führte Manipulation anstaunt, wird ihm alsbald klar, wie leicht 0 Buchstabe„verworfen“, das heißt in ein falsches Fach des Setz⸗ kastens geworfen werden kann. Wie nun der Setzer beim Ablegen sozusagen blindlings die Lettern in seinen Setzkasten wirft, so „oreift“ er sie auch beim Setzen blitzschnell und reiht sie unbesehen in seinen Winkelhaken aneinander. Wollte er sich von der Richtig⸗ eit jedes einzelnen gegriffenen Buchstabens überzeugen, so käme er mit seiner Arbeit nicht von der Stelle. Nur bei Lettern von ehr verschiedener Dicke oder Breite(Zum Beispiel m und s) ist as sehr ausgebildete Tastgefühl des Setzers sofort imstande, einen Zwiebelsisch ohne Zuhilfenahme des Auges zu konstatieren. Bei Lettern von gleicher oder annähernd gleicher Dicke liegt diese Mög⸗ lichkeit der Entdeckung durch den Tastsinn nicht vor, und so bekommt der arme Korrektor in der ersten Korrektur beispielsweise zu lesen: Eiergärtnerei statt Ziergärtnerei; Gypsessen statt Zypressen; Kur⸗ ant statt Kurort; Dämonen statt Domänen; Apfelmus statt Ansel⸗ mus;„Es fehlte den Truppen an Courage“ stakt Fourage;„Unsere Begleiterinnen glühten wie Matrosen“ statt Mairosen;„Der König trug eine geflickte Uniform“ statt einer gestickten;„Attribut des Platon war ein Zwieback“ statt Pluton und Zweizack;„Benedek og sich zurück und ordnete seine Haare“ statt Heere usw. Wohl em Korrektor, wenn er es nur mit solchen Druckfehlern zu tun hätte! Es gibt deren noch andere, unheilvollere, sogenannte„Hoch⸗ zeiten“ und„Leichen“. Eine„Hochzeit“ heißt im Buchdrucker-Argot etwas aus Unachtsamkeit doppelt Gesetztes(unnötige Vermehrung!), (während„Leiche“ eine Auslassung bedeutet(der schlimme Setzer hat gleichsam einen beiseite geschafft, um die Ecke gebracht).
Aber die Quelle für die häßlichsten, bösartigsten Druckfehler ist doch das geschriebene Manuskript(der Setzer neunt„Manuskript“ jede— auch die gedruckte— Sachvorlage)—„weil das Genie sich meist erfreut unleslicher Handschrift“. Jeder Setzer und jeder Korrektor können bezeugen, daß unter den Autorhandschriften die deutlichen die Ausnahme bilden. Es ist geradezu unglaublich, was in dieser Hinsicht dem Setzer zugemutet wird. Da steht nun der arme„unstudierte“ Setzer vor seinem„gelehrten“ unlesbaren Mauuskript, er versucht es zu entziffern— vergebens: die Runen, vulgo Hahnenfüße spotten der angestrengtesten Leseversuche; ihm bleibt nichts anderes übrig, als auf gut Glück draufloszuraten. Auf alle Fälle weiß er ja, daß der Korrektor hinter ihm steht. Was dieser nun als„erste Korrektur“ von solchem Manuskript zu„lesen“ bekommt, davon hat der Laie keine Ahnung, am wenigsten der Autor selbst, der die meisten und schlimmsten Fehler durch seine „Pfote“ verschuldet hat. Da hat der Setzer beliebige Wörter zu den absurdesten Sätzen zusammengestellt; zum Beispiel las er Kamtschatka für Buttermilch, Hundesteuer für Seelengröße, Jesuiten für Insulten, Scheintod für Schwulst, Nonnenkloster für Nomenklatur,„des duftenden Sokrates“ statt Sekretes,„Die Wochenimpfung“ statt Dr. Wehrenpfennig usw. Da hat der Setzer ferner aus fremdsprachlichen Wörtern beliebige deutsche Wörter gemacht und umgekehrt, oder Zahlen für Buchstaben gehalten und Buchstaben für Zahlen(zum Beispiel„10 schöne Mädchen“ für so schöne Mädchen; 206 statt Lob; 703 statt Tod usw. Die immer all⸗ gemeinere Verwendung findende Schreibmaschine bringt zwar Setzern und Korrektoren unleugbar große Erleichterung durch die leichtere Lesbarkeit der Maschinenschrift, aber die Maschinen— schreiber und ⸗schreiberinnen sind leider nicht immun gegen die verschiedenartigsten„Tippfehler“.
Das Gesagte mag genügen, um dem Laien eine Ahnung zu geben von der unendlich schwierigen, verantwortungsvollen, auf⸗ reibenden Tätigkeit des Korrektors— kann doch ein vertauschter Buchstabe, ein fortgelassenes oder an falscher Stelle stehendes Komma eine schwere Majestätsbeleidigung zu Wege bringen.— Der im Irrenhaus endende, beständig von Druckfehlern verfolgte Korrektor, wie ihn Hackländer in seinem Roman„Dunkle Stunden“ schildert, ist eine nach dem Leben gezeichnete Figur. In der Regel hat der Druckfehlerteufel aber nicht so bösartige Absichten, vielmehr ist er meist ein lustiger, ausgelassener Geselle, der seine Leute nur gerne an der Nase führt. Auch von dieser Seite wird ihn der Be⸗ sucher der Leipziger Buchgewerbeausstellung kennen lernen, vor allem im„Zunfthaus“, dem Heim der buchgewerblichen Fachleute, dessen Wandgemälde ernste und heitere Szenen aus dem Leben des Setzers, Druckers usw. darstellen.
Die Sonne als Quelle aller Krast.
