kuppelte Dreifachwagen entweder für 116 Fahrgäste sowie Gepäck⸗ und Postbeförderung oder für 167 Fahrgäste ausgeführt. Eine Steigerung des Fahrbereiches ist dadurch zu erreichen, daß Zwischen⸗ ladungen vorgenommen werden, eine noch weitere durch Verwen⸗ dung leichterer Gitterbatterien statt der bisher benutzten Ober⸗ 5— Bei diesen werden allerdings die Unterhaltskosten 3.— und die Lebensdauer geringer. Inwieweit sich durch die 5.5 endung der neuen Edisonakkumulatoren eine Verbesserung wird bewirken lassen, ist noch nicht zu übersehen. Beide Wege sind neuerdings beschritten worden und die Praxis soll die Entscheidung
ngen. 8 Der Plan einer Bahn auf die Zugspitze, die von Garmisch⸗ Partenkirchen ausgehen, über Eibsee zunächst bis zum Platt geführt werden soll, ist genehmigt worden. Der geplante Bahnbau geht von Münchener Unternehmern aus, die sich die Unterstützung namhafter schweizerischer Fachleute gesichert haben; denn die in Aussicht ge⸗ nommene Streckenführung bildet wegen des steilen Bergabhanges nach dem Eibsee große Schwierigkeiten. Die Hauptpunkte der Bahn liegen in folgenden Höhen: Garmisch-Partenkirchen 700 Meter, Eibsee 872 Meter, Platt 2320 Meter. Zwischen Eibsee und dem Platt ist eine Zahnrad⸗ oder Seilbahn und die Anlage eines 2250 Meter langen Tunnels erforderlich. Diese Strecke soll in zwei Jahren fertiggestellt sein. Die Schlußstrecke auf den 2964 Meter lber dem Meeresspiegel gelegenen Gipfel, die durch einen etwa 22400 Meter langen Tunnel geht, soll erst später in Angriff ge⸗ nommen werden. 2 Wie Bayern, so dehnt auch Sachsen sein Netz von Motor⸗ omnibuslinien stark aus. Es werden Motoromnibusse von 5 Tonnen Gewicht in Dienst gestellt, die 18 bis 21 Sitzplätze haben. Manche führen auch Anhänger mit. Der Fahrpreis beträgt einheitlich 5 Pfennige auf das Kilometer.
Geschwindigkeit ist heutzutage die Parole, der alles gilt. Auch in der Schiffahrt haben wir uns an große Schnelligkeiten gewöhnt und soweit Gleitboote in Betracht kommen, sogar an fabelhafte. Aber wie große Schnelligleiten im Wasser selbst erreicht werden können, zeigt das Beispiel des russischen Torpedojägers„Novik“. Das Schiff ist nach den Plänen der Vulkanwerke auf einer russischen Werft erbaut worden: es hat 1400 Tonnen Wasserverdrängung und erreichte bei der Abnahmefahrt in Swinemünde eine mittlere Ge⸗ schwindigkeit von 37 und eine höchste Geschwindigkeit von 37,3 Knoten. Das entspricht einer kilometrischen Geschwindigkeit von 9909 in der Stunde, also Schnellzugsgeschwindigkeit. Damit hat es
als das schnellste Schiff erwiesen, das es jetzt gibt. Allerdings it die auf ihm konzentrierte Maschinenleistung enorm. Die ACG⸗ 4 1 waren für 36 000 Pferdestärken berechnet, ergaben aber 1
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3 Der Ruhm des„Imperator“ und des„Vaterland“ soll nur kurz sein, denn schon hat dle unglückselige Ghite Star⸗Linie ein Schiff im Bau, das alle vorhandenen übertreffen wird. Sie baut elnen Schnelldampfer„Britannic“, der schon vom Stapel lief, welcher bei 274 Meter Länge und 28,6 Meter Breite rund 53 000 Tonnen Wasserverdrängung besitzen wird. An den Seiten wird er 1 19,5 Meter hoch sein; sein Tiefgang beträgt 10,4 Meter. Seine 1 Maschinenkraft von 34000 Pferdestärken wird ihm allerdings nur 21 Knoten Geschwindigkest erteilen, womit der Dampfer hinter anderen zurückbleibt. Trotzdem wird er ein modernes Schiff sein, das 4500 Menschen an Bord nehmen kann; 3529 Passagiere und 950 Mann Besatzung haben darauf Platz.
Alkohol und Kunst.
