Ausgabe 
1-30 (17.3.1914)
 
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Volk. Zahllose französische Sprachlehrer und Tanzmeister, ger und Gesanglehrer, Schweizer Kon⸗ ditoren, ruf und polnischeSachsengänger und sonstige Land⸗ arbeiter sich im letzten Jahrhundert allein in Deutschland dauernd ansässig gemacht und seit Eröffnung des Weltverkehrs, also seit fünfzig Ja hat eine allgemeine Vermengung aller Rassen

bt. 7 iese lange Geschichte gibt uns den Schlüssel des Verständnisses, wie es kommt, daß nirgends in Deutschland unter den Schulkindern ber beutsche Blondkopf mehr als 54 Prozent der Gesamtzahl er⸗

5 deutsche 8 ttalienische Erdarbeiter, Sän

reicht, während in ganz Bayern, Baden, Hessen, natürlich im Elsaß die der rein Brdnetten über 20 Prozent, oft bis 30 Prozent der tbevölkerung beträgt.

Wenn die offizielle Reichsstatistik(1900) bei 780 000 Auslän⸗ dern 4210 000 Personen angibt, die als nichtdeutsche Reichsange⸗ börige betrachtet werden, so stellt diese Zahl nur den noch nicht assilfmierten Rest der fremden im deutschen Blut vorhandenen Ele⸗ mente dar. Im großen und ganzen kann man mit gutem Recht be⸗ haupten, daß der heutige Deutsche mit den Deutschen des Tacitus fehr wenig gemeinsames hat. Am meisten rein erhalten haben sich noch die Friesen, Überhaupt die Bevölkerung in dem Viereck von den Mündungen der Ems und Weser bis zur Elbe, im Süden reichend

bis zum Thüringer Wald und zum hessischen Bergland aber auch ste haben die keltisch⸗prähistorische Urbevölkerung in sich aufgenom⸗

men. Die Wissenschaft hat also einen kalten Wasserstrahl für allen Rassenstolz, die überspannten Vorstellungen und Ansprüche aller A nenschwärmer und Teutschtümler bereit. Sie bietet keine anderen Grundlagen als für die Ueberzeugung, daß keine veinen Rassen existieren, daß Völker historisch⸗politische aber nicht zk biologische Individuen sind und daß Curopa rapid der Heraus⸗ FBuüldung eines einheitlicheneuropäischen Kulturvoltes zueilt. Mit 3 Vorsicht ist daher alles aufzunehmen, was über die Vorzüge Reinrassigkeit und die Nachteile der Rassenmischungen behauptet wird. Das Problem ist ungeheuer schwierig und Sicheres hierüber wissen wir heute eigentlich garnicht.

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Der Regenwurm, ein wichtiger Gehilfe des Landwirts.

In dem seltsamen Reich der Würmer gibt es wohl kein bekannteres Tier als den Regenwurm, denn fast jeder Spatenstich im Garten, jede auf dem Felde gezogene Furche fördert ihn zutage und außerdem ist er der beliebteste und

verbreitetste Köder für die Angel zum Fange aller möglichen Fische. Man sollte nun meinen, daß die Lebensweise dieses allbekannten Tieres für niemanden mehr Geheimnisse birgt; das ist aber durchaus nicht an dem, denn der Regenwurm wird heute selbst noch in landwirtschaftlichen und gärtnerischen Kreisen falsch beurteilt. Vielfach wird heute noch geglaubt, daß er die Wurzeln der jungen Pflanzen angreife und da durch zum Schädling werde, der vertilgt werden müsse, wo man ihn trifft. Der Regenwurm ist aber, wie in der illustrierten Zeitschrift Der Stein der Weisen(Berlin S. 42) erläutert wird, gar nicht imstande, solch frisches, widerstands fähiges Gewebe mit seinen schwachen Kauwerkzeugen zu be wältigen, er kann nur ganz weiche, halb in Verwesung über gegangene Pflanzenteile, vor allem Blätter, zernagen und als Nahrung in sich aufnehmen, und gerade dadurch tut er nicht nur keinen Schaden, sondern wird zum wichtigen Ge hilfen des Landwirts, dem er großen Nutzen bringt. In feuchtwarmen Sommer- und Herbstnächten kommt der Regenwurm aus seinem recht tief in die Erde hinab⸗ gehenden Bohrloch mit dem größten Teil seines Körpers heraus, nur das Schwanzende bleibt als Stütze und Dreh⸗ punkt in dem oberen Teil des Loches. Nun windet sich der Wurm nach allen Seiten hin und ergreift mit seinem Vorder ende alle Blätter und Blattreste, die er erlangen kann. Er dieht diese Blätter in sein Wohnloch hinein und hier in dem feuchten Erdreich gehen die Pflanzenteile rasch in Verwesung über, daß heißt in den Zustand, in dem der Wurm sie mit seinen Freßwerkzeugen zerkleinern und seinem Magen zu⸗ führen kann. Die Spuren dieser Tätigkeit können wir nach jeder feuchten Nacht in Garten und Feld beobachten; wir sehen dann viele Löcher, aus denen Blätter, Grashälmchen und andere Pflanzenteile herausragen, und zwar sind die Blätter immer zusammengerollt und stecken mit der Spitze in dem Loche. Nach und nach zieht der Wurm sie in seine Röhre hinunter und verzehrt sie. Wird er bei dieser Tätig⸗ keit überrascht, was sehr häufig vorkommt, da die Angler ihn

