daß unter dem kapitalistischen
4. Es ist nicht wahr, 0 System, alle schlechten Arbeits- und Daseinbedingungen vor—
ausgesetzt, die Arbeiter notwendig zum Alkoholgenuß ge⸗ zwungen sind. Im Gegenteil haben gerade die Aermsten das größte Interesse, keine Getränke zu verzehren, die teuer sind, fast keinen Nährwert, ja im Gegenteil ein gefährliches Gift enthalten. 5. Wahr ist, daß die schlecht genährten, schlecht wohnen— den, in jeder Hinsicht übel behandelten Arbeiter mehr als die anderen geneigt sind, in der alkoholischen Betäubung Ver— gessen ihrer Leiden und ihrer Unruhe zu suchen. Folglich ist die Verbesserung der Daseinsbedingungen des Prole— tariats eines der wirksamsten Mittel zur Bekämpfung des Alkoholismus. 6. Aber neben dieser indirekten Aktion ist die direkte notwendig. Und die Erfahrung lehrt, daß diese direkte Aktion nur dann ernsthafte und dauernde Ergebnisse zeitigt, wenn sie von Leuten geleitet wird, die durch das Beispiel wirken, die durch die Tat Propaganda machen und, ohne gegen andere von äußerster Strenge zu sein, sich selbst völlig und streng aller alkoholhaltigen Getränke enthalten; inbe⸗ griffen Wein, Bier und andere gegorene Getränke. 7. Die sozialistischen Abstinenzvereine müssen neben ihrer allgemeinen alkoholgegnerischen Aktion sich die Organisation der Propaganda im Innern der Partei selbst zur Aufgabe machen, namentlich auf die jungen Genossen wirken, ihre Kollegen überzeugen, daß die nieder drückende, lähmende Wirkung des Alkohols die Kampeskraft des Prole⸗ tariats vermindert und, wenn sie einen gewissen Grad erreicht, es zu jeder zähen und andauernden Anstrengung unfähig macht. Man denke ferner an die Mittel, die durch die Alkoholausgaben der Arbeiter den poli— tischen und wirtschaftlichen Organisationen entzogen werden. 8. Ueberall, wo Genossen oder Gruppen, z. B. Genossen- schaften, an der Erzeugung oder dem Absatz alkoholischer Ge⸗ tränke interessiert sind, dürfen die Abstinenzorganisationen keine Anstrengung scheuen, dieses Uebel einzuschränken. In Belgien müssen sie z. B. energisch dahin wirken, daß das Ver- bot des Verkaufs starker Getränke in den Volkshäusern immer strenger durchgeführt wird. 9. Auf dem Gebiete der Gesetzgebung schließlich müssen sie die Partei zur Bekämpfung des Alkoholkapitals in allen seinen Farmen anleiten. Die anzuwendenden Mittel, von der Einschränkung der Verkaufsstellen bis zum vollen Alkohol- verbot werden naturgemäß von Land zu Land verschieden sein und von den schon erzielten Erfolgen der alkoholgegnerischen Propaganda abhängen. Ueberall aber schuldet die Partei es sich selbst, in der ersten Reihe derer zu stehen, die die Selbstbefreiung der Arbeiter von den Alkoholerzeugnissen und Händlern wollen. Das sind unsere Sätze. Viele werden sie sicher über⸗ trieben und„extrem“ finden. Solche Entschiedenheit ist not⸗ wendig. Mit dem Alkoholismus verhandelt man so wenig wie mit der Pest oder der Cholera.„Mäßigkeit“ ist nicht am Platze, wo es sich um ein Gift handelt. Alle, die es mit der
„Mäßigkeit“ versucht haben, wissen, daß ihr propagandistischer Wert völlig null ist. Nur die Vollenthaltsamkeit wirkt selbst auf jene, die selbst nicht soweit gehen. Neun Jahre persön⸗ licher Erfahrung in dieser Hinsicht haben mir eine unerschüt⸗ terliche Ueberzeugung gegeben. Könnte ich sie nur einer wachsenden Zahl unserer Freunde mitteilen!
Ein Auto in der Minute.
In der Automobilfabrik Ford in Detroit, die 25 000 Arbeiter beschäftigt, werden im Jahre 200 000 billige Automobile(zu 550 Dollar) er⸗ t. Der Inhaber hat für dle Arbeiter eine
bedeutende Lohnerhöhung und eine Ge⸗ im größten Maßstab einge⸗ Kunstwart hat Walter Zürich die
ge Größe des Betriebes mit folgenden men zu veranschaulichen versucht:
gegeben wird, verschwindet schattenhaft
„ das aus diesem trockenen steigt.
Krupp hat mehr, auch die A. E. G., der
einzi
up;
„Phönix“, Gelsenkirchen, und noch manche andre deutsche Unter⸗ nehmungen haben mehr. Immerhin: stellen wir uns diese 25 000 Arbeiter vor, in einer Reihe aufgestellt. Und neben dieser Reihe eine andre Reihe: die zweihunderttausend Automobile, die von diesen Fünfundzwanzigtausend im Jahre 1913 geschaffen wurden: eine eiserne Riesenschlange neben einer dünnen Natter. Wie unge⸗ heuer reckt sich das Werk hinaus über den, der's schuf! Da schafsen die Fünfundzwanzigtausend. Schau dir von einem seine beiden Hände an. Sieh, diese beiden Hände greifen aus ins Erzbergwerk, greifen hinunter in die Erde an die Kohlenflöze, greifen hinüber an die Wasserkraftturbine, die die Treibkraft liefert, und backen und fingern diese Dreiheit Eisen, Kohle, Kraft zusammen zu acht blitzenden Autos im Jahre. Acht Autos und zwei Hände, Freund.