Man kann die Wechselbeziehungen und Wechselwirkungen von Alkohol und Kunst auf mehrfache Weise ansehen. Am nächsten liegt wohl die Frage, wie die Trinksitten als Stoffe und Motive von den Künstlern verwandt worden sind. Einer vergleichenden Betrachtung würde sich da die Tatsache auf⸗ schließen, daß die Dichter den Weingenuß als solchen durch— aus nicht immer„verherrlicht“ haben; viel öfter sind Trink- szenen Mittel zur Charakterisierung von Personen oder Ständen, z. B. im Faust: Auerbachs Keller, oder sie haben eine motivierende Aufgabe, z. B. in Schillers Wallenstein— wo der Betrug der Unterschriftensammlung nur die Benebelung der Geister möglich wird, die der hol besorgt les steht in dieser Szene auch das treffliche er schwatzt nur aus“);
üblen, als Verkörperung hoher Gedanken von den Dichtern erfunden— ein Beispiel ist Goethes Gedicht: Der Sänger. Eine zweite Wendung unseres Themas könnte auf eine Be⸗ trachtung und ästhetische Würdigung der Trinksitten ab⸗ hwecken, pielleicht wird sie einmal Ipäter, wenn die Mensch⸗
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lichkeit den Alkoholismus unter die Kuriositäten der Welt geschichte rechnet, einem Kulturforscher zu tun geben. Drittens ließe sich darüber nachdenken, wie von der Kunst her und im Bunde mit der Kunst ein Ersatz für die Symbolik des Trunks oder zum wenigsten eine Mäßigung und Verschönerung der Trinksitten zu bewirken sei. Ein Thema für erfinderische Köpfe, für Leute, die begriffen haben, daß man die Menschen mit viel mehr Aussicht auf Erfolg durch das Schöne als durch eiserne Moralbegriffe vom Uebel zum Guten führt, und daß man, wo man der Menschheit Jahrtausende alte Gebräuche nimmt, ihr dafür anderes, Höherwertiges bieten muß. Ich greife aus der Fülle der hier möglichen Erwägungen nur diese eine heraus. Mir scheint es eine nüchterne und ober— flächliche Einschätzung des Menschenwesens, den Alkoholis⸗ mus, in welcher Form er sich zeige, ist gleichgültig, nur durch soziale Verhältnisse, durch materielle Genußfreude, durch die Macht der Sitte erklären zu wollen. Dem uralten Hang zum Trunk im Menschengeschlecht muß doch etwas allen Menschen und allen Zeiten Gemeinsames zugrunde liegen. Dies Ge— meinsame ist die Freude am Rausch: der Mensch hat, im Zu⸗ stande der Not wie im Zustande gehobener Freude, das Be— dürfnis, über sich selbst hinaus gehoben zu werden, den Trieb zur Exaltation und zur Ekstase. Der Rausch, den der Alkohol erzeugt, ist der billigste, der allen erreichbare. Aber es gibt noch andere Rauschzustände— vor allem gibt es den Rausch, in den die Kunst, vornehmlich die Musik und das Theater, den Empfänglichen hineinzuversetzen vermag. Hier liegt die Beziehung von Kunst und Alkohol, die ich andeuten wollte: die Kunst kann den Menschen vom niederen zum höheren Rausch, von der nur sinnlichen zur rein seelischen Ekstase hinaufführen. Es wird vornehmlich der erzieherische Wert der Kunst sein, der bei der Betrachtung des Themas unter diesem Gesichtspunkte herauszustellen wäre.
Hier soll indessen das weitschichtige Thema Kunst und Alkohol in der vierten noch möglichen Fassung behandelt werden, die nach dem Einfluß des Alkohols auf die künst⸗ lerische Produktion fragt. Diese Problemstellung ist keines- wegs neu. Sie ist sogar schon alt. Schon viermal sind Rundfragen unter den heute lebenden Dichtern und Künst⸗ lern veranstaltet worden, die ermitteln sollten, ob dem Alkohol irgendwie inspirierende Kräfte innewohnten. Die erste ging aus von dem Dozenten für Musik in Graz, Fried- rich Hausegger, im Jahre 1894. Obwohl die Frage sich nicht auf das Verhalten zum Alkohol zuspitzte, sprachen sich Hans Sommer, Otto Julius Bierbaum und der Komponist Kienzl gegen den Alkoholgenuß aus. Die zweite Rundfrage veran- stalteten die Franzosen Binot und Passy in der Revue philo⸗ sophique im Jahre 1897. Das Resultat lief darauf hinaus, daß nicht ein einziger der Befragten für den Alkoholgenuß eintrat. Die dritte Rundfrage leitete Rudolf Presber im Jahre 1903. Zehn der Antwortenden sprachen sich besonders über die angebliche produktiv machende Kraft des Weins aus: sieben darunter erkannten dem Wein jeden günstigen Einfluß auf ihre Produktion ab. Paul Heyse schrieb, er sei persönlich ein großer Freund des Weins:„aber eine Steige⸗ rung meiner geistigen Kräfte habe ich nie empfunden“. Auch Julius Wolff, der Dichter so mancher Trinklieder, bekannte er habe sich nie durch den Wein zu Schöpfertaten anregen lassen— ein eigenartiges Gegenbild zu dem Geständnis des Mathias Claudius, der sein berühmtes Rheinweinlied zu einer Zeit gedichtet zu haben bekannte, da er noch nie Wein gekostet hatte, so daß Gustav Freytag mit seinem spöttischen Wort so unrecht nicht hatte: er vermute, daß gar manches Weinlied möchte beim Wasser gedichtet sein... Die letzte Rundfrage ging vor einigen Jahren vom Literarischen Echo aus. Von den 150 Befragten antworteten 115. Von diesen sprechen sich 108 Dichter dahin aus, daß sie den Alkohol vor jeder geistigen Arbeit meiden, nur sieben geben zu, daß 1
gelegentlich oder regelmäßig olkoholische Getränk, zu sich
nehmen. Siebzig Mann geben darüber Aaskunit, NA


