Ausgabe 
1-30 (14.4.1914)
 
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schiedenen Malen auf Grund der h. Schrist gemacht worden, beaut⸗ wortest du, indem du die besagte Schrift nach deinem Sinne er⸗ klärtest. Ferner wurde eine Abschrift einer Abhandlung vorgelegt in Form eines Briefes von welchem sagt wurde, du habest ihn an einen deiner früheren Schüler 2 2, worin im An⸗ schlusse an die Ansicht des Copernicus verschiedene Sätze gegen den wahren Sinn und die Autorität der h. Schrift enthalten sind.

Da nun in Folge davon dieser h. Gexichtshof der Unordnung und dem Schaden entgegenwirken wollen, der daraus erwuchs, und immer mehr zunahm zum Nachteile des heiligen Glaubens, wurden auf Befehl unseres Herrn und Ihrer Eminenzen der Herren Kar⸗ dinäle dieser höchsten und allgemeinen Juquisition von den Theo⸗ logen⸗Qualifikatoren die beiden Sätze von dem Stillstehen der Sonne und der Bewegung der Erde qualifiziert, und zwar so:

Der Satz, daß die Sonne der Mittelpunkt der Welt sei und keine

räumliche Bewegung habe, ist philosophisch absurd und falsch und formell ketzerisch, weil er ausdrücklich der h. Schrift widerspricht. 5 Der Satz, daß die Erde nicht der Mittelpunkt der Welt und nicht unbeweglich fei, sondern sich bewege, auch in täglicher Umdrehung, ist gleichfalls philosophisch absurd und salsch und theologisch betrachtet wenigstens irrig im Glauben.

Da man aber damals gegen dich milde verfahren wollte, wurde in der am 25. Februar 1616 in Gegenwart unseres Herrn gehal⸗ tenen h. Kongregation beschlossen: Seine Eminenz der Herr Kardlual Bellarmin solle dir bedeuten, du müßtest die besagte salsche Lehre ganz aufgeben: und wenn du dich weigertest, dieses zu tun, solle dir von dem Kommissar des h. Officiums der Befehl erteilt werden, die besagte Lehre aufzugeben und sie nicht Anderen vorzutragen, noch sie zu verteidigen, noch sie zu erörtern; und wenn du dich diesem Be⸗ schle nicht fligtest, solltest du eingekerkert werden. In Ausführung

eben dieses Beschlusses wurde dir am folgenden Tage.. der Be⸗ fehl erteilt, du müßtest die besagte falsche Meinung ganz aufgeben und dürfteft sie in Zukunft in keiner Weise mehr verteidigen oder lehren, weder mündlich noch schriftlich; und nachdem du versprochen, zu gehorchen, wurdest du entlassen.

Und damit eine so verderbliche Lehre ganz beseitigt würde und sich nicht weiter verbreiten könnte zum schweren Schaden der katholi⸗ schen Wahrheit, erging ein Dekret der h. Kongregation des Inder, durch welches die Bücher, welche von dieser falschen Lehre handeln, verboten wurden und diese selbst für falsch und der heiligen und göttlichen Schrift durchaus widersprechend erklärt wurde.

Da nun unlängst hier ein Buch erschien, welches im vorigen Jahre in Florenz gedruckt ist und dessen Ausschrift zeigte, daß du der Verfasser desfelben seiest.. und da der h. Kongregation mit⸗ geteilt wurde, daß infolge der Veröffentlichung des besagten Buches die salsche Meinung von der Bewegung der Erde und dem Still⸗ stehen der Sonne alle Tage mehr Fuß sasse, so wurde das besagte Buch sorgfältig geprüft und in demselben eine offenbare Ueber⸗ tretung des oben erwähnten, dir erteilten Befehles gefunden, in dem du in diesem Buche die früher besagte verdammte und dir aus⸗ drücklich als verdammt bezeichnete Lehre verteidigt hast, wiewohl du in dem besagten Buche durch verschiedene Wendungen die Meinung zu erwecken dich bemlihtest, du stelltest sie als unentschieden und aus⸗ drücklich nur als probabel hin, was aber auch ein sehr schwerer Irr⸗ tum ist, da eine Meimung, von welcher erklärt und definiert worden ist, widerspreche der h. Schrift, in keiner Weise probabel sein kaun.

