Ausgabe 
1-30 (5.5.1914)
 
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menlebens in Wohn- und Schlafräumen mit Gefunden, besonders stücksicht auf die Kinder; 4. Abkochen der Milch. . gehört zu den heilbarsten Krankheiten, enn die Behandlung* eingeleitet wird. Wer deshalb sucht bemerkt, wie dauernden Husten, A. Fiebergefühl, Nacht⸗ schweiße, Kurzatmigkeit und Bluthusten, wende sich rechtzeitig an enen Arzt. Angehörige von Lungenkranken, besonders Eltern, Kinder und Geschwister von an Tuberkulose Leidenden oder Ver⸗ storbenen follen sich in regelmäßigen Zwischenräumen ärztlich unter⸗ suchen lassen, um rechtzeltig auf eine eingetretene Ansteckung auf⸗ ierksam zu werden.

Der Erlösungsgedanke in wisseuschastliche . Beleuchtung.

Am Abend seines Lebens hat der greise Philosoph Wil helm Wundt noch ein Buch herausgegeben, das die tiessten fragen des Lebens in streng wissenschaftlicher und dabei ver hältnismäßig recht leicht verständlicher Weise behandelt, wie letzteres in philosophischen Werken nicht gerade häufig der Fall ist. Das Buch ist betiteltSinnliche und übersinnliche Welt. In dem Buche, auf das wir noch manchmal zurück zukommen gedenken, wird u. a. das Weltbild, das Verhält der Sinnenwelt zur Ideenwelt, die Einheit des Seins, as Unendliche und zum Schluß der Erlösungsgedanke be handelt, der ja besonders in der Religion eine große Rolle spielt und auch für die Kunst außerordentlich befruchtend ge wesen ist, wie zum Beispiel in der Musik die Werke Richarb Wagners beweisen.

Wie kam die Menschheit auf den Erlösungsgedanken?

f Schon als die Menschen und dementsprechend auch ihre Religionen noch völlig in phantastischen Zaubervorstellungen befangen waren, glaubte man bereits an einenHeilsbringer, der, was sich mit der Wirklichkeit oft genug decken wird, in voraufgegangenen Zeiten den Menschen ein Wohltäter ge wesen sei, und auch nachher noch als Helfer in der Not galt. DerHeilsbringer hat den Menschen zum Beispiel das Feuer vom Himmel gebracht, oder sie gelehrt, es sich selber zu bereiten; er hat sie im Gebrauche der Werk zeuge und Waffen unterwiesen, oder ihnen die Regeln mit geteilt, nach denen sie ihr Leben ordnen. Solche Heilsbringer stellt man sich bald als Tiere, bald als Menschen, bald als phantastische Zwitterwesen vor. Dann werden sie im Ideen⸗ kreise der Völker zu Helden mit übermenschlichen Kräften und Fähigkeiten, und schließlich zu Göttern. Aus seinem Schutzbedürfnis heraus schafft sich der Mensch der frühesten Zeit seinen Heilsbringer, und da das Schutzbedürfnis sehr mannigfaltig ist, so entsteht nach und nach eine Vielheit von Heilsbringern, von Göttern, von denen jedes seinen mehr oder weniger bestimmten Wirkungskreis hat.(Ein Nach⸗ klang davon hat sich im Heiligenkultus der katholischen Kirche halten.) Wohl in demselben Maße, als die Menschen Zeit fanden, sich in Vermutungen über eine jenseitige Welt zu er⸗ gehen, kommen sie dann auf den Gedanken, daß ein Haupt gott, und schließlich, daß nur ein Gott existiere, und dieser wird nun als höchster Heilsbringer verehrt.

Dann kommt in die Heilsbringer-Idee ein neuer Zug, der den ursprünglichen Göttermythen fremd war. Der Gott, der bisher half, wußte selbst nichts vom Erdenleid. Er stand viel zu hoch, als daß ihm das kleine Treiben der Menschen virklich hätte nahegehen können. Nur, wenn man ihm reich lich opferte, wurde seine Aufmerksamkeit erregt. Wie nun, venn der Gott selber Leid erlitt? Dann müßte er den Men ja viel näher kommen. So wird der im wesentlichen heldische, kampffrohe, heilbringende Gott der ersten Zeit zu em leidenden, sich vom Leide selber befreienden, heilbringen⸗ en Gotte der späteren Zeit, zum Erlöser seiner selbst und um Erlöser der Menschen. Im Sonnengott hatte man da⸗ ür ja ein Beispiel: der Lauf der Sonne am Himmel wird im Laufe des Jahres kleiner und kleiner(im Polarkreise, an en B. die germanische Sage Erinnerungen bewahrt hat, serschwindet die Sonne auf ein halbes Jahr sogar ganz), bis e sich aus eigener Kraft wieder erhebt. Vermutlich hat diese