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blitzschneu in das Loch zurück. Er hat die Fahigkeit, ich mu werkwürdiger Leichtigkeit in die Erde einzubohren, und das hat seinen Grund darin, daß sein ganzer Körper, besonders die Bauchseite, mit sehr vielen winzigen, rauhen Leisten besetzt ist, so daß er sich anfühlt wie eine feine Feile, wenn man vom Schwanzende nach dem Kopf zu mit dem Finger über ihn wegstreicht. Wenn sich der Wurm nun mit dem Schwanzende gegen die Erde stemmt, dann schiebt sich das zugespitzte Kopfende mit Leichtigkeit nach vorn unter Ent wickelung einer ziemlich bedeutenden Kraft.

Legen wir eine, oft bis zu einem Meter lange Wurm röhre offen, so sehen wir, daß die Wände und der Boden mit einer schwarzen Erdschicht bedeckt sind, die aus kleinen Krümelchen besteht; es sind die Endresultate der Verdauung des Regenwurms, und sie bestehen lediglich aus Humus und stellen damit einen ganz vorzüglichen Dünger dar. Die Menge dieses für die Pflanzen so wichtigen Humus, der von den Regenwürmern produziert wird, ist nun durchaus nicht gering. Wie vielfache Versuche dargetan haben, befinden sich auf einem Hektar durchschnittlich 150000 Würmer, die zusammen das bedeutende Gewicht von über 900 Pfund haben und in 24 Stunden etwa 150 Pfund Humus hervor bringen, also eine Menge, mit der schon sehr zu rechnen ist. Zieht man in Betracht, daß die Regenwürmer den größten Teil des Jahres hindurch in dieser Weise für den Landwirt arbeiten, so geht schon hieraus allein ihre Bedeutung für die Kultivierung des Ackers hervor. Außerdem lockern sie aber durch ihre vielen Röhren den Boden ganz ungemein, so daß die Luft in die Ackerkrume ebenso gut eindringen kann wie die Niederschläge. Die Pflanzen benutzen nun mit Vor⸗ liebe die Wurmlöcher, um möglichst tief in das Erdreich hinabzugehen. Sobald eine Wurzel eine solche Röhre er⸗ reicht hat, geht sie in ihr abwärts und entwickelt zahlreiche Saughaare, die den Humus der Röhrenwände aufsaugen und so der Pflanze außerordentlich viel Nahrungsstoff zu- führen, so daß sie üppig gedeihen kann.

Da der Regenwurm während seines Lebens Kohlen säure ausatmet, die ebenfalls von den Pflanzen verwendet wird, so zeigt er sich auch hierdurch nützlich, und selbst nach seinem Tode dient er noch dem Wachstum der Pflanzen; denn sein verwesender Körper bildet ebenfalls einen guten Dünger. Wir sehen also hieraus, daß wir den Regenwurm als einen durchaus wichtigen und nützlichen Gehilfen des Landwirtes ansehen müssen, der ihm eine Arbeit verrichtet, die durch nichts anderes ersetzt werden kann. Er ist der beste Freund des Landwirtes und sollte daher überall nach Mög- lichkeit geschont werden, besonders da er natürliche Feinde genug hat, die ihm ohne Unterlaß nachstellen. Der schlimmste derselben ist der Maulwurf, der ungezählte Mengen von Regenwürmern verzehrt, der aber trotzdem auch ein Freund des Landwirtes ist, da er ebenso sehr unter den Schädlingen, besonders unter den Engerlingen und anderem Ungeziefer aufräumt, so daß ihm das Verzehren der Regenwürmer zu gute gehalten werden muß. Da die Regenwürmer eine außerordentlich zahlreiche Nachkommenschaft in die Welt setzen, so ist durchaus nicht zu befürchten, daß sie von ihrem schlimmsten Feind ausgerottet werden. Der Wurm kennt übrigens diesen Feind sehr gut, was man am besten daran sehen kann, wenn man die wühlenden Bewegungen des Maulwurfs nachahmt. Steckt man einen Spaten oder einen Stock in die Erde und bewegt ihn hin und her, daß die Erde erzittert, dann fliehen in ungeheurer Angst sämtliche Regen⸗ würmer im Umkreis schleunigst zur Erdoberfläche empor, um sich vor ihrem grimmen Vertilger zu retten. Die Wurm sucher benutzen diese Angst, um auf möglichst bequeme Weise die Würmer zu fangen.

Aus uuserer Sammelmappe.

Die Wirkungen des Höhenklimas auf das Blut. Die Frage, ob die Zusammensetzung des Blutes unter der Einwirkung des Höhen⸗ klimas sich verändere, war bis jetzt noch eine offene. Beobachtun⸗ gen, die eine Vermehrung der roten Blutkörperchen bei Auffuchung größerer Höhenlagen festgestellt hatten, standen andere gegenüber, die dies verneinten. In einer sich über viele Jahre hin erstreckenden

ends und nachts mit der Laterne suchen, so zieht er sich! Unterfuchung bak un Prof. Dr. K. Burker endlich iichere Relul tate