Demgemäß wurdest du auf unsern Befehl vor dieses h. Officium beschieden, wo du bei deiner eidlichen Vernehmung das Buch als von

dir verfaßt und in Druck gegeben anerkanntest. Du gestandest ein, daß du vor etwa zehn oder zwölf Jahren, nachdem dir der oben er⸗ wähnte Befehl bereits exteilt worden war, das besagte Buch zu schreiben angefangen, und daß du die Erlaubnis zum Drucke des⸗ selben nachgesucht habest, ohne densenigen, welche dir diese Erlaubnis gaben, mitzuteilen, daß dir der Besehl erteilt worden, die fragliche Lehre nicht für wahr zu halten, zu verteidigen, noch in irgend einer Weise zu lehren.

Du hast serner eingestanden, das besagte Buch sei an mehreren Stellen so gehalten, daß der Leser sich die Meinung bilden könne, die für sie falsche Meinung vorgebrachten Gründe seien so vorgetragen, daß sie eher durch ihre Beweiskraft geeignet, zu überzeugen als leicht zu widerlegen seien, indem du zu deiner Entschuldigung an⸗ gabest, du seiest in einen, wie du sagtest, deiner Absicht so fern liegenden Irrtum verfallen infolge des natürlichen Gesallens, welches Jeder an seiner eigenen Spitzfindigkeit und daran findet, sich dadurch scharfsinniger als die meisten Menschen zu erweisen, daß er auch für die falschen Sätze ingeniöse und blendende Wahrschein⸗ lichkeitsgründe zu finden wisse.

Und nachdem dir eine angemessene Frist für deine Verteidigung gesetzt worden war, hast du ein von der Hand Seiner Eminenz, des Herrn Kardinals VBellarmin geschriebenes Zeugnis produziert, welches du, wie du sagtest, dir verschafft hattest, um dich gegen die Verleumdungen deiner Feinde zu verteidigen, welche von dir sagten, du hättest abgeschworen und seiest von dem h. Officium zu einer Buße verurteilt worden. In diesem Zeugnisse wird gesagt, du hättest nicht abgeschworen und seiest auch nicht zu einer Buße verurteilt, fondern es sei dir nur die von unserm Herrn abgegebene und von der h. Kongregation des Judex publizierte Erklärung mitgeteilt worden, des Inhalt, daß die Lehre von der Bewegung der Erde und dem Stillstehen der Sonne der h. Schrift widerspreche und darum nicht verteidigt und nicht für wahr gehalten werden dürse.

Alles dieses sagtest du nicht, um deinen Irrtum zu entschuldigen, sondern, damit er nicht bösem Willen, sondern eitlem Ehrgeiz zuge⸗

indem du, obschon in demselben die besagte Meinn Schrift widersprechend bezeichnet wird, nichts desto hast, sie zu erörtern, zu verteidigen und als pro

a es uns nun schien, daß du degli deiner ni ganz' die Wahrheit sagtest, erachten wir es für nötig, das inliche Verhör mit dir anzustellen. Bei diesem haft du... katholisch antwortet... 2 1 Zesu Christi und seiner glorreichen a jungfräulichen Mutter Maria sprechen wir, als Gerichtshof sitzend. indem wir sagen, aussprechen, urteilen, erklären: daß du, oben besagter Galileo, durch die... im Prozeß erwiesenen und von dir eingestandenen Dinge dich diesem h. Officium der Ketzerei stark verdächtig gemacht hast, nämlich(verdächtig), daß du die falsche und den heiligen und gött⸗ lichen Schriften widersprechende Lehre, die Sonne sei der ttel⸗ punkt der Welt und bewege sich nicht von Osten nach West d die Erde bewege sich und sei nicht der Mittelpunkt und für wahr gehalten, und(daß du geglaubt und für wahr ge⸗ halten), es dürfe eine Meinung, auch nachdem sie als der h. Schrift widersprechend erklärt und deffhilio worden, als wahrscheinlich sest⸗ gehalten und verteidigt werden; und daß du infolgedessen in alle Zensuren und Strafen verfallen bist, welche durch die heiligen Ca- nones und andere allgemeine und besondere Konstitutionen gegen solche, die sich in ähnlicher Weise verfehlt haben, festgesetzt und pro⸗ mulgiert worden sind. Wir genehmigen, daß du von diesen(Zen⸗ suren und Strafen) freigesprochen werdest, vorausgesetzt, daß du zu⸗ vor mit aufrichtigem Herzen und ungeheucheltem Glauben die oben besagten Irrtümer und Ketzereien und alle anderen der katholischen und apostolischen römischen Kirche zuwiderlaufenden Irrtümer und Ketzereien in der Weise, die dir von uns wird abgegeben werden, vor uns abschwörest, verfluchest und verwünschest.

