Ausgabe 
1-30 (14.4.1914)
 
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mensallen kann. Und so aibt es noch eine ganze Anzahl Punkte, die zu Zweifeln herausfordern.

Man hat daher außer den auch den Laien bekannten Theorien noch manche andere aufgestellt, aber keine vermag das Rätsel zu lösen. Jetzt stellt der englische Astronom Turner eine neue Theorie auf, die manches für sich zu haben scheint. Ein Sternschuppen⸗ schwarm soll so nahe an der Sonne vorbeifliegen, daß einzelne der irrenden Weltkörper auf die Sonne auffallen. Sie besitzen unge⸗ heuere Geschwindigtelt und wühlen die Oberfläche der Sonne bis zu beträchtlicher Tiese auf, so daß die glühende Masse hoch emporspritzt und die leuchtenden Fackeln bildet. Die Richtung, aus der die Riesengeschosse kommen, ist der Umdrehungsrichtung der Sonne ent egengesetzt, so daß die Körper schräg einfallen. Sie schwimmen 5 als dunkle Inseln auf der glühenden Sonnenoberfläche mit einer der Umdrehung der Sonne entgegengerichteten Eigen bewegung. Nun ist aber der bei einer Umdrehung zurückzulegende Weg auf der Oberfläche des Sonnenballes am Aequator am größ⸗ ten und nimmt nach den Polen zu ab. Deshalb wird sich das Ent⸗ gegenschwimmen der Meteoriten am Aequator am wenigsten be merkbar machen. Und das entspricht den Beobachtungen, nach denen die Sonnenflecken am Aequator der Sonne wenig mehr als 25 Tage u einem Umlauf brauchen, in der Mitte zwischen Pol und Aequator agegen schon über 27 Tage. Die Größe der einfallenden Körper ist natürlich ganz verschieden. Kleinere rufen eine schwache Fackel hervor, geben einen kleinen Sonnenfleck und die Kraft ihres Ent⸗ gegenschwimmens wird nicht so stark sein, wie die größerer Meteo riten, die nach dem Auftreffen auf die Sonne durch die Wucht ihrer Massen ihre hohe Eigengeschwindigkeit länger beibehalten können.

Man sieht, diese Theorie erklärt sehr einfach alle Unregelmäßsg⸗ keiten in der Größe, der Umlaufszeit und der Dauer der Exschei nung. Aber wo lommen diese Fremdkörper her, wo hat der uns unsichtbare Sternschnuppenschwarm seinen Anfang? Wir kennen für unsere Erde Steruschnuppenschwärme, die Jahr für Jahr oder regelmäßigen Zwischenräumen von mehreren Jahren zu beobachten sind. Einer der bekanntesten ist der Schwarm der Leoniden. Seine ahn schneidet außer unserer Erdenbahn auch die des Saturn, des⸗ senigen Planeten, der durch ein System von Ringen ausgezeichnet 1 Von Zeit zu Zeit begegnen nun die Leoniden dem Saturn in denn Schnittpunkt ihrer Bahnen. Und dann können zwei Exeignisse treten: Diejenigen Teile des Sternschnuppenschwarmes, die mit dem Saturn zusammenstoßen, werden von dem großen Planeten als Meteorsteine sestͤehalten. Die Ringe des Saturn dagegen, die dies weniger dichter Masse als der Planet selbst bestehen, können die shegenden Meteoriten nicht sesthalten, sie können sie höchstens aus ilner Bahn ablenken. Es kann aber auch sein, daß größere Meteo rien Stücke aus den Ringen des Saturn mitreißen und in den Weltraum schleudern. Solche losgelöste Teile der Saturn ringe oder die vom Saturn abgelenkten Teile der Leoniden, vielleicht auch beide zusammen, sollen ihren Weg auf die Sonne zu nehmen und dort die Sonnenflecken hervorrufen. Dieser Vorgang würde auch die Per dizität der Sonnenflecken erklären, denn die Zusammen stöße zwischen Leonsden und Saturn finden regelmäßig in gewissen Zeiträumen statt. Nach Ansicht Turners sehen wir auf der Erde übrigens nur die Ausläufer der Leoniden, während der Haupt⸗ schwarm, der vor allem die gewaltigen Sonnenflecken hervorruft, in ziemlicher Entfernung an der Erde vorüberfliegt, so daß wir ihn garnicht bemerken.

