sie den Alkohol meiden: alle haben an sich die Beobachtung gemacht, daß die Konzentrationsfähigkeit vermindert wird, daß die Gedanken ihnen langsamer, träger zufließen, wenn sie Alkohol genossen haben. Nur einige wenige der Befrag— ten behaupten, durch Alkoholgenuß vor der Arbeit eine För⸗ derung erfahren zu haben. Dagegen geben 27 Dichter an, daß sie den Alkohol grundsätzlich meiden, unter ihnen der Schweizer Dichter Karl Spitteler. Dieses Ergebnis deckt sich mit dem einer in Schweden veranstalteten Rundfrage, die sich an Maler, Musiker und Dichter wandte. Auch hier sprechen sich Männer wie Rodin, Björnson, Geyerstam, Brandes gegen den Alkohol und seine angebliche Bedeutung für die künstlerische Produktion aus, am schärfsten Rodin, der rund heraus erklärt, der Alkohol habe keinerlei günstigen Einfluß auf die. e habe mit Kunst nichts zu W
Man könnte meinen, die hier kurz aufgeführten Ergeb— nisse von Urteilen, die der Frage praktisch am nächsten stehen, sollten die Legendenbildung von der Inspirationskraft des Alkohols zerstört haben. Aber Legenden sind zäh, und um so zäher, je älteren Ursprungs sie sind. Und diese Legende ist sehr alt. Schon bei den primitiven Völkern herrscht der Glaube vor, daß berauschenden Getränken magische, schöpfe⸗ rische Kräfte innewohnen. So wird im Sudan ein bierähn— liches Getränk„Mutter der Nachtigall“ genannt; im Zend— Avesta heißt die Zama„Erzeugerin der Hymnen“; die Griechen bezeichneten ihre Dichter als Begeisterte, Trunkene, als des Gottes Bechus voll; und auch ein von einer gegen— teiligen Vorstellung genährtes Wort ist überliefert, das die naive Ansicht der Alten trefflich spiegelt: in einer Ode des Horaz begegnen wir einer Stelle, in der es heißt, Gedichte, die von Wassertrinkern herrühren, seien zu frühem Tode ver— urteilt. Nun sind wir aber doch, wird manch einer hier sagen, über die Erfahrungswelt der Alten so weit hinaus, daß kein Mensch ihren Ansichten nach einem Geltungswert zuerkennen kann. Und wem der Bescheid aus Dichtermund, wie er oben] wiedergegeben ist, in dieser Frage nicht Beweis genug ist, dem kann unsere heutige wissenschaftlich- experimentelle For— schung, wie sie hauptsächlich vom Professor Kraepelin viele Jahre lang betrieben wird, darüber Auskunft geben, was es mit dem Zusammenhang zwischen Alkoholgenuß und dem Spiel der geistigen und gefühlsmäßigen Kräfte auf sich hat. Kraepelin und andere haben in völlig einwandfreier Weise festgestellt, daß alkoholische Getränke die Aufnahme und Ver- arbeitung geistiger Eindrücke erschweren und somit der Ge⸗ dankenproduktion Fesseln anlegen.
Diesem Hinweis auf die exakte medizinische Forschung könnte man oder müßte man nun aber eines entgegnen: geistige Tätigkeit schlechthin und dichterische oder auch ge⸗ dankliche Schöpferkraft sind zweierlei Dinge! Wir alle wissen, daß geistige Spannkraft allein keine Werke der Kunst, keine hellsichtigen gedanklichen Erleuchtungen erzeugen kann, daß diese vielmehr ungerufene Eingebungen sind, deren Her⸗ kommen dem damit Begickten selber rätselhaft ist. Wenn g wir daher über die Gesetze, nach denen die normale gelstge Tätigkeit sich vollzieht, bestimmte Aussagen machen können, so bleibt uns das Wie und Woher des schöpferischen geistig⸗ seelischen Vorgangs dunkel. Der geniale schöpferische Akt geht, gleicherweise bei Künstlern, Denkern und Forschern, in der Tiefe des Unbewußten vor sich, bis er, man weiß nicht wieso, an die Oberfläche des Bewußtseins gedrängt wird und als visionäre Vorsehung, als„Konzeption“ lebendige Gestalt annimmt. Hier steht also die Wissenschaft, die j! wohl auch nicht mit der Prätention auftritt, für alle Rätsel des Lebens einen Schlüssel bei der Hand zu haben, vor einem verschlossenen Tor, und es bleibt daher zur Beantwortung der engeren Frage, ob der Alkohol auf den genial⸗künstle⸗ rischen Produktionsakt einen hemmenden oder fördernden Einfluß ausübte, nur die Praxis des Lebens übrig. Die Genies selber werden uns über die Wirkung des Alkohols auf