2 Verlag von Alfred Kröner in Leipzig; Preis broschiert 8 Mk, bunden 9 Mk,

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astronomische Tatsache die Grundlage zu der Idee vom leiden den und sich selbst erlösenden Gotte abgegeben, denn nur auf Grund einer Tatsache, die auf der ganzen Erde zu bemerken war, konnte die Erlöseridee in den verschiedensten Gegenden unseres Planeten entstehen und sich entwickeln. Wundt er wähnt in diesem Abschnitt seines Werkes den Einfluß der Astronomie auf die Entwicklung der Religionen zwar nicht, aber daß dieser Einfluß wahrscheinlich sogar maßgebend ge wesen ist, wenigstens für die großen, systematisierten Religio nen, dafür darf als Beweis wohl gelten, daß bei den Griechen, Persern und Aegyptern, alles Völkern, die astronomische Kenntnisse hatten und dem Sonnengott huldigten, auch die Idee vom leidenden und sich selbst erlösenden Gotte vorhan- den war: der Dionysos der Griechen, der Mithras der Perser, der Osiris der Aegypter sind solche Götter.

War nun der göttliche Heilsbringer durch sein eigenes Leid dem Menschen viel näher gerückt, so konnte der Glaube an ihn auch viel inniger, viel religiöser werden. Immerhin blieb noch eine Kluft: ganz nahe kommt den Menschen nur, wer unter ihnen lebt, Leid und Freude mit ihnen teilt. So ist im Christentum der Heilsbringer zu einem wirklichen Men- schen geworden, der allerdings göttlicher Abstammung ist und nach seinem irdischen Tode selber zum Gotte wird, wäh⸗ rend der Buddhismus, der die Idee eines persönlichen Gottes nicht kennt, in seinem Stifter Buddha, bis auf die gleichfalls unbefleckte Empfängnis, die Erlöseridee noch vermenschlichter darstellt.

Wundt unterscheidet in der Entwicklung der Religionen, drei Stufen: die mythologische Auffassung sieht die erlösende Tat in dem in menschlicher Gestalt zur Erde herabgestiegenen Sohne Gottes verwirklicht, der als Mensch gelitten und durch seinen Tod sich selber als Opfer hingegeben habe für die Menschheit. Diese mythologische Vorstellung assimiliere die uralte mythologische Opferidee, indem sie die beiden Formen. in denen sich diese entwickelt hat, in sich aufnimmt: in der des Zaubers und in der des Geschenks an die Gottheit.

Die symbolische Deutung legt, im Gegensatz zu der mythologischen, im Doppelbegriff des Gottmenschen den ent- scheidenden Wert auf den Menschen. Der Erlöser ist ihr das Symbol hingebender menschlicher Liebe für den Nächsten und das Vorbild der Hingabe an die übernommene Pflicht.

Die philosophische Deutung verwandelt diese an das. individuelle Ideal gebundene Auffassung in die allgemeine menschliche Richtschnur: Mensch, erlöse dich selbst! Löse dich aus den Fesseln der Selbstsucht, diene der Pflicht nicht mit Widerstreben, sondern aus frefer Neigung, und gib, wo es not tut, dein eigenes Leben hin für bie ideale Aufgabe, die dir das Leben gestellt hat!

So erhebt sich, sagt Wundt am Schluß,aus dem, trüben Zwielicht des Glaubens an erlösende Götter, deren, Wille durch Zauber zu binden und deren Gunst durch Opfer zu gewinnen ist, in dem Bilde des menschlichen Erlösers ein religiöses Ideal, das unmittelbar zu einem sittlichen Ideal wird. Damit gewinnt jene Idee des Unendlichen, die die letzte Wurzel aller Religion, aber zu unbestimmt ist, um dem religiösen Triebe im wirklichen Leben feste Ziele zu zeigen, ihre inhaltliche Ergänzung in der Idee der menschlichen Er⸗ lösung und ihrer Weiterführung zur Idee der Selbsterlösung durch die eigene Tat. f

(Chemnitz. Volksstimme.)

Die schwarze Lichtbilderei.

Ungefähr achtzig religions⸗ und kirchengeschichtliche Lichtbilder⸗ vorträge sind in der Lichtbilderei des Volksvereins für das katho⸗ liche Deutschland vorhanden, die alle überhaupt nur denkbaren Themen behandeln. Jesus sind natürlich gleich ein halbes Dutzend verschiedener Serien gewidmet, dann lernen wir die Heiligen, Päpste und Bischöfe im Bilde kennen, und schließlich illustrieren zahlreiche andere Vorträge den Inhalt des Christentums und das Wirken der katholischen Kirche. Nun werden durchaus nicht bloßreligiöse Lichtbildervorträge verliehen auch der Frömmste ist nicht ständig in der zum Betrachten solcher Bilder notwendigen Stimmung darum besitzt die Lichtbilderei daneben noch ein großes Lagerwelt⸗ licher Themen aus dem Gebiet der Geschichte, der Literatur, der Kunst, der Technik, der Länderkunde und sogar der Naturwissen⸗ schaft. Welchen Geist diese sogenannten wissenschaftlichen Vorträg atmen, soll eine kleine Probe darlegen. Das Textbuch zu der Ser

Bau und Tätigkeit des menschlichen Körpers beginnt mit dem