Das alles ist Hypothese. Von einem Beweis oder auch nur einer Wahrscheinlichkeit kann noch nicht die Rede sein. Aber der neuen Sonnenfleckentheorie kann jedenfalls eine gewisse Ueber zeugungskraft nicht abgesprochen werden, wenn sie natürlich auch viele Unwahrscheinlichkeiten enthält und des Rätsels Lösung noch nicht bringt. Einmal aber wird der Menschengeist doch das Geheim nis der Sonnenflecken entschleiern und alles, was mit ihnen zu⸗ sammenhängt: Nordlicht, elektrische Gewitter und andere Klima erscheinungen.

Aus unserer Sammelmappe.

Die Radioaktivität der Steinkohle. Das Radium ist zu einem Zauberwort geworden und versehlt seine Wirkung nie. Wer krank am Beutel ist, glaubt durch Auffindung einer Radiumquelle ein reicher Mann werden zu können, und ebenso erhofft der eigentlich Kranke sein Heil von dem merkwürdigsten aller Elemente. Darüber wird oft vergessen, daß vom Radium in noch höherem Grade das selbe gilt wie vom Gold. Auch das Gold ist überall vorhanden, zum Beispiel im Meerwasser, das sogar so viel davon enthält, daß man den menschlichen Bedarf auf Jahrtausende decken könnte. Dennoch ist die Goldmenge in einem kleinen Wasservolum zu gering, um eine nutzbringende Gewinnung jemals zu gestatten. Das Radium ist noch viel weiter verbreitet, wenigstens wenn man dazu auch die sogenannte Emanation rechnet. Seitdem die unsichtbaren Strahlen einmal entdeckt worden sind, hat man sie allenthalben gefunden. Der Erdboden strahlt, die Luft strahlt, der Regen tut das gleiche usw. Da ist es denn kein Wunder, daß auch die Steinkohle strahlt. Zwei sranzösische Gelehrte, Mouren und Lepape, haben jetzt der Pariser Akademie der Wissenschaften die Ergebnisse von Untersuchungen vorgelegt, die sie zur Feststellung seltener Gase in schlagenden Wettern ausgeführt haben. Dabei ist ihnen die Entdeckung ver hältnismäßig großer Mengen von Helium gelungen. In den Berg⸗ werken von Anzin im Kohleurevier Nordfrankreichs an der belgi⸗ schen Grenze haben die Forscher eine Entladung von 30 000 Kubik⸗ meter von reinem Sumpfgas pro Tag ermittelt, und in dieser Gas⸗ menge würden 12 Kubikmeter Helium enthalten fein. Das sind also

.. 8 5 8 relativ ganz außerordentliche Mengen, die Gelegenheit den, in kurzer Zeit so viel Hellum zu beschaffen, wie es ü nirgends erhalten werden kann, falls ein Mittel gefunden würd 2

diese tägliche Ausatmung eincs Bergwerks chemisch zu ergreifen. solchen Kohlenbergwerks als f d

Um die Bedeutung eines 5 licserant richtig zu schätzen, muß man damit den Heliumge der

wuürmen Quellen vergleichen. Die Heilquellen, die nach den bis⸗ herigen Untersuchungen am meisten von diesem Edelgas ausströmen, bleiben weit hinter den Kohlenbergwerken zurück. Die heiße Quelle

von Neris am Rande der vulkanischen Landschaft Auvergne im

Herzen Frankreichs gibt nur 34 Kubikmeter Helium in einem ganzen, Jahr, eine andere bekannte Therme von Santenay sogar nur 18 Kubikmeter jährlich, und doch gehören diese Quellen schon zu den heliumreichsten. Zunächst wäre nun die Frage zu beantworten,

wie das Helium in die schlagenden Wetter hineingelangt. Die Ver⸗ mutung, die sich von selbst darzubieten scheint, würde den Ursprung eben in der Radioaktivität der Kohle suchen. In der Tat haben die Forscher eine solche festgestellt. Einige 100 Gramm Steinkohle in verschiedenen Bergwerken wurden zu diesem Zweck eingeäschert und dann die Strahlungsfähigkeit der Asche mit einem Elektroskop ge-

prüft. Das Ergebnis besagte, daß die Steinkohlen wirklich Radium und auch Thorium enthalten, aber nur in ganz winzigen Mengen, so daß auf eine Billion Gramm Steinkohle noch nicht ein Gramm Radium entfallen würde. Diese geringe Radioaktivität ist keines⸗ falls genügend, die Gegenwart von Helfum in so großem Betrage in den schlagenden Wettern der Kohlenbergwerke zu erklären, wie es rein physikalisch durch die Umwandlung von Radium in Helium möglich wäre. Die einzige Deutung der slarken Heliumausatmung der Kohlenminen würde in der Annahme liegen, daß dies Helium zum allergrößten Teil aus uralter Zeit stammt, also einfo siles Helium ist, das sich seit gewaltigen Zeiträumen der Erdgeschichte in den Kohlenlagern so aufgehäuft hat. 8 g

