Bourgeoiste und dem zurückgebliebenen Kleinbürgertum auf große Antipathien stoßen würden, weshalb man mit der einen Hand etwas gab und es mit der andern Hand wieder wegzunehmen suchte. Wie pielsach am Rheine, so forderte man auch in der Hauptstadt Preußens, Erhöhung der Löhne und Verkürzung ber Arbeitszeit, wobei es 2 zur Verweigerung der ferneren Fortsetzung der Arbeit
ließ der Polizei⸗Präsident von Verlin einen Ukas, nach dem man sich ganz Preußen, je nachdem die Verhältnisse gediehen waren, rich⸗ tete: Wörtlich lautete derselbe: „Es ist neuerdings mehrfach vorgekommen, daß Gesellen und Arbeiter plötzlich die Arbeiten eingestellt, ihre Gewerks⸗Genossen in Fabriken, Werkstätten oder auf Bauplätzen beschäftigt, gezwun⸗ en haben, zu seiern und in Zügen mit Fahnen und Musik, zu 2 auf Plätzen oder vor den Toren sich zu ver⸗ einigen, um sich über die Erhöhung des Lohnes oder Verminderung der Arbeitszeit und sonstige Bedingungen, unter denen die Arbeit nur fortgesetzt werden dürfe, zu besprechen. Man hat bei dieser Gelegenheit solche Arbeiter, welche sich den übrigen nicht an⸗ schließen wollten, weil sie mit ihren Arbeits⸗ und Lohnverhält⸗ nissen zufrieden waren, durch Drohungen und Mißhandlungen zu —— gesucht und bedauerliche Exzesse begangen, welche sogar Verwundungen herbeigeführt haben. Dies ist ein Verfahren, welches ohne Auflösung der öffentlichen Ordnung nicht geduldet werden barf. Die Freiheit des Einzelnen soll durchaus nicht be⸗ schränkt werden. Es bleibt jedem Arbeiter unbenommen die Ar- beit, wenn er nicht kontraktlich oder nach den bestehenden Be⸗ stimmungen an eine gewisse Kündigung gebunden ist, aufzu⸗ geben; Es soll niemand beschränkt werden, um mit den Gewerks⸗ genossen über Lohn⸗ und Arbeitsverhältnisse zu beraten, so lange man sich hierbei innerhalb der gesetzlichen Schranken bewegt. Es ist aber nicht gestattet, daß Arbeiter zur Einstellung der Arbeit, zur Teilnahme an öffentlichen Beratungen und zur Annahme der dortigen Beschlußnahmen gezwungen werden. Derarlige Versuche werden als Auflehnung gegen Ruhe und Ordnung dem Richter zur Untersuchung und Bestrafung übergeben und an den Nicht⸗ Ortsangehörigen außerdem mit Verweisung aus der Stadt gerügt werden. Oeffentliche Aufzüge mit Musik, Fahnen und Waffen sind nur auf vorhergegangene Erlaubnis 8 und werden ohne dieselben als Störungen der öffentlichen Ord ung angesehen und verhindert werden. Da im allgemeinen die bisherige Haltung der Hiesigen Gesellen und Arbeiter mit Recht eine öffentliche Anerken⸗ nung verdient, so muß vorausgesetzt werden, daß es nur dieser Andeutung bedarf, um auch für die Folge in dieser Beziehung nur Lobenswertes zu bemerken. Berlin, 18. April 1848. 5 Deer Polizei⸗Präsident: v. Minutoli.