Und damit diefer dein schwerer und verderblicher Irrtum und Fehltritt nicht ganz ungestraft bleibe und du in Zukunft a selest, und zum Beispiel für die anderen, daß sie sich vor ähnlichen Vergehen hüten, verordnen wir, daß das Buch Dialoghi di Galileo Galilei durch einen öffentlichen Erlaß verboten werde. Dich verur⸗ teilen wir zu förmlicher Kerkerhaft in diesem h. Officium für eine nach unserm Ermessen zu bestimmende Zeit, und legen dir als heil⸗ same Buße auf, drei Jahve lang wöchentlich einmal die sieben Buß⸗ pfalmen zu beten, indem wir uns das Recht vorbehalten, die besagten Strafen und Bußen zu ermäßigen, umzuwandeln oder ganz oder teilweise zu erlassen... 9 1

Sosort verlas Galilei die Abschwörungsformel: 0

Ich, Galileo Galilei, Sohn des verstorbenen Vincenzo Galilei aus Florenz, siebenzig Jahre alt, persönlich vor Gericht gestellt und kuieend vor Eueren Emfinenzen, den Hochwürdigsten Herren Kardi⸗ nälen General-Inquisitoren gegen die ketzerische Bosheit in der ganzen t christlichen Welt, vor, Evangelien, die ich mit meinen Händen berühre, schwöre, daß i immer geglaubt habe, jetzt glaube und mit Gottes Hülfe in Zukunft glauben werde alles, was die h. katholische und apostolische römische Kirche für wahr hält, predigt und lehrt. Da ich aber, n wir von diesem heiligen Ossicium der gerichtliche Befehl verkündet worden, ich müsse die salsche 8 daß die Sonne der Mittel⸗ punkt der Welt und unbeweglich und die Erde nicht der Mittelpunkt sei und sich bewege, ganz aufgeben und dürfe diese falsche Lehre nicht für wahr halten, verteidigen, noch in irgendwelcher Weise lehren, weder mündlich noch schristlich, und nachdem mir eröffnet worden, daß diese Lehre der h. Schrift widerspreche, din Buch geschrieben und in Druck gegeben, in welchem ich die nämliche bereits verdammte Lehre erörterte und mit vieler Bestimmtheit Gründe für dieselbe anführe, ohne eine Widerlegung derselben beizuführen, und ich mich dadurch diesem h. Officium der Ketzerei stark verdächtig gemacht habe. darum, da ich wünsche, Eueren Eminenzen und j Christgläubigen diesen gegen mich mit Recht gefaßten starken Ver⸗ dacht zu benehmen, schwöre ich ab, verfluche und verwünsche ich mit aufrichtigem Herzen und ungeheucheltem Glauben besagte Irrtümer und Ketzereien und überhaupt allen und jeden andern der besagten h. Kirche widersprechenden Irrtum und Sekte. Und ich schwöre, daß ich in Zutunft niemals mehr etwas sagen oder mündlich oder lich behaupten will, woraus man einen ä nlichen Verdacht gegen mich schöpfen könute, und daß ich, wenn ich irgend einen Ketzer oder der Keberei Verdächtigen keunen lerne, denselben diesem 9. Officium oder dem Inquisitor und Ordinarius des Ortes, wo ich mich befinde, denunzieren will... Und sollte ich, was Gott verhüten wolle, irgend einer meiner besagten Versprechungen, Betenerungen, oder Schwüre zuwider handeln, so unterwerse ich mich allen Strafen und Jüchtigungen, welche durch die heiligen Canones und andere allge⸗ meine und besondere Konstitutionen gegen solche, die sich in solcher Weise vergehen, festgesetzt und promulgiert worden sind. So wahr mir Gott helfe und diese seine heiligen Evangelien, die ich mit meinen

Händen berühre. 5 4

Ich, besagter Galiles Galilei, habe abgeschworen, geschworen und versprochen und mich verpflichtet, wie vorstehend. und zur Be⸗ olaubigung habe ich diese Urkunde meiner Abschwörung, die ich Wort für Wort verlesen, eigenhändig unterschrieben.

Rom, im Kloster der Minerva, am 22. Juni 1633. 7

Die Legende, daß Galilei nach der Abschwörung mit dem Fuße gestampft und gerufen: E pur simuove ist eine Erfindung aus, Zeltalter der Aufklärung und ist erst am Ende des 18. hundert entstanden.

Anderufalls hätte ja auch Galilei den

Märty

schrieben werde. Aber das besagte, von dir zu deiner Verteidigung vorgebrachte Zeugnis ist nur geeignet, dich noch mehr zu gravieren,

brannt wurden.

Nach Anrufung also der allerheiligsten Namens unseres Herrn

der Welt, geglaubt 2

einen Augen habend die hochheiligen

tod des Gior- dauo Bruno und anderer erlitten, die zu Lebzeiten Galileis ver?