Und zusammen sind es zweimalhunderttausend Autos. Eine Fünftelmillion. Nein, die in einer Reihe aufgestellt, vermagst du nicht zu übersehen. Auch nicht von einem tausend Meter hohen Turme. Wie du auch in die Ferne spähen magst— den Lindwurm mit zweimalhunderttausend Automobilgelenken verschluckt die Erd⸗ krümmung— der Lindwurm schmiegt sich an acht Breitegrade, wenn er still liegt.
Aber die zweimalhunderttausend Automobile haben die Ford⸗ fabrik nicht an einem Tage verlassen, um geschlossene Massen⸗ manöver auszuführen; sondern an jedem der dreihundert Arbeits⸗ tage im letzten Jahre haben sich die Tore der Fabrik geöffnet, um nur jedesmal eine fliegende Kolonne von 670 Autos in die Welt zu senden.„Nur“ sechshundertsiebzig Autos im Tage. Das sind arbeitsstündlich sechzig Autos. Das ist ein Auto in der Minute. Der trockene Satz gewinnt ein sonderbares Leben: Jede Minute speit jene Fabrik ein Auto in die Welt.
ck.. aus den Martinsösen schießt geschmolzener Stahl
Lassen wir nun das Zählen, es macht schwindlig. Schauen wir uns lieber das Gesamtergebnis an ihm Jahre: Auf tausend Wegen sausen zweimalhunderttausend Autos, die den Stempel 1913 tragen. Schauen wir hinein... wer sitzt darin?
Ja so: da wehen keine grünen Damenschleier. Da sitzt keine beschauliche Behäbigkeit auf Polstern. Der in diesem Auto sährt, ist kein Vergnügungsmann. Nein, das ist ein Mann der Arbeit. Ford hat keinen Ehrgeiz in bezug auf Luxusautos. Ford überläßt die Städte seiner Konkurrenz. Ford liefert seine Zweimalhundert⸗ 75 an das platte Land der Farmer. Zweitausend Mark das Stück.
Die Weizenfelder rauschen von der Atlantis zum Stillen Ozean — hoch steht der Hafer vom Missouri zu den Seen— starr stehen die Kolben gelben Maises vom Ohio nach dem Mississippi— weiß quillt es aus den Baumwollstauden von Louistana— und zwischen Weizen, Hafer, Mais und Baumwollflocken schießen die zweimal⸗ hunderttausend Autos emsig hin und her auf einer Fläche, die so groß ist wie Europa. Darinnen sitzt der Farmer am Steuer und jährt inspizierend seine weiten Felder ab. Darinnen sitzt er und bringt die Saat hinaus. Darinnen sitzt und fährt er seine Arbeits⸗ leute auf das Feld. Darinnen fährt er feine Frucht zu Markt.
Unaufhörlich flitzen die zweimalhunderttausend Automobile durch das arbeitsdampfende Land, wirre Wege hin und zurück. Und ziehen sie nicht Fäden hinterher? Schießt es nicht von hundert⸗ tausend Fäden kreuz und quer übers Land?
Ja, sie schlingen sich und knüpfen sich und weben den Teppich der Arbeit auf dem platten Lande. Und die surrenden Webe⸗ schifschen, die den Teppich weben helfen, schießen alle aus einem Punkte in das Gewebe, aus der einen Fabrik. Die fünfundzwanzig⸗ tausendmal zwei Hände in dieser Fabrik sind im Grunde ebensoviel Hände der Landwirtschast und bauen mit an hunderttaufend Aeckern. Und die Hunderttausende von Landarbeitern draußen sind im Grunde Industriearbeiter und bauen mit an zweimalhunderttausend Automobilen.
Der Graben zwischen Industrie und Landwirtschaft ist küust⸗ lich. Es wird Zeit, ihn zuzuschütten.
Aus unserer Sammelmappe.
Die Lese. Aus dem Inhalt der nächsten Nummern der Lese: Wilhelm Bölsche: Der goldene Stern, ein naturwissenschaftliches Gedicht; Theodor Etzel: Die Stimme des Volkes, eln allegorisches Märchen; Rudolf von Delius: Uebergang zur Neuzeit, eine philo⸗ sophische Abhandlung: S. G. Kallenberg: Auton Bruckner, eine kurze Lebensbeschreibung: Heinrich Lersch: Gedichte eines Kessel⸗ schmieds; Heinrich Zerkaulen: Hans Heiners Fahrt ins Leben, eine Geschichte; Otto Saure: Poesie und Sage im Bergbau; Alice Buhre: Aus einem russischen Irrenhaus; F. A. Roßmäßler: Bäume im
Noz eine uaturmissenschaltliche Abhandlung; Heinrich von Kleill:


