Ausgabe 
1-30 (24.3.1914)
 
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vier Wasch⸗

und Publappen zu wa maschinen, eine Zentrifuge und einen Trockenapparat mit acht Kam⸗ mern, der jedoch nur für Putzlappen benutzt wird. Die großen Ma⸗

schen. Die Waschanstalt ante

schinentücher werden auf dem Boden an der Luft getrocknet. Pünktlich um 1 Uhr 30 Minuten in der Nacht beginnt der Druck der 400 000 Exemplare, und pünktlich Stunden später mit dem Glockenschlag vier Uhr ist er beendet. Aber schon 10 Minuten nach dem Beginn des Druckes, um 1 Uhr 40 Min., fahren die ersten Automobile mit den ersten Exemplaren nach den Filialen, 10 Minuten nach Schluß des Druckes, also pünktlich um 4 Uhr 10 Minuten morgens, ist das letzte für die Abonnenten be⸗ stimmte Exemplar aus dem Haufe. Um dieses Wunderwerk an Schnelligkeit der Herstellung und Beförderung zu vollbringen, sind besondere Einrichtungen nötig. Die Maschinen werfen die Zeitungen berelts abgezählt und in gefalztem Zustande aus. Das Verpacken zu Paketen erfolgt mit Hilse hudraulischer Pressen, deren nicht weniger als 6 Stück vorhanden sind, für die ein besonderes Wasser⸗ reservoir aufgestellt ist. 5 Von den Packmaschinen aus kommen die zusammengepreßten und verschnürten Pakete in Abfallröhren, in sogenannteRutschen, von wo aus sie direkt auf den Hof und auf die hier bereitstehenden Wagen hexunterrutschen, die sofort, nachdem sie ihre Ladung aufge⸗ nommen haben, abfahren. Zur Expedition stehen gegenwärtig 31 Autos zur Verfügung, für die in Tempelhof eine besondere Garage gebaut wurde, die 50 derartige Autos darunter große Lastwagen D aufzunehmen vermag. Das für den Betrieb diefer Autos nötige Benzin lagert in einem gewaltigen Tank, der 3500 Liter davon auf⸗ zunehmen vermag und durch befondere Einrichtungen gegen Feuers und Explosionsgefahr geschützt ist. 0 r manchmal kommt es vor, daß nach Beginn des Druckes, mitten in der Nacht noch eine äußerst wichtige Nachricht eintrifst, von der man natürlich die Leser noch auf alle Fälle in Kenntnis letzen will. Dann ergeht von der auch um diese Zeit noch anwesen⸗ den Nachtredaktion aus der telephonische Ruf:Alle Maschinen Halt! in den Maschinensaal. Ein Griff von seiten der Ma⸗ schinenmeister nach den elektrischen Ausschaltern, und sämtliche Ma⸗ schinen stehen still. Unterdessen arbeitet die Nachtredaktion se nach den Umständen unter Herbeiziehung des Archivs fieberhaft, und schon nach kurzer Zeit geht ein Stück des Textes in die Seßeerei. Rasch wird er hier fertiggestellt und in den bereits in den Maschi⸗ nen befindlichen Satz eingefügt. Nur wenige Minuten sind seit ihrem Stillstehen vergangen, dann wieder ein Griff nach dem Ein schalter und weiter surren und drehen sich Hunderte und aber Hunderte von Rädern! Die Zeitungsexemplare, die schon in den Pack wagen der Morgenzilge liegen oder die von seiten der Filialen schon an die über 2000 Botenfrauen hinausgegeben sind, kann man freilich nicht mehr zurückholen aber was von jetzt ab in die Welt geschickt wird, enthält bereits die letzte, die aller neueste Nachricht!. So vollzieht sich das scheinbar Unglaubliche, daß 400 000 Zeitun⸗ gen in Stunden fertiggedruckt, und daß sie bereits eine halbe Stunde nach Beginn des Druckes nach den verschiedensten Richtungen der Stadt verteilt oder unterwegs und nach den Morgenzügen ex pediert sind. Ein großer Teil der 5000 Angestellten des Hauses Ullstein u. Co, ist an der Zusammenstellung, dem Druck, der Expedition usw. usw. dieser Zeitung beteiligt, also, wie man wohl Agen kann, die Bevölkerung einer kleinen Stadt.

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Schatzgräber im alten Rom.

i Zur Geschichte der Ausgrabungen. 5 Auf die Frage, wer die ersten Ausgrabungen mehr oder weniger archäologischen Charakters unternommen habe, ant⸗ wortet Professor Christian Hülsen in einem interessanten g Aufsatz, der, im Florentiner Marzocco erschienen, eine kurz 1 gefaßte Geschichte der Ausgrabungen bietet. Die ersten Aus- grabungen haben unbedingt die Christen Roms gemacht, als sie, um ihre Katakomben zu graben, den Boden der ewigen Stadt durchwühlten, und dabei auf die verschiedensten Reste heidnischer Zeit, vor allem auf Gräber stießen. Was von diesen Funden brauchbar war in erster Linie Marmor- material wurde zur Ausschmückung der Katakomben und Basiliken verwandt. 8 Zweckmäßiger begann man erst nach dem Jahre 1000

