heiteren Wandgemälden aus dem Berufsleben erweckt es von vornherein jene Stimmung. die zur Entfaltung einer frohen Geselligkeit nun einmal unentbehrlich ist. Damit sind jedoch die Stätten der Er⸗ holung und des Frohsinns bei weitem nicht erschöpft, denn an Kurz⸗ weil originellster Art herrscht in der Tat kein Mangel. Vielleicht ist das Bedürfnis danach gerade bei einer Weltausstellung wie die „Bugra“ gegeben, deren endlose Fülle von sehenswertem Material dem Besucher auf geschickte und reizvolle Art vermittelt wird. Bis zur völligen Fertigstellung dürften allerdings noch Wochen vergehen.
Durch billigere Eintrittspreise kam die Ausstellungsleitung eben sowohl dem Bildungsbedürfnis der graphischen wie der allgemeinen Arbeiterschaft entgegen.
Es ist natürlich eine Unmöglichkeit, auf einem flüchtigen Rund⸗
15 gange der umfassenden kulturellen Bedeutung der Leipziger Aus⸗
f stellung auch nur annähernd gerecht zu werden. So viel darf aber
heute schon als sicher gelten: Um Wissen und Erkenntnis ringende
Menschen können und werden an der„Bugra“ nicht achtlos vor⸗ übergehen.
Technische Umsch au.
Feuerlöschwesen mit Schaum und Sägespänen— Das Rosten des Eisens zu verhindern— Eisenhütten⸗ wesen für jedermann— Heizung mit Absallwärme— Naturgas und verflüssigtes Erdgas— Bäumepflanzen mit Dynamit— Schon wieder eine neue Lampe.
Feuerlöschmittel bei schwer und mit Wasser überhaupt nicht löschbaren Bränden, namentlich solcher Stosse wie Benzin, werden noch immer gesucht. Man hat neuerdings mit Ersolg Säge- [päne dafür benutzt. Die Wirksamkeit dieses Mittels beruht darauf, daß sie an den brennenden Stossen schwimmen, dadurch den Zutritt von Sauerstoff abschneiden, die Flammen ersticken und, da sie sich selbst nur schwer entzünden und bei einer Entzündung 97! Flamme und unter sehr geringer Wärmeentwicklung verbrennen, die unter ihnen befindlichen Flüssigkeiten kein neues Feuer fangen lassen. Bei Benzin lassen sich Sägespäne nur verwenden, wenn man es auf den Erdboden verschütten kann oder wenn die brennenden Behälter nicht zu groß sind, denn sonst sinken sie zu schnell unter. Sie lassen sich aber sehr aut bei dicken Flüssigkeiten wie Lacken, Farben und dergl. benutzen. Dabei ist es gleich, ob man Sägespäne von Hart⸗ oder von Weichholz, ob man sie feucht oder trocken deus wendet. Eine Verbesserung der Löschwirkung und sparsamerer Verbrauch wird dadurch erzielt, daß man den Spänen doppelkohlen⸗ saures Natron beimischt. 5
Für die Ablöschung von Benzinbränden hat sich ein anderes Verfahren, das von Laurent stammt, gelegentlich umfang⸗ reicherer Versuche in Wilhelmsburg und Harburg an der Elbe schon vor einigen Jahren sehr aut bewährt. Gelingt es, auf der brennen den Flüssigkeitsoberfläche einen nicht brennbaren Schaum zu ent wickeln, so kann die Flüßfigkeit auch nicht mehr weiterbrennen. Das läßt sich z. B. durch eine mit schaumbildenden Stoffen vermischte Natronlösung und eine reine Alaunlösung bewerkstelligen. Sießt man beide Stoffe zu gleichen Teilen zusammen, so entsteht ohne jeden Rückstand ein gelblichweißer Schaum, den man nun mit Hil eines Schlauches auf die Flüssigkeitsoberfläche leitet. Der se beständige Schaum breitet sich, nachdem er zunächst einen Haufen gebildet hat, bei weiterer Zufuhr allmählich über die ganze Fläche aus und schließt sie luftdicht ab, so daß der Brand gelöscht wird. Benzin bleibt unter dem Schaum unverändert; entfernt man den Schaum, so brennt es sogleich weiter. Der Schaum hält sich auf Benzin sehr gut; er verliert innerhalb 20 Minuten 28 Prozent, aber das genügt gewöhnlich zur Ablöschung. In Wilhelmsburg wurde ein fast 4 Quadratmeter großer, ½ Meter tieser gefüllter Venzin⸗ keller mit 80 Litern Schaum in 17 Minute abgelöscht.