“ Wie aus vorstehendem Dokumente hervorgeht, war die hier ge⸗ währte Freiheit zur Erlangung höherer Löhne und kürzerer Ar⸗ beitszeit, derartig verklausuliert, daß sie als eine Axt ohne Stiel, mit der man weder einen Baum fällen, noch Holz zerkleinern kann, bezeichnet werden muß. Ohne klare Stellung der-Kabinettsfrage, ohne Androhung der Arbeitsniederlegung und der Schilderung ihrer Folgen, für die etwa abtrünnig werdenden und noch nicht für die Otrganisation und die Arbeitsniederlegung gewonnenen Kollegen, können alle Anstrengungen zur Erlangung günstiger Lohn⸗ und Ar⸗ beitsbedingungen keine gesunden Früchte zeitigen. Es kam, wie be⸗ reits gesagt, an vielen Orten zu Lohnbewegungen und Streiks, die fast alle im Sande verliefen, da es vor allem an Schulung und Kassen fehlte. Im Krefelder Industriegebiete, namentlich in Süch⸗ teln, kam es zu schlimmen Auftritten. Schaffung eines aus köm m⸗ lichen Lohntarifs war dort die Parole, die folgende Formu⸗ lierung hatte: f„Erhöhung der niedrigen Löhne, Regulierung der Lehrzeit, Einsetzung einer Kommission zur Begutachtung der Abzüge und vor allem, Abstellung der sogenannten Gesellenstühle, bei welchem der Kaufmann oder der Werkführer ein Drittel des Gesellenlohnes für sich einstreichen“. Es kam auch nach länge
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ren Verhandlungen zur Ausarbeitung eines Lohntarifs, der jedoch nur von wenigen Fabrikanten aner⸗ kannt und nur kurze Zeit in Geltung blieb. Noch mehr als 30 Jahre nachher, als Koalitionsfreiheit und Streikrecht klipp und klar er⸗ rungen waren, konnte, wegen der Zerfahrenheit der Krefelder Ar⸗ beiterschaft, ein Lohntarif in der Hohe von 1848 nicht durchgefochten werden, trotzdem es an umfangreichen Arbeitseinstellungen, die ohne längere Vorbereitung wie ein Blitz aus heiterm Himmel kamen und ebenso schuell wieder aufhörten, nicht mangelte.
In Solingen war es der um die Bekämpfung und Unterdrückung des Warenzahlens hochverdiente Waffenfabrikant Peter Knecht, der einen Schwertschmiede⸗Verein ins Leben rief, der schon darum von den meisten Wafsenfabrikanten anerkannt wurde, weil sie in dem N Tarif ein Mittel erblickten, das sie daran hindern
lte, bei den Militäraufträgen sich gegenfeitig zu unterbieten. In den e dieses Vereins hieß es unter anderm: g 3„Die Schwertschmiede⸗Brüder verbinden sich gegenseitig unter⸗ einander niemals, in keinem
Genau einen Monat nach den Ereignissen des 18. März, er⸗h
zum dritten Male mit 15 Talern bestraft. Bei der vierten Versün. digung erfolgte die Ausstoßung„als die eines Verräters“ aus der Bruderschaft, welche durch die öffentlichen Zeitungen bekannt ge⸗ macht wurde. Die Brüder verpflichteten sich ferner, keinem Fabrikan⸗ ten mehr zu arbeiten, der zum vierten Male die tarifmäßigen Preise 05 bezahlt oder einem ausgestoßenen Mitgliede Arbeit gegeben atte.
Nur nach Jahresfrist und wahrer Reue über seinen Verrat sowie aufrichtiger Besserung, konnte eine Wiederaufnahme eines Ausgestoßenen erfolgen.
Diese Satzungen waren neben Firmeninhabern der Schwertbranche, auch vom Gewerbegerichts⸗ Sekretär unterzeichnet. Ob auch die hohe Polizei— der Landrat von Busche⸗Kessel hatte angesichts der Zeitläufte soeben seinen Adel niedergelegt, die Genehmigung zu den Satzungen erteilt hatte, ist uns nicht bekannt geworden. Aber der vorstehende Verein, wie auch die nach dem Schema Minutoli gebildeten Vereinigungen mußten, als die Reaktion wieder vollständig Oberwasser hatte, von der Bildfläche verschwinden.