Die eine lautet: Warum gibt es einen Vogelzug?——, die zweite: 1
200 Kilometer in der Stunde fortbewegen.
ihr Seelenleben und ihre schöpferische Energie die e lässigste Auskunft geben können. Es steht die Frage vor e auf, ob geniale Köpfe auch in der Vergangenheit— die Produktion der Gegenwart haben wir oben vernommen— sich über unser Problem geäußert haben. 3 Da die Alkoholfrage durchaus eine Gegenwartsfrage ist, wird man von einer Streife durch die Buchwelt der Ver⸗ gangenheit nicht allzu viel„Material“ zur Beantwortung als Beute mit nach Hause tragen. Immerhin sind einige interessante Aeußerungen von abgeschiedenen Größen zu verzeichnen, und diese sprechen um so lauter, als sie gänz⸗ lich ohne Absicht auf Wirkung, ohne„Tendenz“ niederge⸗ schrieben sein werden, denn eine Antialkoholbewegung gab es ja früher noch nicht. (Schluß folgt.) 2 —
Aus unserer Sammelmappe.
Satirische Bibliothek. 5 Im Janus-Verlag, München, beginnt soeben ein groß angelegtes und schön ausgestattetes Unternehmen, die Sati⸗ rische Bibliothek, herausgegeben von Dr. Otto Mausser, 6. erscheinen, die in zwei Reihen zu je fünfzehn Bänden bisher noch unverössentlichte seltene Hauptwerke der deutschen Satire des 15. bis 18. Jahrhunderts zur Ausgabe bringt. Band 1 und II enthalten „Bildergalerie katholischer Mißbräuche“ und„Bildergalerie kloster- a licher Mißbräuche“(1784). Dann solgt eine Satire auf Luthers Eheleben„Monachopornomachia“(1538) und„Leben und Taten des 5 weiland hochwürdigen Pastors Rindvigius“(1790). Neben seiner wissenschaftlichen Bedeutung ist die Tendenz des Ganzen vor allem eine volkstümliche. Ausführliche Prospekte versendet der Verlag 4 kostenfrei. l Die Rätsel des Vogelzugs. Die Beobachtung bei jahreszeitlichen Wanderungen der Vögel gehört zu den anziehendsten Aufgaben des Naturforschers, um so mehr, wenn man in besonders schwer zu lösenden Rätseln einen gesteigerten Reiz erblickt. Zwei große 3 Fragen geben die Zugvögel der Wissenschaft zur Beantwortung auf. 1
Wie wird der Vogelzug ausgeführt?—— Man kommt gegenüber der ersten Frage selbstverständlich nicht mit der oberflächlichen Acußerung aus, es sei nun einmal eine Gewohnheit mancher Vogel arten, die sie zur Sicherung ihrer Lebensgewohnheiten, ihrer Er⸗ nährung und ihrer Fortpflanzung ausgebildet haben. Es gibt auch Zugvögel, deren Wanderungen sich nach menschlicher Einsicht dur* keine Notwendigkeit erklären lassen. Für jede Gegend der mäßigten Zone ließen sich Beispiele von Vögeln gegenüberstellen, die im Nahrungserwerb und im Wärmeanspruch durchaus gleiches Verhalten zeigen und von denen doch der eine überwintert, der andere für die kältere Jahreszeit nach dem Süden zieht. Die Wissenschaft kann zum Verständnis nur dadurch kommen, daß sie⸗die Entstehung dieser Gewohnheiten aufklärt, also ergründet, waru* die Vögel zuerst ihre Wanderungen aufnahmen und so lange beibs
der Umstand, daß die Wanderungen der Vögel an gewissen Hin nissen sich zu stoßen scheinen. die für die menschliche Einsicht gar nicht bestehen. Man hat aus diesen Tatsachen höchst wichtige Schlüsse gezogen, die in die Verteilung von Wasser und Land und andert Verhältnisse in längst vergangenen Zeiten der Erdgeschichte zu leuchten. Besonders dürfte auch die Annahme der Klimaschwankt dabei von Bedeutung fein. Die erstauuliche Geschwindigkeit, i der ein Vogel ungeheure Strecken zurücklegt, z. B. von der Nur dse bis nach Südafrika, wird begreiflich durch die Ueberlegung, d Vögel dabei weniger durch eigene Anstrengung fliegen, a5 0 v
sehr hohe Geschwindigkeiten annehmen. Die oberen Winde, die d Passaten entsprechen und ihre Verbreitung nach dem Sonnens ändern, stellen oft Stürme dar, dle sich mit 150 oder ga