zu graben; damals wurden die Fora und die Kaiserpaläste ihrer Marmorbekleidung beraubt, aus der dann Kalk be⸗ reitet wurde. Daß diese Beraubung der Ruinen nicht unge⸗ fährlich war, beweist eine ganz neue Entdeckung in den Caracallathermen; in einem 12 Meter unter der Erde ge⸗ legenen Raum fand man hier im vergangenen Sommer ein zusammengestürztes Gewölbe und darunter die Skelette von acht Menschen, die es unter sich begraben hatte. Es waren das Schatzgräber des Mittelalters gewesen, die in so großer Tiefe wohl etwas besonders Kostbares zu finden hofften. Besondere Anziehungskraft übten seit dem frühen Mit

alter die Gräber der- Rolserzeit aus, au denen die Im-

gebung Roms so reich ist man denke nur an die Via Appia und Via Latina. Während in den Gräbern aus republikani⸗ scher Zeit dank dem Zwölftafelgesetz keine großen Schätze zu finden waren, wurden solche später in den Grab⸗ kammern geradezu aufgestapelt. Den größten Fund dieser Art machte man unter dem Pontifikat Pauls III., als an läßlich von Bauarbeiten für die Peterskirche Arbeiter auf den Sarkophag der Kaiserin Maria, Gemahlin des Honorius, stießen. Ihr letzter Wunsch war es gewesen, in der Nähe des Apostelfürsten begraben zu werden; tausend Jahre lang lag sie in ungestörter Ruhe inmitten fabelhafter Schätze. Von ihnen geblendet, warfen sich die Finder darauf, rissen alles auseinander und zogen der Kaiserin das kostbare Gewand aus. Es war aus einem Goldstoff gewebt, aus dem man, nachdem man ihn verbrannt hatte, 40 Pfund Gold gewann. Mehr als vierzig goldene Ringe staken an den Fingern der Kaiserin; der schönste Ring umfaßte einen großen Smaragd mit dem Bild des Honorius. Ohrgehänge und Goldketten lagen haufenweise umher, und ein fein gearbeitetes, silbernes Schmuckkästchen, das einen halben Meter lang war, enthielt eine Unzahl köstlichster Bibelots, darunter eine Lampe aus Bergkristall. Von all diesen Kostbarkeiten existiert nichts mehr; Paul III. nahm es den Findern ab, schickte das Gold in die Münze und schmückte mit den Juwelen Mitren und Kirchengeräte.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts war das Ausgraben zu Rom geradezu eine Art von Spekulation geworden, die von allen Gesellschaftsschichten, vom Kardinal bis zum Vor stadtbewohner, fieberhaft betrieben wurde. Man assoziierte sich zu diesem Zwecke, man gründete Gesellschaften, man lief zu Wahrsagerinnen, um besonders ergiebige Plätze heraus zusinden. Es gab natürlich ganz unfehlbare Methoden, wie beim Lotto, und Ende des 17. Jahrhunderts erschien ein Ver zeichnis von über 400 Plätzen, in denen sich Schätze befinden sollten. Merkwürdigerweise hat der wissende Herausgeber selbst keinen Versuch zu ihrer Hebung gemacht.

Das Zeitalter der großen künstlerischen Funde begann, als das Rom der Renaissance aus den Ruinen der alten Stadt erwuchs, als neue Straßen angelegt, Kirchen und Paläste in allen Stadtteilen gebaut wurden. Die zahllosen Funde dieser Zeit legten den Grund zu den römischen Samm lungen. Man grub, seit Künstler wie Bramant und Raffael sich dessen angenommen hatten, nicht mehr zufällig, sondern planmäßig, und damit hatte das Zeitalter der Schatzgräber aufgehört, das der Archäologen aber begonnen. Den größten Plan trug Raffael in sich: er wollte die bedeutendsten Bau werke des alten Rom, Kaiserpaläste, Fora, Theater, Amphi theater und Thermen ausgraben und hierauf, nachdem man dies alles wiedergefunden, einen Plan der Kaiserstadt ent werfen, der dem Beschauer ihre Schönheit vor Augen führen sollte,als wenn er wirklich vor ihr stünde. Enthusiastische Stimmen erhoben sich für diesen Plan, der mit dem frühen Tod des Urbinaten fiel, aber noch den späteren Geschlechtern genügend Anregung bot.

Der weiße Schrecken.

Von Anton Fendrich.

Die letzten Nachrichten über die niedergehenden Lawinen im Hochgebirge, die trotz der gewaltigen Summen aus Staatsmitteln für Lawinenverbannungen immer noch großen Schaden anrichten und dieser Tage in Tirol einen ganzen Zug patrouillterender Sol⸗ daten verschüttete, lassen bei den Lesern immer wieder die alten folschen Vorstellungen vom Zustandekommen der Lawinen aufleben, wonach diese gewaltige, im Rollen befindliche Schneebälle seien, die 92 der Abwärtsbewegung zu ungeheuren Dimensionen anwachsen.

Wenn man sich über die Entstehung von Lawinen klar werden will, muß man sich vor allem die Beschaffenheit des Lawinen⸗ materials vor Augen halten. Der Schnee ist eine leichte, lockere Ware, der größten Veränderung fähig und ein wahrer Proteus unter den metereologischen Erscheinungen. Seine Verwandlungs⸗ fähigkeit im Hochgebirge ist fast unbegrenzt. Denn auch das glas. harte Gletschereis ist nichts als unter Druck und Kälte einge⸗ schmolzener Schnee. Aber so, wie ex vom Himmel fällt, ist er ein äußerst zartes, gebrechliches Kristallgebilde, das keine sehr große Festigteit gewährleistet, wenn Wände daraus gebaut werden. Solche eren und hängenden Schneewände aber baut der fallende Schnee liberall im Hochgebirge. Ist der Untergrund flach und eben, se