Charakteristisch ist, daß in den Solinger Satzungen, das bei Aerger und Freude, bei Sieg und Niederlage, beim Bergischen gleich stark zum Ausdruck gelangende Fluchen, sowie auch das Bier⸗ und Branntweintrinken in den Vereinssitzungen unter Strafe gestellt waren.
den Schmieden und ersten
Ueber das Wesen der Ermüdung. Von Dr. Fritz Kahn.
kos. Jeder Mensch legt sich an jedem Abend müde in sein Bett, aber die wenigsten Menschen wissen etwas über die Natur dieser sonderbaren Erscheinung der Müdigkeit. Ja, die allerwenigsten Menschen haben sich gewiß je die Frage vorgelegt:„Warum ermüdet der Körper, warum empfinden wir nach einer gewissen Zeit von Wachsein und Tätigkeit das merkwürdige Gefühl der Ermüdung?“ Die Wissenschaft hat über das Wesen der Ermüdung überraschende Aufklärungen zutage gefördert.
Der menschliche Körper arbeitet genau nach dem Prinzip der Maschine. Ein knöchernes Hebelwerk aus Armen, Beinen, Füßen, Fingern, Kiefern und Rippen wird von einem System von Pleuelstangen und Treibriemen, den Muskeln, in Bewegung gesetzt. Das Betriebswasser dieser Maschine ist das Blut, das die Körperlymphe abgibt und durch unsere Getränke stets ersetzt wird. Ihre Kohle ist die Nahrung, die aus Eiweiß, Fett und Zuckerstoffen besteht. Während aber das treibende Gestänge der Maschine seine Kraft aus dem Dampfzylinder erhält, wird die Kraft der Menschmaschine in den Schubstangen und Treibriemen, den Muskeln, selber erzeugt. In den Muskeln wird die vom Blut eingeführte Nahrungskohle verbrannt, hier an Ort und Stelle in Muskelbewegung umgesetzt, und die Schlacken werden vom Blut ausgeschwemmt. Vornehmlich sind es Zuckerstoffe und zwar vor allem der Stärkezucker, der im Muskel als Muskelkohle verbrannt wird. Da der Muskel, wie alles lebende Gewebe, aus dem eiweißhaltigen Lebens⸗ stoff Protoplasma aufgebaut ist, so kann man sagen: der Muskel ist eine Plasmamaschine, die mit Zucker geheizt wird. Die Asche des Zuckers besteht hauptsächlich aus Milchsäure, jenem Stoff, der den Geschmack der sauren Milch, des Sauer— krauts und der sauren Gurken hervorruft.
Diese Milchsäure nun ist ein Gift für das Protoplasma des Muskels. Sie lähmt diesen Lebensstoff, genau wie die Asche der verbrannten Kohle den Gang der Maschine hemmt, indem sie den Zutritt von Luft verhindert. Die Ermüdung des Muskels ist die Folge von Milchsäurebildung. Die Er⸗ müdung des Körpers ist eine Milchfäurever⸗ giftung.
Arbeitet ein Muskel langsam, leicht und mit Pausen, so spült das Blut die Milchsäure ständig aus dem Muskel aus, so wie der Heizer die Asche aus dem Ofenkasten schippt. Wir können stundenlang langsam gehen, schreiben, nähen, uns unterhalten, können immer wieder ohne Ermüdung Luft holen, unser Herz schlägt Sekunde für Sekunde durch das ganze Leben, denn es macht hinter jedem Schlag eine kurze Pause. Arbeitet aber ein Muskel schnell, schwer und dauernd, wie beim Treppensteigen, laufen, turnen, radeln, so kann das Blut nicht so viel Milchsäure hinaustransportieren, wie im Muskel gebildet wird, das angehäufte Gift lähmt den
Muskel, er ermüdet. Ruht ein ermüdeter Muskel, so spült das Blut die Milchsäure beraus, der Muskel erbolt iich