Alle Arbeit, die auf Erden geleistet wird, ist in letzter Linie auf die Sonnenwärme zurückzuführen. Die sämtlichen Pflanzen, welche die Erde hervorbringt und die wir zur Nahrung, also als Krafterzeugung für unsere Lebensvor⸗ gänge, oder als Brennstoffe zur Erzeugung von Wärme und Licht benutzen, sind nichts andres als Kinder der Sonnen- wärme. Nur unter der letztern vermag das in den Boden gelegte Samenkorn zu keimen, seine Wurzeln in das Erdreich einzusenken und die Triebe dem Sonnenlichte zuzuwenden. Letzteres befähigt die Pflanze auch, die aufgenommenen Nährstoffe, wie Wasser, Luft, Salze und andre Mineralien, in ihre einzelnen Bestandteile zu zerlegen und ihren An—
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Aufbau ihrer Glieder, Wurzeln, Stamm, Aeste, Zweig] Blätter, Blüten und Früchte zu verwenden. 5 1 Auch unsre mineralischen Brennstoffe, Stein⸗ und Brau kohle, Torf, Erdöl und deren Umwandlungsprodukte, f Erzeugnisse früherer Vegetation. Sind sie doch nichts andre“ als vor Jahrmillionen unter dem Einfluß der Sonne en standene Pflanzen- und Tiergebilde, die durch irgendeln Veranlassung im Schoße der Erde begraben und hier Laufe der Zeit durch die Einwirkung chemischer Vorgän jedenfalls unter Mitwirkung von Mikroorganismen, um 5 ö wandelt wurden. Alle Energie, die wir heute diesen Stoffe entnehmen, ist demnach nichts andres, wie im Erdin ler aufgespeicherte Sonnenwärme früherer Tage. 1 Ebenso wie in der belebten Natur, sind auch alle in unbelebten auftretenden und von uns benutzten Kräfte e 91 Folge der Einwirkung der Sonnenstrahlen. So auch de! Wind, der die Flügel unsrer Mühlen treibt. Die von de! Sonnenstrahlen getroffenen Luftteilchen werden erwärm ausgedehnt und dadurch spezifisch leichter. Sie können un gegenüber der sie umgebenden kältern und infolgedessen au. 1 U
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schweren Luft ihren Platz nicht mehr behaupten. Infolgedesse werden sie von dieser verdrängt und müssen, in die Höl steigend, der nachfolgenden schweren Luft weichen. Die entstehende Luftbewegung ist der unsre Windräder und S ge schiffe bewegende Wind, welcher also gleichfalls ein Gesch der Sonnenstrahlen bildet.
Aehnlich verhält es sich mit den Wasserkräften, die w zum Antrieb unsrer Wasserräder ausnutzen. Die Son strahlen bewirken eine fortdauernde Verdunstung des auf Erde befindlichen Wassers: namentlich der den mittlern des ganzen Erdballs umspannende Tropengürtel bildet Destillieranstalt größten Stils. Die fast senkrecht auffallen Sonnenstrahlen verdampfen, namentlich aus den Mee der heißen Zone, jährlich eine Wassermenge, welche e 5 Meter Höhe berechnet wurde. Der hier aufsteigende Waß dampf wird von den Luftströmungen vorwiegend un höhern Breitegraden liegenden Landstrichen zugeführt, u selbst er als Regen oder Schnee zur Erde zurückfällt, um da von neuem dem Meere zuzueilen. Auf dem Wege von hoch gelegenen Landteilen zum Meere wird ein allerdir nur winziger Teil der von der Sonne dem Wasser ertei lebendigen Kraft zum Tragen von Schiffen sowie zum trieb von Wasserrädern, Turbinen und dergleichen au nutzt. Wie groß die von der Sonne geleistete Verdunstun arbeit ist, erhellt daraus, daß die jährlichen Niederschläge Regen, Schnee und Hagel zu 120 Billionen Kubikmeter rechnet werden. Nimmt man an, daß diese vorher rund 1 Meter über dem Meeresspiegel in die Luft hochgehoben w den, so entspricht dieses einer Jahresarbeit von 120 Trillio Meterkilogramm oder, umgerechnet, rund 51 Millia Pferdekräften. Dabei stellen diese, sowie die vorher genan Energiequellen nur einen winzig kleinen Bruchteil der samten uns von der Sonne zugesandten Arbeitskraft Wurde doch die direkte Sonnenwärme selbst bisher so wie gar nicht zur Arbeitsleistung ausgenutzt. Erst in jün, Zeit hat man ernstlich begonnen, Maschinen zu bauen, w die Energie der die Erde treffenden Sonnenstrahlen mittelbar in nutzbare Arbeit umsetzen sollen. 1
Nun wird mancherseits die Eigenwärme der Erde al eignes Produkt der letztern angesprochen. Nichts ist 1 falscher als das. Bildet doch die Erdwärme nur ein mächtnis, das die Erde bei ihrer Abschleuderung von glühenden Sonnenball von diesem gewissermaßen als zukommendes Kindesteil mitbekam und schon zu eine Teil verbraucht und an den kalten Weltenraum ab. hat. Erhielte die Erde zu dieser Mitgift nicht noch dauernd weitern Zuschuß von ihrer Mutter Sonne, so u ihr Wärmevorrat bald zu Ende sein und sie selbst vollst erstarren, da sie aus sich nicht imstande ist, eigne Wärm erzeugen. Alle Kraftäußerungen und alle Lebensvorge welche auf der Erde zu beobachten sind, beruhen als 0 und allein auf der uns von der Sonne in ihren St zugesandten Wärme. 5
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forderungen entsprechend umzuformen, um sie dann zum!