Das Rosten des Eisens und des Stahles ist ein schweres Uebel, das der sonst so vorteilhaften Verwendung dieser Baustoffe für den Konstruktionsbau anhaftet. Für manche Zwecke ist es be⸗ reits gelungen, Gegenmittel ausfindig zu machen. Neuerdings wird über Versuche der American Sheet and Tin Plate Co. berichtet, die mit gewöhnlichem basischem Martinstahl und mit Bessemerstahl an⸗ gestellt wurden. Dem Stahl wurden im Osen oder in ber Bessemer⸗ birne einmal 0,15 Prozent, das andere Mal 0,25 Prozent Kupfer beigegeben. Man walzle ihn daraufhin aus und verarbeitete ihn zu Wellblech, das im Freien der Einwirkung des Wetters ausgesetzt wurde. Die Versuche haben ergeben, daß die kupferhaltigen Bleche dem Rosten ungefähr doppelt so lange widerstanden haben wie kupferfreie, wobei der Kupfergehalt unwesentlich zu sein schien. Dem Angriffe von Säuren mit 25 Prozent Schwefelsäurerehalt wider⸗ standen die kupferhaltige Bleche 80 bis 100 mal so kräftig wie reine Stahlbleche.
Wir benutzten soeben einige hlittenmännische Ausdrücke. Das ist eine mißliche Sache, denn so wichtig auch das Elsenhütten⸗ wesen ist so sind doch nur wenige mit den Vorgängen und dem Wesen der Sache vertraut. Eine allgemeine Darstellung dieses Ge⸗ bietes wird daher von vielen begrüßt werden. Eine solche hal Prof. H. Jüptner von Jonstorff in seinem Buche„Das Eisenhütten⸗ wesen“(Leipzig, Akademische Verlagsgesellschaft. Pr. 6.80 Mark) gegeben. Was das Buch vor den zahlreichen anderen über diesen Stoff voraus hat, ist die interessante und ausführliche Darstellung des„Altertums“ und des„Mittelalters der Eisenerzeugung“, die man bis zum Jahre 1860 rechnet. Der Verfasser würdigt die Ent⸗ wicklung der Eisenerzeugung in vorgeschichtlicher Zeit, bei den Aegyptern, Griechen und Römern, in China und Japan und bei den anderen asiatischen Völkern. Dann folgt die Behandlung des „Mittelalters der Eisenerzeugung“ und schließlich die Neuzeit. Diese ist eigentlich nicht so aut weggekommen, doch ist das nicht schlimm, weil wir gerade dafür recht gute Werke wie das von H. Wedding und das von Ledebur besitzen. Dankenswert ist dagegen Abschnitt des Buches, der sich mit der technischen, vo
prüsung darbietet. Das Buch zeichnet sich vor allen Dingen auch durch schönen klaren Druck und gute Figuren und Bilder aus. Eine merkwürdige Kesselheizung ist in Middlesbrough in Nord england in Betrieb gewesen und hat sich bewährt. Alles, wa glühend heiß weggeworsen werden muß, ist ein Verlust an Energie Um einen Stoff auf Gluttemperatur zu bringen, muß man viele Wärme aufwenden, die sich in barer Münze ausdrücken läßt. Kann man nun die Wärme eines fertigen Produkts oder eines Abfall⸗ produkts ausnutzen, so ist damit nicht bloß ein persönlicher Vorteit verbunden, sondern auch ein volkswirtschaftlicher Nutzen. Glühende Hochofenschlacke ist ein solches Hochofenprodukt. Man will die Schlacke gern schnell abkühlen. Kann man nun gar noch ihre 9
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