Die nächste große i Lodge, der hervorragende englische Physiker, de das größte Verdienst um die Entdeckung der drahtlosen Telegr hi zugeschrieben wird. hat in einem Vortrag die l gewagt, welches die nächste große Errungenschaft der hysik sein werde. Er sieht sie in der Aufklärung der Schwerkraft. Allerdings ist d* Forscher zu vorsichtig, um diesen Erfolg für eine absehbare Zukunft zu versprechen. Seit Newton die Schwerkraft selbst und ihre Gesetz entdeckt hatte, hat man sich redlich geplagt, das Rätsel diefer Natu kraft zu lösen, und gerade jetzt sind viele hervorragende Köpfe f dieser Richtung bemüht. Trotzdem muß auch Lodge bekennen, daß er noch keine Dämmerung der Erkenntnis in dieser Frage wahr- zunehmen vermag. Er selbst nimmt an, daß die Schwerkraft mit dem freilich immer noch mutmaßlichen Weltäther in Zusammenhang stchen müsse. Daß man bisher noch nicht weiter mit der Einsicht in die Naturgesetze gekommen ist, schreibt Lodge dem Umstand zu daß die eigentliche Naturwissenschaft überhaupt erst ein Ding von gestern sei, da noch vor 300 Jahren die Menschheit hauptsä ich nur auf Kampf bedacht wax. Lodge hat sich übrigens die g te Mühe gegeben, um den Aether sichtbar zu machen, unter der Vor aussetzung, daß vielleicht eine Reibung zwischen Stoff und Aether herbeigeführt werden könnte. Zu diesem Zweck har er große Stahl scheiben mit einer Geschwindigkeit von mehreren hundert Um⸗ drehungen in der Sekunde in Bewegung gesetzt, so daß die Gefahr bestand, das Metall könnte trotz seiner Festigkeft durch die Fliehkra t in Stücke springen, und doch hat er am Rande dieser Scheiben mi einer besonders empfindlichen optischen Vorrichtung nicht das ge ringste Anzeichen einer Reibung wahrgenommen. Es kann also auch vermutet werden, daß die Erde in ihrem rasenden Lauf durch den Weltraum keinerlei Reibung mit dem Aether erleidet, sondern sich ihm gegenüber wie ein völlig durchlässiger Körper verhält. Eine neue Wolkenart. Auch die Wolken haben ihre Namen, man ist in der Unterscheidung ihrer Formen längst über die vier Arten hinausgekommen, die zuerst Luke Howard als Hausen⸗ Regen-, Schicht- und Federwolke bezeichnet hat. Auch die lateinischen Bezeichnungen dafür, nämlich Cumulus, Nimbus, Stratus und Cirrus sind seitdem allgemein bekannt geworden, zumal sie Goethe der für diese Neuerung begeistert war, sie durch ein herrliches Ge⸗ dicht geehrt hat. Auch die Meteorologie hat die Berechtigung diefer Unterscheidung durchaus anerkannt, die vier wichtigsten Wolken. formen aber noch durch zahlreiche Zwischenstufen verbunden. 0 letzter Zeit ist zu diesen noch eine neue hinzugekommen, die ein Abart der Cumuluswolke darstellt und daher Mammatoculumu genannt wird. Sie ist durch gerundete Hervorragungen un zeichnet, die aus der allgemeinen Wolkenschicht nach unten gericht sind. Zuerst wurde eine solche Wolke bei einem Wirbelsturm b. obachtet, der in der Gegend von St. Louis großen Schaden ar richtete. Die Sichtung der wetterkundlichen Literatur aber hat e geben, daß diese Wolkenform schon vor 50 Jahren einmal b schrieben worden ist, ohne aber damals einen wissenschaftlich Namen zu erhalten. Am frühesten scheinen Seeleute, die überh treffliche Kenner des Himmels zu sein pflegen, in den Orkney darauf aufmerksam geworden zu sein, und man nannte sie de Beutelwolken und hielt sie für ein sicheres Anzeichen eines nahe den Sturms. In anderen Gegenden hat man die beutelför nig Auhänge der Wolken als Regenkugeln bezeichnet, und noch and Namen wie Euterwolke und Sackwolke gehen wahrscheinlich auf di selbe Erscheinung. Die Fachleute sind mit ihrer Erklärung ne nicht zu einem befriedigenden Schluß gelangt, da vor allem no nicht festgestellt worden ist, ob die eigentümlichen förmig

Endeckung. Olive N m von mancher Seite

Anhänge mit der Hauptwolke selbst verbunden sind oder gesonden Wölkchen von runden Umrissen darstellen. 2

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